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Tagebuch zur WM 2022: Feueralarm in Al Khor

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Von: Jan Christian Müller

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Jan Christian Müller, Sportreporter bei der Frankfurter Rundschau, berichtet live von der WM 2022 in Katar.
Jan Christian Müller, Sportreporter bei der Frankfurter Rundschau, berichtet live von der WM 2022 in Katar. © afp/dpa/Imago/N. Bruckmann/M. Litzka (Montage)

Jan Christian Müller berichtet live von der WM 2022. In seinem Tagebuch schreibt er über die Ereignisse vor Ort.

Doha – Die Alarmstimmung herrscht gerade nicht nur im Deutschen Fußball-Bund, den Witzbolde auf niederer Humorstufe in diesen letzten Tagen von Katar schon als Deutschen Fehler-Bund bezeichnen. Auch bei uns in der nach dem WM-Aus der Unsrigen um Fassung ringenden Wohngemeinschaft ist das genauso gewesen. Glücklicherweise mit einem weniger tragischen Ende als für die lieben Profis. Kommen wir also zum Eigentlichen, zur Nationalmannschaft ist ja hoch und runter alles gesagt. Und es wird garantiert noch mehr kommen in den nächsten Tagen der kollektiven Unruhe rund um den Deutschen Fehler-Bund. Huch, jetzt ist mir der Superwitz selbst rausgerutscht.        
 
Wir lassen hier auch am letzten Wochenende unseres Aufenthalts weiterhin nichts unversucht, uns kulinarisch weiterzuentwickeln. Nachdem wir zwei Abende zuvor beim gemeinsamen Essen unsere Pizzen nicht haben komplett vertilgen können, weil sie viel größer waren als erwartet, haben wir sie aus Gründen der Nachhaltigkeit einpacken lassen. Im italienischen Restaurant haben sie ein bisschen komisch geguckt, ist offenbar in Katar nicht üblich, sich Reste des Essen mit nach Hause zu nehmen. Wie es übrigens hier auch absolut unüblich ist, mit bereits benutzten Plastiktüten einkaufen zu gehen. Die Tüten werden einem am Infodesk des Supermarktes freundlich, aber bestimmt abgenommen. Begründung: Es gibt doch ausreichend Plastiktüten an der Kasse. Alle kostenlos.

Tja, dass wir superklugen Deutsche die Welt verbessern, sehe ich hier gerade nicht. Auch unser Ansinnen, Plastikmüll vom Restmüll zu trennen, traf auf ungläubige Blicke des Reinigungspersonals. Und schwupp, war alles zusammen drin in einer großen schwarzen Plastiktüte. 

WM-Tagebuch: Feuermelder geht an wegen zu hohem Arbeitsaufwand

Aber davon wollte ich eigentlich gar nicht erzählen, bin mal wieder abgeschweift. Also: Die Pizzastücke von gestern Abend sollten dann heute Mittag das Festmenü in unserer WG werden. Wir haben deshalb vorschriftsgemäß den Ofen vorgewärmt, Backpapier eingelegt und die Rest-Pizzen alsbald draufgepackt. Allerdings wurde dann vergessen, den Wecker zu stellen, der uns darauf aufmerksam macht, dass der Aufbackvorgang abgebrochen werden sollte. Prompt wurde aufgrund unseres immensen Arbeitsaufwands an den Rechnern die Zeit vergessen. Bei Öffnung des Ofens war wenig Pizza erkennbar, dafür dehnte sich umso mehr Rauch über die Küche ins Esszimmer bis zum Sofa aus.

Auch die unmittelbare Reaktion, die Eingangstür zu öffnen, um frische Luft einzulassen, reichte nicht, um weitere Folgen zu verhindern. Ein Feuermelder an der Decke schlug an und konnte von uns trotz professionellen Handwerkszeugs (eine leere Plastikflasche) nicht per Knopfdruck wieder ausgeschaltet werden. Was unter anderem daran lag, dass es dafür überhaupt keinen Knopf gab. Die Plastikflache war also unschuldig. Die Meldung an der Rezeption ergab glücklicherweise, dass nicht automatisch die Feuerwehr von Al Khor anrückt. Irgendwann gab der Feuermelder dann von sich aus Ruhe. Das geplante Mittagessen daheim konnte dennoch wie geplant stattfinden. Als sich der Qualm verzogen hatte, war erkennbar, dass sich die Pizzen noch einigermaßen in Form befanden. Nicht mehr ganz taufrisch, aber, hey, die Dinger waren ja auch von vorgestern. Wir haben sie dann einfach aufgegessen. (Jan Christian Müller)

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