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Stets nah an den Spielern: Bundestrainer Hansi Flick, hier mit Verteidiger Jonathan Tah.
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Stets nah an den Spielern: Bundestrainer Hansi Flick, hier mit Verteidiger Jonathan Tah.

DFB-Elf

Tendenz zum Aufbruch

  • Jan Christian Müller
    VonJan Christian Müller
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Vor dem hektischen WM-Jahr 2022 freut sich die deutsche Nationalmannschaft über positive Entwicklungen unter Bundestrainer Hansi Flick. Doch die Herausforderungen sind riesig.

Zum Ende eines ungewöhnlichen Arbeitsjahres sollte Hansi Flick seiner Mannschaft eine Schulnote geben. Da musste der Bundestrainer tatsächlich lächeln, aber er verweigerte am Hindernis. Stattdessen sprach er nach dem 4:1-Sieg gegen Armenien – wenngleich in dem Pressesaal des Stadions von Jerewan akustisch kaum zu verstehen – lieber von einem „guten Weg“, von „familiärer Atmosphäre“, davon, dass auf jeder Position „zwei, drei Spieler“ vorhanden seien, auf einigen Positionen gar „Topspieler“. Insgesamt kam der 56-Jährige zu der Selbstbewusstsein ausstrahlenden Erkenntnis, dass seine Truppe sich auch vor den Besten der Welt „nicht zu verstecken“ brauche.

Das freilich hatte schon Vorgänger Joachim Löw geglaubt, aber seit Sommer 2018 nicht mehr stabil hinbekommen. Im Grunde hielt ja geraume Zeit gar die Meinung vor, die anderen müssten sich eher vor Deutschland verkriechen. Das ist nach den beiden Turnieren 2018 und 2021 natürlich nicht mehr der Fall, und Flick scheint sich nun ganz wohl zu fühlen in der Rolle des Herausforderers. Mit sieben Streichen in sieben Spielen und eindrucksvollen 31:2 Toren unter seiner empathischen Handlungsanleitung dürfte aber auch die internationale Konkurrenz erkannt haben, dass mit den Deutschen womöglich wieder zu rechnen ist.

Ab dem kommenden Jahr hat Flick gemeinsam mit seinem Trainerteam vor, die Nationalspieler enger zu begleiten, als das bisher der Fall war. Im Restjahr 2021 will er sie „in Ruhe lassen“, was wahrscheinlich klug ist. Im picke-packe vollen 2022 geht es dann für das DFB-Team Ende März mit zwei Testpartien los, im Juni weiter mit viermal Nations League, die im September mit zwei weiteren Spielen fortgesetzt wird. Der Oktober bleibt ausnahmsweise länderspielfrei.

Aber er tut das nur, weil die Weltmeisterschaft am 21. November anfängt. Und zwar unmittelbar aus dem nationalen Ligabetrieb heraus. Kein Trainingslager, vielleicht gerade mal fix ein einziges Vorbereitungsspiel – und schon geht es los in Katar. Flick spricht zwar davon, dass seiner Mannschaft ein paar gemeinsame Übungseinheiten guttun würden, um noch einige Abläufe besser zu implementieren. Etwa, dass bei allem Offensivdrang in der Verteidigung immer ein Mann mehr zur Verfügung steht als dem Gegner in dessen vorderster Reihe. Aber aus solchem Grundlagentraining wird nicht viel werden, das ist schon mal klar. Jedenfalls nicht gemeinsam. Flick ist damit nicht alleine, auch anderen Nationaltrainern geht es nicht besser. Und ehrlicherweise muss man ja auch sagen, dass die Trainingscamps vor der WM 2018 in Eppan und der EM 2021 in Seefeld zwar schön waren, aber nicht viel gebracht haben. Flick hat nun auch ohne viel Training schon einiges an Feinschliff und Bereitschaft zur Attacke ins Team bekommen. Das gibt Hoffnung für mehr, wenngleich die Gegner keinen seriösen Anlass geben, sich ausdauernd jubelnd in den Armen zu liegen. Tut auch niemand im DFB. Flick schon gar nicht. Der Mann wirkt eher zurückgenommen.

Er weiß ja auch, dass er auch die Impfproblematik noch ansprechen muss, und zwar sensibel, weil das Thema so kompliziert zu sein scheint und Druck mutmaßlich die falsche Formel ist. Klar ist, dass er eine Abreise von vier ungeimpften Spielern nicht noch einmal erleben will. Da kann der Kader noch so tief sein: Gegen Topteams von größerem Kaliber als Liechtenstein und Armenien reicht es mit der zweiten Reihe mutmaßlich dann eben doch nicht. Dass vergangene Woche ein volles Dutzend Spieler vorzeitig abreiste, hat er professionell moderiert, aber gefallen haben kann es ihm ja nicht. Er plant nämlich gern präzise.

Tatsächlich ist es Flick gelungen – auch dank der Rückkehr des Publikums in die Stadien – ein kleine Aufbruchstimmung zusammenzukleben. Zwei Gegentore in sieben Spielen zeugen von einer neuen Stabilität, und nach vorne ist diese Mannschaft auch ohne klassischen Mittelstürmer offenbar immer in der Lage, torgefährlich zu agieren. Eine Entdeckung ist dabei der Mönchengladbacher Jonas Hofmann auf der rechten Seite. Den hatte schon Joachim Löw dort für die verbaselte EM geplant, aber dann verletzte sich Hofmann am Knie. Flick führt die Idee seines Vorgängers insoweit nur fort.

Zudem hat er Leroy Sané, genau wie Julian Nagelsmann im Klub, von rechts nach links versetzt, was dieser mit guten Leistungen goutiert. Sogar Verteidiger Jonathan Tah, nach dem 0:6 vor einem Jahr in Spanien unehrenhaft entlassen, ist wieder da und dankte die Rückkehr in Armenien mit einer astreinen Vorstellung ohne Fehl und Tadel. Thilo Kehrer, fast vergessen, wurde von Flick reanimiert und ist auch ohne Stammplatz bei Paris Saint-Germain eine Größe in der deutschen Nationalmannschaft. Und sogar Ilkay Gündogan machte jetzt mal ein richtig gutes Länderspiel.

Man könnte von hinten nach vorn noch mehr Spieler aufzählen, aber viele fehlten ja. Im März möchte Flick dann einen „Hochkaräter“ als Gegner vorgesetzt bekommen. Er würde gern erkennen, wie seine Männer sich anstellen, wenn die Gegenwehr größer ist. Aber Obacht: Im März 2018 spielte Deutschland gegen Spanien in einem hochklassigen Spiel in Düsseldorf 1:1. Nichts deutete darauf hin, dass drei Monate später ein solcher Einbruch erfolgen sollte wie bei der WM in Russland.

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