+
Einer der wenigen mit Zweitligaqualität beim SV Wehen Wiesbaden: Manuel Schäffler.

SV Wehen Wiesbaden

Das Qualitätsproblem

  • schließen

Der SV Wehen verliert wieder in der Zweiten Fußball-Bundesliga - und verhilft Trainer Rehm damit zu einem unrühmlichen Rekord.

Stefan Aigner dürfte beim SV Wehen Wiesbaden der Spieler sein, den die schwierige Situation noch am wenigstens belastet. Nicht, weil es ihm völlig egal wäre, dass sein Verein in den bisherigen sieben Saisonpartien der zweiten Liga ohne Sieg ist und dadurch mit nur einem Pünktchen Tabellenletzter. Auch nicht, weil ihm die 2:5 (1:3)-Heimniederlage am Samstag gegen Arminia Bielefeld nicht dolle ärgern würde. Doch Aigner hat in seiner Karriere eben schon andere Momente erlebt, mit seinen 32 Jahren ist er der erfahrenste Mann beim Aufsteiger. Er hat auf europäischer Bühne im Trikot von Eintracht Frankfurt gekämpft, hat in einem sich selbst zerfleischenden Umfeld bei 1860 München gerackert.

Dieser Stefan Aigner fand nach dem erneuten Rückschlag eine Erklärung, die anfangs zwar ein wenig verklausuliert klingen mag, die aber ganz sicher ein großer Teil des Problems ist beim SV Wehen: „Wenn es gut läuft, spielst du unbekümmert und mit Spaß nach vorne. Wenn es nicht so gut läuft, versuchst du, Fehler zu vermeiden und gerade dann machst du welche.“ Kopfsache also.

Im Duell gegen Bielefeld waren die Wehener keineswegs drei Tore schlechter. Vor allem nach der frühen Führung durch Torjäger Manuel Schäffler auf Vorarbeit von Aigner, die später auch zusammen in identischer Abfolge für den Anschlusstreffer zum 2:4 sorgten, spielte die Mannschaft von Trainer Rüdiger Rehm ordentlichen Fußball. Sie war mindestens gleichwertig, eher sogar besser als die Bielefelder und lag doch zur Pause mit 1:3 hinten. Der Grund: individuelle Aussetzer. Beim 1:1 sah Torhüter Lukas Watkowiak schlecht aus, vor dem 1:2 vertendelte Kapitän Sebastian Mrowca den Ball. Später beim 1:4 tat sich das Unglücksduo zusammen und machte damit den Weg frei für die Vorentscheidung.

So waren sich hinterher alle Wehener Beteiligten einig, dass man sich mal wieder selbst geschlagen hatte. „Wir bekommen die Gegentore zu einfach. Wenn du einen Fehler machst, dann wirst du in der zweiten Liga sofort bestraft“, sagte Aigner. Doppeltorschütze Schäffler ordnete die vermeidbaren Gegentreffer als „total schmerzhaft“ ein. Und Trainer Rehm, der mit 17 sieglosen Spielen hintereinander in Liga zwei (zehn mit Bielefeld in der Saison 2016/17) den Negativrekord des früheren FSV-Frankfurt-Trainers Klaus Gerster einstellte, befand: „Wir haben Einladungen verteilt.“

Nun sind diese Einladungen, die Bielefeld sehr konsequent annahm, aber nicht nur das Resultat von seltenen Patzern, was ja durchaus in die Kategorie Kopfsache eingestuft werden könnte, sondern vor allem Ausdruck langfristiger Qualitätsmängel. Nur wenige Spieler im Wehener Team wiesen bisher ihre Eignung für Liga zwei nach. Klar, Schäffler knipst regelmäßig, Aigner ist sicher ein guter Kicker fürs Profi-Unterhaus, auch Rechtsverteidiger Moritz Kuhn. Danach wird es aber sehr schnell sehr dünn.

Trainer Rehm fuchst es deshalb noch mehr, dass nicht nur spielerisch einiges im Argen liegt, sondern auch die wohl wichtigste Urtugend nur mangelhaft umgesetzt wird: „Wir hatten kein gutes Zweikampfverhalten. Aber Zweikämpfe sind das A und O im Fußball.“ 55 Prozent wurden verloren, darunter viele entscheidende. Da half es schließlich auch nichts, dass die Mannschaft „nicht aufgegeben hat“, wie Rehm formulierte: „Das Team versucht weiterzuleben.“ Der Versuch allein wird aber nicht zum Ligaerhalt reichen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion