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Immer up to date: Darmstadts Sportchef Carsten Wehlmann. Foto: Imago images
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Immer up to date: Darmstadts Sportchef Carsten Wehlmann.

Start der Zweiten Bundesliga

SV Darmstadt 98: Ohne Tamtam, mit Erfolg

  • Daniel Schmitt
    VonDaniel Schmitt
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Wie Sportchef Carsten Wehlmann den SV Darmstadt 98 in aller Ruhe weiterebtwickelt - womöglich bis zum Sprung ins Oberhaus.

Fernab der luxuriösen Boutiquen, der ausgezeichneten wie hochpreisigen Restaurants und Hotels, hoch droben in einer Berghütte mit Blick aufs Tiroler Wintersportmekka Kitzbühel ging es dann auch irgendwann um Katar. Hansi Flick, der Bundestrainer, zeigte sich sehr interessiert, auch Oliver Bierhoff, der DFB-Manager. Sie wollten wissen, ob sie irgendwas möglicherweise noch nicht wissen über diesen nächsten Austragungsort einer Fußballweltmeisterschaft.

Also erzählte er von seinen Erfahrungen im Emirat, ehrlicherweise nicht allzu lange, es gab weitere Themen bei dieser ungezwungenen Zusammenkunft im Rahmen des DFB-Leadership-Events Ende November 2021 in den Alpen, aber eben doch lange genug. Er, das ist Carsten Wehlmann, der Sportchef von Zweitligist Darmstadt 98, der die Herren Flick und Bierhoff überhaupt erst in Österreich persönlich kennenlernte. Von 2007 bis 2009 hatte er für die katarische Liga gearbeitet, sollte mithelfen, sie zu professionalisieren und voranzubringen, „eine interessante, lehrreiche Zeit“ sei es gewesen, wie Wehlmann im Gespräch mit der FR erklärt, „die mir für meine späteren Aufgaben im Managementbereich geholfen hat.“ Hansi Flick jedenfalls, das verkündete dieser kürzlich am Rande einer Pressekonferenz, wolle demnächst noch mal mit Wehlmann telefonieren - Infos sammeln, immer hilfreich.

Carsten Wehlmann war früher selbst Profi, Torwart unter anderem beim FC St. Pauli, dem Hamburger SV und Hannover 96. Immerhin 74 Zweitligaspiele stehen in seiner Vita, bereits zur aktiven Zeit absolvierte er ein Praktikum bei einer Sportmarketing-Agentur. Über den Tellerrand schauen, Kontakte knüpfen - früher wie heute ein Anliegen des 49-Jährigen.

An die Zeit in Katar schlossen sich für den gebürtigen Hamburger neun Jahre als Kaderplaner, respektive Chefscout (sowie zeitweise parallel als Torwarttrainer) bei Holstein Kiel an, ehe er 2018 nach Darmstadt wechselte - anfangs als Sportkoordinator im Schatten von Trainer Dirk Schuster, der wenig Aufgabengebiete abzutreten bereit war. Doch als Schuster ging, im Februar 2019, blieb Wehlmann - und stieg intern auf zum Sportlichen Leiter.

Fast drei Jahre ist das nun her. Zeit genug, um in komplexen Zeiten (drei Trainerwechsel, Etat-Reduzierung, Pandemie) persönlich zu wachsen, das eigene Profil zu schärfen. Der Mann mit dem wallenden Haar war ja zu Beginn keiner, den die Darmstädter Fans sofort mit weit geöffneten Armen empfangen hätten. Viele kannten ihn nicht, ein relativer No-Name, dazu zurückhaltend auftretend. Wehlmann brauchte, ganz logisch, erst einmal eine gewisse Zeit, um sich reinzufuchsen ins neue Umfeld, die Aufgaben. Weder in Katar noch in Kiel stand er im totalen Fokus der Öffentlichkeit.

Der Chef guckt selbst

Doch er biss sich durch, erst intern, da wusste er die Vereinsbosse mit Fachkompetenz, Akribie, Eifer schnell zu überzeugen, später extern. Wehlmann ist kein Lautsprecher, auch heute nicht, markige (öffentliche) Aussagen, großes Tamtam sind nicht sein Ding. Aufstiegsträume im Umfeld des Tabellenzweiten moderiert er vor dem Jahresauftakt am Samstag gegen den Karlsruher SC (20.30 Uhr/Sky) locker weg. „Wir haben keinen Druck und gehen den zweiten Saisonteil unaufgeregt an. Natürlich will man seine Spiele gewinnen und erfolgreichen, schönen Fußball spielen, aber der Druck liegt bei anderen Teams.“

Überhaupt: Die Stimmen von außen seien ja normal in einem emotionalen Klub, die Arbeit eines Sportchefs aber sollten sie eher nicht beeinflussen. Manch Kritik an seiner Person habe er natürlich wahrgenommen, sagt Wehlmann, „letztlich aber war man immer überzeugt von seinen Entscheidungen, hat diese reflektiert und entsprechend gehandelt. Momentan befinden wir uns in einer sportlich erfolgreichen Phase, das heißt aber nicht, dass alles rosarot gesehen wird.“ Und wenn es eben sportlich mal nicht so rund laufe, „bedeutet dies genauso wenig, dass alles schlecht ist.“

Das Fachmagazin „Kicker“ betitelte Wehlmann jüngst als „Entwickler“, der „fleißig und ehrgeizig“ sei, was Wehlmann schmeichelt, er selbst aber nicht über sich behaupten will. Sehr wohl sei er aber stets ein „offener Typ“ gewesen. Wehlmann ist kein Schreibtischtäter, lieber reist er in der Republik umher. Auswärtsspiele der Lilien nutzt er, um tags zuvor oder drauf andere Partien zu besuchen. Das Scouting liegt ihm, aus diesem Bereich kommt er, „das macht mir viel Spaß“. Zwar arbeitet ihm längst ein Team an Spielerbeobachtern zu, eine Verpflichtung ohne einen (kritischen) Vor-Ort-Blick des Sportchefs gibt es im Grunde aber nicht. Auch André Leipold, 20-jähriger Winterzugang aus der vierten Liga von Wacker Burghausen, fällt darunter. Dem Sturmtalent soll freilich die nötige Zeit zur Entwicklung gewährt werden.

Der finanzielle Rahmen ist in Darmstadt in den vergangenen Jahren enger geworden, strategisch sollte daher der Kader verjüngt, entwicklungsfähige Spieler verpflichtet, Transferwerte geschaffen werden - im besten Fall im Einklang mit sportlichem Erfolg. Das ist gelungen. Die Plätze fünf, sieben und derzeit zwei sprechen für sich - und für die gute Arbeit von Carsten Wehlmann.

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