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„Ich war von der plötzlichen Entscheidung des Bundestrainers perplex“, sagt Thomas Müller.

Thomas Müller

„Hat mit Wertschätzung nichts zu tun“

Thomas Müller zeigt kein Verständnis für die Art und Weise, wie Joachim Löw ihn, Hummels und Boateng bei der Nationalmannschaft aussortiert hat.

Thomas Müller hatte eine Nacht drüber geschlafen, womöglich tatsächlich versucht, für die Entscheidung von Joachim Löw Verständnis aufzubringen. Rund 28 Stunden nach seiner Ausbootung aus der Nationalmannschaft aber platzte es aus dem Weltmeister von 2014 heraus, Müller rechnete eiskalt ab. Mit dem Bundestrainer, dem DFB und seinem Präsidenten Reinhard Grindel.

„Je länger ich darüber nachdenke, desto mehr macht mich die Art und Weise, wie das abgelaufen ist, einfach sauer. Kein Verständnis habe ich vor allem für diese suggerierte Endgültigkeit der Entscheidung“, sagte der Angreifer von Bayern München in einem Video, das er am Mittwochabend über seine Social-Media-Kanäle verbreitete.

„Ich war von der plötzlichen Entscheidung des Bundestrainers perplex“, erklärte der 29-Jährige weiter, der von seinem Debüt im Frühjahr 2010 an bis zum WM-Desaster im vergangenen Sommer ein Fixstern im System Löw war: „Ein Bundestrainer muss sportliche Entscheidungen treffen. Das stelle ich nicht infrage. Aber Mats (Hummels; d. Red.), Jerome (Boateng; d. Red.) und ich sind immer noch in der Lage, auf Top-Niveau Fußball zu spielen.“

Nicht zuletzt die Art und Weise der Bekanntmachung stieß dem 100-maligen Nationalspieler - weißes Hemd mit zwei offenen Knöpfen, im Hintergrund eine Holzwand - sauer auf: „Wenn kurz nachdem wir von der Entscheidung des Bundestrainers erfahren haben, vorgefertigte Statements seitens des DFB und des DFB-Präsidenten an die Presse rausgegeben werden, ist das aus meiner Sicht kein guter Stil und hat mit Wertschätzung nichts zu tun.“

An die Adresse der Fans erklärte Müller: „Ich war immer stolz, das DFB-Trikot zu tragen. Ich habe immer alles gegeben. Es war eine unglaubliche Reise. Ich bin ein Kämpfer und werde nach vorne schauen.“ Resolut setzte er hinzu: „Das Spiel ist noch nicht nicht aus.“

Müllers Verein Bayern München hatte Löw Stunden zuvor insbesondere für die Art und Weise der Ausbootung seiner drei 2014er-Weltmeister Müller, Hummels und Boateng scharf kritisiert und kein Blatt vor den Mund genommen.

„Wir halten den Zeitpunkt und die Umstände der Bekanntgabe an die Spieler und an die Öffentlichkeit für fragwürdig“, schrieben Bayern-Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge und Sportdirektor Hasan Salihamidzic in einer gemeinsamen Stellungnahme. Der Zeitpunkt unmittelbar vor „richtungweisenden Spielen“ in Bundesliga und Champions League „irritiert uns“, schrieb das Führungsduo weiter.

„Uns hat überrascht, dass dies im Rahmen eines unangekündigten Besuches (...) an der Säbener Straße erfolgte“, betonten Rummenigge und Salihamidzic, die darauf verwiesen, dass „das letzte Länderspiel der deutschen Nationalmannschaft am 19. November 2018“ stattgefunden hat - vor dreieinhalb Monaten.

Rummenigge fügte im ZDF hinzu: „Der Zeitpunkt ist nicht gut für uns. Das bringt ein Stück Unruhe in den ganzen Klub.“ Die „Stilfrage“ müsse jeder für sich selbst beantworten, der Umbruch an sich jedoch sei zu akzeptieren.

Die Bayern spielen am Samstag (15.30 Uhr/Sky) im Titelkampf der Bundesliga gegen den VfL Wolfsburg. Am Mittwoch (21.00 Uhr/Sky) geht es gegen den FC Liverpool um den Einzug ins Viertelfinale der Champions League. Das Hinspiel endete 0:0.

Bereits am Dienstag hatte sich Ex-Nationalspieler Mesut Özil, der vergangenen Sommer unter einigem Getöse aus der DFB-Auswahl zurückgetreten war und seit dem WM-Desaster in Russland kein Wort mehr mit Löw wechselt, an die Öffentlichkeit gewandt. „Kopf hoch, Bro. Seit den frühen Anfängen in den Jugend-Nationalteams haben wir viele besondere Momente zusammen gefeiert. Du bist ein wahrer Freund und ein toller Mensch, auf und neben dem Platz. Es tut mir leid, dass einer der besten deutschen Spieler der letzten Dekaden das Nationalteam auf diese Art verlassen muss“, schrieb er an die Adresse Boatengs.

Der ehemalige Abwehrchef selbst schickte wie auch sein langjähriger Partner Hummels kleine Kinder ins Feld, um den Frust zu entladen. Boatengs Patenkind Mayla sagte in einem Videoclip bei Instagram: „Kopf hoch! Die sind doch balla-balla.“ Boateng selbst kommentierte: „Danke, dass Du meinen Tag aufhellst, Mayla.“ Hummels ließ sich von seinem Sohn Ludwig trösten: „Aufmunterer“, schrieb er bei Instagram neben ein gemeinsames Foto.

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