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Symbolik reicht nicht

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Von: Günter Klein

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Wichtiges Zeichen oder schwaches Symbol? Die „One-Love“-Armbinde.
Wichtiges Zeichen oder schwaches Symbol? Die „One-Love“-Armbinde. © dpa

Die Kapitäne ihrer Teams werden eine bunte Binde tragen, auf der „One Love“ steht. Die ersten Reaktionen zeigen, dass die Binde als zu unverbindlich empfunden wird. Ein Kommentar.

Den Spagat braucht man eigentlich ja beim Turnen und beim Ballett – doch auch im Fußball wird derzeit viel über diese Figur gesprochen. Und zwar im Kontext der anstehenden Weltmeisterschaft: Die Nationalmannschaft, so heißt es, müsse es hinbekommen, sowohl ihrer gesellschaftlichen Verantwortung bewusst zu werden als auch das Ziel sportlicher Leistungserfüllung anzustreben. Niemand kann unbeschwert und ausschließlich in Erwartung eines Fußballfestes nach Katar reisen – dafür wurde ein viel zu hoher Preis bezahlt, und gerade die Nationen und Verbände haben geschwiegen, die längst ihre Stimme hätten erheben müssen.

Nun hat der DFB mit einigen anderen europäischen Verbänden eine Aktion vorgestellt. Die Kapitäne ihrer Teams werden eine bunte Binde tragen, auf der „One Love“ steht. Das kann man als „Besser als nichts“ beurteilen. Doch die ersten Reaktionen zeigen, dass die Binde als zu unverbindlich empfunden wird.

Die Regenbogenbinde von Manuel Neuer bei der EM 2021 war ein klareres Zeichen. In Katar jedoch gilt der Regenbogen als Provokation – und als Symbol dafür, dass man die Kultur des Landes nicht respektiert. Fans wurden bereits gewarnt, die bunte Flagge bei der WM in Szene zu setzen. „One Love“ ist ein diplomatischer Spagat, eine starke Andeutung – aber eben auch ein Zeichen für den Mangel an Entschlossenheit.

Katar-Monitoring nach WM

Der DFB ist in der Katar-Sache zumindest in die Gänge gekommen, das Präsidium um Bernd Neuendorf zeigt da sehr gute Ansätze – wie mehrere Gesprächsrunden zur WM und den Menschenrechtskongress, auf dem Katar unangenehme Fragen gestellt wurden, zeigen. Allerdings ist auf dem Riesentanker DFB auch die alte Bequemlichkeit zu spüren und der Wunsch, dass ein politisches Thema mit Symbolik abzuarbeiten ist und man sich alsbald wieder dem Sport widmen möge. Vermutlich gibt es noch genügend Amtsträger, die hoffen, dass in Katar die übliche Turnierfröhlichkeit ausbricht.

Zu einem geglückten Spagat gehört, dass man eine Seite nicht überstrapaziert: Die Mannschaft, die auf dem Platz steht, ist der sichtbarste Teil, doch sie hat noch eine andere, eine originäre Aufgabe – also müssen die Funktionäre helfen. Zahlungen an Katars Opfer, ein nach der WM nicht nachlassendes Katar-Monitoring, Einflussnahme auf künftige WM-Vergaben – man kann vieles tun, wenn man es will.

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