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Thomas Hitzlsperger über Coming-Out: „Es scheint noch ein Problem zu sein“

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Von: Melanie Gottschalk

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Thomas Hitzlsperger hat sich nach dem Ende seiner aktiven Fußball-Karriere zu seiner Homosexualität bekannt.
Thomas Hitzlsperger hat sich nach dem Ende seiner aktiven Fußball-Karriere zu seiner Homosexualität bekannt. © Robin Rudel/imago

Thomas Hitzlsperger ist nach dem Ende seiner Karriere den Schritt gegangen und hat sich zu seiner Homosexualität bekannt. Doch der Weg dorthin war nicht leicht.

München - Thomas Hitzlsperger verbinden viele Fußball-Fans wohl mit seinem knüppelharten Schuss oder einem der Akteure, die dem VfB Stuttgart zur Meisterschaft 2007 verholfen. Jahrelang begeisterte er in der englischen Premier League und der Fußball-Bundesliga, lief insgesamt 52 Mal im DFB-Dress auf. Als er seine aktive Karriere beendet hatte, tat er dann noch einen wichtigen Schritt, der ihn in ganz Deutschland bekannt machte.

Als erster prominenter Ex-Fußballer bekannte er sich 2014 offen zu seiner Homosexualität – und wurde dadurch zu einem Vorbild, auch wenn immer noch sehr wenige Profi-Sportler:innen diesen Schritt gehen. Trotzdem: „Ich spüre eine Verantwortung aufgrund meiner Lebensgeschichte“, sagt Thomas Hitzlsperger im Interview mit der TZ. Deshalb wird er auf dem Christopher Street Day (CSD) in München über seine Erfahrungen mit dem Thema im Profisport sprechen. Vielleicht auch, um anderen Mut zu machen, diesen wichtigen Schritt zu gehen.

Thomas Hitzlsperger verdrängte lang seine Probleme

Als junger Mann interessierte er sich eigenen Aussagen zufolge nur wenig für das, was gesellschaftspolitisch um ihn herum passierte. „Ich hatte nur ein Ziel: Fußball-Profi zu werden“, sagt er. Doch gegen Ende seiner Karriere habe sich das verändert. „Ich merkte: Ich gehörte zu denen, die im Profifußball unsichtbar sind, über die gesprochen wird, aber von denen selbst niemand spricht. Und ich stellte mir Fragen wie: Gehe ich damit an die Öffentlichkeit? Spreche ich mit Teamkollegen und dem Trainer darüber? Diese Gedanken haben mich beschäftigt. Gleichzeitig habe ich versucht, Probleme zu verdrängen“, erzählt er.

Als er merkte, dass sein Leben mehr als Fußball beinhaltete, stieß er dann auf neue Probleme. „Da gehört es eben auch dazu, auszugehen und ab und an zu feiern – aber eben nicht an den Orten, wo die Mannschaftskollegen feierten. Diesen Schritt wagte ich lange Zeit nicht“, erklärt Thomas Hitzlsperger.

Thomas Hitzlsperger bereut seine Entscheidung bis heute nicht

Vor seinem öffentlichem Coming-Out hatte er aber die meiste Angst, seinem engsten Umfeld – also seinen Eltern und seinen Geschwistern – von seiner Homosexualität zu erzählen. „Das Entscheidende war, dass sie mich unterstützen. Als ich das wusste, gab es keine Befürchtung mehr. Weil ich merkte, auch wenn es öffentliche Kritik geben sollte, steht mein engstes Umfeld immer noch zur mir“, sagt er in dem Interview.

2014 habe es dann keinen vernünftigen Grund mehr gegeben, sich nicht öffentlich zu seiner Homosexualität zu bekennen. „Ich war Fußballprofi und hatte die große Möglichkeit, eine Diskussion über den Umgang mit Homosexualität im Profisport, und Fußball im Speziellen, voranzubringen“, sagt Hitzlsperger. Er habe viele positive Reaktionen bekommen, bis heute bereut er seine Entscheidung nicht. „Aber die Frage ist doch: Wieso haben sich immer noch so wenig Ex-Fußballer nach ihrer Karriere geoutet? Es scheint also noch ein Problem zu sein. Ich will die Diskussionen dazu bereichern“, sagt er.

Hitzlsperger hofft, Toleranz und Respekt und das Miteinander in Zukunft auch zu Menschen transportieren zu können, die immer noch ein Problem mit Minderheiten haben. Er wolle verständlich machen, dass die Gesellschaft mit Ausgrenzung nicht weiterkommt. Eine wichtige Aufgabe, bei der ihm hoffentlich seine Prominenz weiterhin helfen wird. (msb)

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