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Task-Force des DFB: Der deutsche Fußball und das Projekt Herzblut

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Von: Jan Christian Müller

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Die Task Force des DFB zur Rettung des deutschen Fußballs nimmt schon Donnerstag ihre Arbeit auf.

Wer seinen Kopf aus dem Fenster hält, bekommt um diese Jahreszeit Wind ab. Das haben die zur Rettung des deutschen Fußballs eilig herbeigerufenen Koryphäen Kalle Rummenigge, Rudi Völler, Olli Kahn, Matthias Sammer und Oliver Mintzlaff in den Stunden nach ihrer offiziellen Berufung zu spüren bekommen. Es wäre übertrieben zu behaupten, die fünf Feuerwehrmänner wären von den Gaffern vorm brennenden Haus DFB mit Beifall empfangen worden.

So weit ist es mit den Respektlosigkeiten schon gekommen, dass die Brüder Toni und Felix Kroos sich in ihrem kurzerhand zur Videoshow umfunktionierten Traditions-Podcast „Einfach mal luppen“ köstlich über Rummenigge amüsieren. Als sie den auch nach seiner Verrentung beim FC Bayern noch immer dem Uefa-Exekutivkomitee angehörigen 67-Jährigen auf der Tribüne in Doha in trauter Zweisamkeit mit Fifa-Boss Gianni Infantino entdeckten, fragte sich Felix zur Erheiterung seines Bruders Toni: „Kann man ja nur hoffen, dass die Rückreise dieses Mal reibungsloser abläuft für Kalle.“ Eine listige Reminiszenz an das Jahr 2013. Seinerzeit war Rummenigge bei der Rückkehr von einer Bildungsreise in Katar am Münchner Airport mit zwei unverzollten Rolex-Uhren erwischt worden und musste happig Strafe zahlen.

Stellt sich der Fundamentalkritik: Bernd Neuendorf.
Stellt sich der Fundamentalkritik: Bernd Neuendorf. © AFP

DFB: Rummenigges Offensive

Der Ex-Bayern-Boss hat nun eine Medienoffensive gestartet, um die neue Task Force öffentlichkeitswirksam zu flankieren. Das erscheint in der Tat klug, denn es geht bei den an diesem Donnerstag beginnenden Elefantentreffen ja keinesfalls nur um Arbeit im stillen Kämmerlein, sondern auch darum, dass sich ein fröhliches Deutschland auf die EM 2024 freut. Momentan befindet sich das Stänker-Land im Stimmungstief. Der erfahrene Arbeitskreis sieht sich mit seiner „Schwarmintelligenz“ (Spiegel.de) in der Pflicht, nicht nur einen besseren Bierhoff zu finden und Fußballfachfragen zu diskutieren, sondern auch das frustrierte Publikum emotional wieder in die Spur zu bringen.

Schon am 14. Juni 2024 findet das Eröffnungsspiel der Heim-EM statt. Dann soll sich Deutschland wieder in den Armen liegen. Rummenigge: „Es geht nicht um Marketing, nicht um Merchandising. Es geht um Zusammenhalt. „Wir müssen wieder Herzblut reinbringen“, Da hat einer die nationale Not ums DFB-Team offenbar voll erfasst.

Für den nötigen Beistand, das hat die gut vernetzte Projektgruppe schnell erkannt, braucht es bestenfalls das Massenblatt „Bild“ als inoffziellen Förderer der EM-Kampagne 2024. Weshalb es schon mal hilfreich war, dass die Redaktion sich vorab über die Zusammensetzung des hohen Rats in Kenntnis gesetzt wusste.

Task-Force des DFB: Die Eliteklubs beisammen

Und tatsächlich gibt es bei aller fundierten Kritik an den Helden von 1982, 1986, 1990, 1996 und 2002 (Rummenigge, Völler, Sammer, Kahn) sowie Pokalheld Mintzlaff (2022) ja auch substanzielle Argumente für deren Rekrutierung: Sie kennen jeden und jede im deutschen und internationalen Fußball und können für den DFB blank polieren, was über die Jahre mit Patina überzogen wurde. Sie vereinigen zudem die Champions League-Teilnehmer Bayern, Dortmund, Leverkusen und Leipzig und somit die Elite des deutschen Fußballs in sich. Mit der wird der gehandicapte DFB fortan keinen Ärger mehr haben.

Das hat Ligaboss Hans-Joachim Watzke schon recht pfiffig eingefädelt und es großzügig den DFB-Präsidenten Bernd Neuendorf verkünden lassen. Dass der Rote Bulle Mintzlaff vielerorts als Anti-Held wahrgenommen wird, nimmt man in Kauf, um einen Mann im Gremium dabeizuhaben, der fähig ist, in Prozessen zu denken. Jürgen Kohler, der sich mit einem bemerkenswert engagierten Auftritt im Fußball-Stammtisch „Doppelpass“ angedient hatte, schaffte den Sprung in den Kader nicht. Dem Mannheimer fehlt es nicht am Legendenstatus, dafür aber am Stallgeruch eines großen Klubs.

Der Fundamentalkritik, die ausgewählten Herren seien zu alt, zu weiß am Körper, zu grau am Haaransatz und zu wenig feminin, ist Neuendorf bereits begegnet: Es ginge schließlich um Knowhow für den „Männerfußball“. Die ehemalige Nationalspielerin Tabea Kemme reagierte im Interview mit t-online desillusioniert: „Es ist ein grobes Foul, die Lösung des Systems im System zu suchen.“ Ex-Nationaltorhüterin Almuth Schult sagte in der ARD sichtlich genervt: „Plötzlich hat man die Leute wieder dort, die schon immer im Fußball waren.“ (Jan Christian Müller)

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