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Thomas Müller - nicht mehr unumstritten

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Von: Manuel Bonke, Hanna Raif

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Muss langsam wieder auf Trab kommen: Thomas Müller.
Muss langsam wieder auf Trab kommen: Thomas Müller. Foto: Imago images © Imago

Warum die Bayern-Ikone mittlerweile ernsthaft um seinen Stammplatz im Team des FCB kämpfen

So ein Kaiserschmarrn muss schon gut gemacht sein. Die, die schon in einem überfüllten Wiesn-Zelt nach 45-minütiger Wartezeit zugriffen, wissen, wie es nicht geht. Jene hingegen, die mal bei Thomas Müller zu Gast waren, kennen die Premium-Variante. „Wenn schon, denn schon“ ist das Motto, wenn der 33-Jährige die Süßspeise kocht: „Man nehme noch ein eine Prise gesundes Bewusstsein hinzu, et voilà steht es auf dem Müller-Tisch.“ Es ist nur eine kleine Anekdote aus dem monatlichen Newsletter, den Müller am Abend vor dem Trainingsstart des FC Bayern verschickte – aber es ist eine, die seine Abonnenten aufatmen lässt.

Einen guten Monat hat es nach dem deutschen WM-Aus in Katar gedauert, bis der „Müllerthomas“ sich wieder so gibt, wie man ihn kennt. „Ausgiebig“ habe er nachgedacht in den letzten Wochen, „etwas mehr als sonst“, und die „ersten zwei Wochen waren mühsam“, gab er zu. Weil „Zeit aber dann doch viele Wunden heilt“, gilt nun: „Irgendwann weicht die Enttäuschung der Zuversicht.“ Und die soll für 2023 drei Titel bereithalten. Mit Müller als Stammspieler, so der Plan: „Packen wir’s an und machen aus 2023 ein super Jahr.“

Weiterhin Hunger auf Titel

Es wird kein Zufall sein, dass Müller über seine Zukunft im DFB-Team im Newsletter kein Wort verliert. Da will einer bewusst nicht zurück, sondern nur nach vorne schauen. Man darf ja nicht vergessen, dass dieses 2022 schon vor der verkorksten WM für Müller ein durchaus durchwachsenes gewesen ist. Der zehnte Meistertitel hintereinander war ein Erfolg, darüber hinaus aber gab es in beiden Pokal-Wettbewerben den frühen K.o. sowie einen Herbst zum Vergessen. Während die Bayern nach ihrer Mini-Krise eindrucksvoll zurück an die Tabellenspitze stürmten, war Müller mit seinem lädierten Körper beschäftigt. In der Bundesliga kam er zuletzt am 30. September zum Einsatz, im Oktober spielte er insgesamt 65 Minuten. Dass es ohne ihn geht – und dem Rekordmeister für die Zeit nach Müller nicht bange sein muss –, hat die Offensive bewiesen. Davon, dass es mit ihm aber besser geht, will und muss Müller Julian Nagelsmann nun überzeugen - auch schon im Trainingslager am Freitag im weiterhin hoch umstrittenen Katar.

Er vertraut dabei auf seine Erfahrung – und sagt: „In meiner Sportlerkarriere habe ich schon viel gesehen, ausprobiert und meinen eigenen Weg ganz gut gefunden, aber man lernt nie aus.“

Tatsächlich wird Müller sich anpassen müssen, weil seine Position nicht mehr unantastbar ist. Vielmehr wurde intern beschlossen, Jamal Musiala als Zehner zu etablieren, während Müller sich eher neben Eric-Maxim Choupo Moting (und dem aufstrebenden und geschätzten Mathys Tel) um den Platz im Sturmzentrum bewirbt. Den Körper fit zu bekommen und leidensfähig zu bleiben, sind daher die Ziele für die Vorbereitung: „Denn das ist essenziell im Profisport. Man muss an seine Grenzen gehen können.“ Das kann Müller so gut, dass er bisher immer seinen Platz gefunden hat. Und auch davon überzeugt ist, in den großen Spielen eine tragende Rolle zu übernehmen. Die „offenen Rechnungen“ im DFB-Pokal will er begleichen, auf das Viertelfinale in der Champions League gegen Paris Saint-Germain ist er „extrem heiß“. Freilich sei es „richtig schön“, Lionel Messi, Neymar und Kylian Mbappé beim Zaubern zuzuschauen, aber: „Gegen uns muss die Fußballkunst leider pausieren.“

Da hat einer Hunger. Nicht auf Kaiserschmarrn, sondern auf Titel. Und das war schon immer Müllers bestes Argument.

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