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Svensson gelungenes Wagnis

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Von: Jan Christian Müller

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Zufriedenheit auf allen Ebenen: Der Mainzer Trainer Bo Svensson und Leipzigs Trainer Marco Rose umarmen sich nach Spielende.
Zufriedenheit auf allen Ebenen: Der Mainzer Trainer Bo Svensson und Leipzigs Trainer Marco Rose umarmen sich nach Spielende. © dpa

Mainzer Trainer dreht die Defensive auf links und wird mit einem Punkt gegen Leipzig belohnt.

Hinterher sah man bei der Umarmungsorgie auf dem Platz nur lächelnde Gesichter. Das von Marco Rose, dem Trainer von RB Leipzig, lächelte. Das von Bo Svensson, dem Chefcoach von Mainz 05, lächelte. Das von Felix Brych, dem Schiedsrichter, lächelte. Und das der meisten Spieler lächelte, beide Fangruppen feierte ihre Teams zugewandt ab. Denn es waren alle irgendwie zufrieden mit dem 1:1 ((1:0) vor ein paar mehr als 26 000 Leuten in der Mainzer Arena.

Roses Rückkehr an die ehemalige Wirkungsstätte, wo er viele Bekannte begrüßte, geriet glimpflich, weil seine Mannschaft den verdienten Ausgleich durch einen Kopfball durch Christopher Alan Nkunku geschafft hatte, als der Kleinste im Luftduell nach schöne Flanke von Marcel Halstenberg plötzlich der Größte wurde. Svenssons Performance war besonders bemerkenswert. Denn der 05-Trainer hatte sich auf ein Wagnis eingelassen.

Der Däne brachte den Franzosen Anthony Caci und den Schweizer Edimilson Fernandes gemeinsam mit Alexander Hack nach dessen Rotsperre in der Dreierkette. Führungsspieler Stefan Bell blieb ebenso auf der Bank wie Maxim Leitsch, der nach seinem Wechsel aus Bochum noch nicht recht in Mainz angekommen zu sein scheint. Der Trainer begründete seine Entscheidung später nachvollziehbar. Er habe gegen die schnellen Leipziger Stürmer Nkunku und Timo Werner Tempo in der Abwehr aufbieten wollen. Zudem sei es ihm bedeutend, dass der kopfballstarke, aber nicht allzu flinke und bereits mit vier Gelben Karten belastete Bell am kommenden Samstag in Bremen dabei sein kann. Denn dann wird er gegen die beiden Bremer Mittelstürmer Marvin Ducksch und Niclas Füllkrug mehr gebraucht als gegen Leipzig.

Wahrlich nicht einfach, das zu moderieren. Man wird sehen, wie die Konkurrenten und Kollegen mit der neuen Situation in der Abwehr umgehen. Vor allem Fernandes, in Mainz wegen seines Hangs zur nachlässigen Arbeit gegen den Ball schon mehrfach abgeschrieben, brachte vor den Augen des Schweizer Nationaltrainers Murat Yakin eine Topleistung aufs Feld. „Bei Eddi ist im Kopf was passiert. Er ist ein ganz anderer Typ geworden“, berichtete Sportchef Martin Schmidt.

Offenbar hat dazu eine Kopfwäsche von Trainer Svensson beigetragen, der dem nicht ganz leicht erziehbaren Künstler im Sommer-Trainingslager zu mehr Arbeitssinn verhalf. „Da gab es ein Schlüsselerlebnis für Eddi“, erinnerte sich Svensson wissend lächelnd, „er hat alle Qualitäten für einen modernen Fußballer, aber er darf sich darauf nicht verlassen.“ Fernandes, mit Krämpfen ausgewechselt, selbst bestätigte alle Aussagen seiner Vorgesetzten: „Die Trainer haben von mir ein besseres Defensivverhalten verlangt. Das habe ich mir zu Herzen genommen.“

Noch ein weiterer Nationaltrainer war im Stadion, und der hieß zum Glück von Timo Werner zum Glück nicht Hansi Flick. Denn der Bundestrainer hätte einen Leipziger Mittelstürmer gesehen, dem so einiges misslang, der eine Monsterchance nach allerdings prächtiger Torwartarbeit von Robin Zentner vergab und kurz vor Schluss mit schlechter Schusstechnik aus 18 Metern überhastet weit übers Mainzer Tor schoss.

Burkardt fehlte erkrankt

Dafür konnte Flicks Kollege Kasper Hjulmand - in Mainz nach dort erfolglosem Wirken kein Unbekannter - zufrieden die Heimreise antreten. Denn 05-Stürmer Marcus Ingvartsen hatte in Abwesenheit des an Grippe erkrankten Jonathan Burkardt mit seinem fein herausgespielten Treffer zum 1;0 seinen Job erledigt.

Das gelang allerdings nur dank der guten Auffassungsgabe von Schiedsrichter Brych, der nach vermeintlichem Foul an Ingvartsen im Mittelfeld laufen ließ, die mal wieder überflüssig aggressiv motzende Mainzer Bank ignorierte, worauf Ingvartsen ungesehen in den Strafraum eindrang und Anton Stachs prächtige Vorarbeit cool vollendete.

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