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Die einstigen Liebenden haben sich nichts mehr zu sagen, keiner könnte das besser dokumentieren als der Bundestrainer.

DFB-Team und Fans

Szenen einer Ehe

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Das DFB-Team und die Fans haben sich entzweit. Es dürfte schwierig werden, das zerrissene Liebesband wieder eng zu knüpfen. Unser Kommentar.

Es ist etwas kaputtgegangen bei dieser Fußball-WM. Das Medienfachblatt „Horizont“ hat „Szenen einer Entfremdung“ diagnostiziert. Dem kann niemand, der mit wachem Blick durchs Land läuft, ernsthaft widersprechen. Denn es stimmt ja: Millionen Menschen, die über die Rückpassregel beim Einwurf nicht mehr wissen als über vollständige Induktion als mathematische Beweismethode, haben sich im Märchensommer 2006 in eine „Lovebrand“ verliebt und diese Liebe acht Jahre später durch einen WM-Pokal angemessen erwidert bekommen. Dann haben sie eine rauschhafte Party gefeiert – und sich vom Kater danach nie wieder erholt.

Im Sommer 2018 ist Deutschland zwar ähnlich umfassend von der Sonne geküsst worden wie einst im Schland, aber da war die Liebe schon nur noch ein Schattengewächs. Die Nationalmannschaft und die Leute von der Straße haben sich abgeliebt, und wie so häufig in Beziehungen, hatte der eine Partner davon auch dann noch nichts davon mitbekommen, als der andere sich längst schon abgewendet hatte. Sie haben sich nichts mehr zu sagen, keiner könnte das besser dokumentieren als der Bundestrainer.

Die Bundesliga kommt nicht mehr mit

Es dürfte schwierig werden, das zerrissene Liebesband wieder eng zu knüpfen. Denn der verstoßene Partner glaubte sich ja viele Jahre lang in der Rolle des Überlegenen. Wird er es nun schaffen, um die verflossene Liebe neu zu werben? Wird er bereit sein, sich in neuer Demut kleinzumachen, kleiner, als er sich selbst noch immer wähnt? Hat er kapiert, dass er sich dafür von innen heraus schönmachen muss und dass ein bisschen Säuseln ins Ohr nicht reicht?

Nirgendwo auf der Welt spielen so viele Menschen organisiert Fußball wie in deutschen Klubs. Nirgendwo sonst gibt es so wenig Gründe, so früh bei einer WM zu scheitern. Die Vertreter der Bundesliga sind gut beraten gewesen, es tunlichst zu unterlassen, die verflossene Liebe zwischen der „Mannschaft“ und dem Volk zu isolieren. Sie sollten die Debatte darüber intensivieren, warum die führende europäische Wirtschaftsnation mit den führenden europäischen Fußballligen nicht mehr mitkommt.

Deutsche Klubs lümmeln sich in der vorletzten Reihe, und wenn Vertreter der Liga ungerührt auf die angeblich ungebrochene Ticketnachfrage hinweisen und auf absurde Analysen, wonach die größten Enttäuschungen im deutschen Team (Khedira, Kroos etc.) nicht mehr in der Bundesliga zu Hause sind, dann belügen sie sich selbst. In den beiden letzten Spielen dieser WM, dem kleinen und dem großen Finale, standen zwei Bundesligaspieler in den Startaufstellungen, 24 aus der Premier League, sieben aus Spanien, fünf aus Italien, vier aus Frankreich. Die Liebe, sie ist so fern.

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