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Tagebuch zur WM 2022: Besuch von Mermitch und Merlin

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Von: Jan Christian Müller

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Jan Christian Müller, Sportreporter bei der Frankfurter Rundschau, berichtet live von der WM 2022 in Katar.
Jan Christian Müller, Sportreporter bei der Frankfurter Rundschau, berichtet live von der WM 2022 in Katar. © afp/dpa/Imago/N. Bruckmann/M. Litzka (Montage)

Jan Christian Müller berichtet live von der WM 2022. In seinem Tagebuch schreibt er über die Ereignisse vor Ort.

Doha – Gestern hat es wieder an der Tür geklopft. Mermitch und Merlin haben gefragt, ob sie reinkommen und sauber machen dürfen. Wir haben uns dann erst einmal eine ganze Zeit lang unterhalten. Mermitch (links auf dem Bild) kommt von den Philippinen. Sie ist im Rahmen eines sechsmonatigen Projekts zur WM 2022 hier, vorher war sie drei Jahre lang in Taiwan. Sie hat eine 14-jährige Tochter daheim, die bei den Eltern wohnt.

Hier in Katar, sagt sie, verdiene sie viel mehr Geld als zu Hause. Merlin aus Indien nickt. Ja, sagt sie, hier gibt es deutlich mehr Geld für die Arbeit. Aber sie vermisst ihre zweijährige Tochter sehr, die von den Schwiegereltern betreut wird. Ihr Mann ist mit in Katar, berichtet sie. Hier sei es viel sicherer, da sind sich beide einig. Das finden sie gut. So gut wie keine Kriminalität.

Mermitch und Merlin sorgen für Ordnung, der Herr in der Mitte für Chaos.
Mermitch und Merlin sorgen für Ordnung, der Herr in der Mitte für Chaos. © Privat

Tagebuch zur WM 2022: Mermitch und Merlin arbeiten ganz leise

Sie wohnen eine Stunde weg von hier. Jeden Morgen um zehn werden sie von einem Bus abgeholt. Abends um sieben geht es zurück. Die Unterbringung sei gut, besser als in ihrer Heimat. Das Frühstück und Abendessen werde gestellt, ums Mittagessen kümmern sie sich selbst, gehen hier nebenan im Supermarkt kurz einkaufen.

Sie arbeiten ganz leise, weil sie uns beim Arbeiten nicht stören wollen. Als sie nach einer dreiviertel Stunde wieder gehen und sich immer wieder für das Trinkgeld bedanken, das wir ihnen gegeben haben (und wir uns dann immer wieder für ihre Arbeit bedanken), ist die kleine Villa mal wieder picobello geputzt und aufgeräumt. Die Schuhe stehen ordentlich an der Wand, die Teller mit Marmeladen- und Nutella-Resten sind abgewaschen, die Betten sind gemacht, als hätte noch nie jemand drin gelegen. In drei Tagen werden sie wieder anklopfen. Darauf freue ich mich schon. Und hoffe, in ihrem Leben wird viel so kommen, wie sie es sich wünschen. (Jan Christian Müller)

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