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Antreiber der Super League: Florentino Perez, Präsident von Real Madrid.
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Antreiber der Super League: Florentino Perez, Präsident von Real Madrid.

Internationaler Fußball

Kommentar zur Super League: Raffgier ohne Maske

  • Jan Christian Müller
    VonJan Christian Müller
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Mit der Super League wollen superreiche Fußballklubs noch superreicher werden, auf Kosten der Fans. Fifa und Uefa wehren sich gegen die Pläne – und entlarven ihre eigene Scheinheiligkeit.

Mitten in der Nacht zum Montag, um genau 0.22 Uhr, verschickten die zwölf Klubs, die sich „Gründungsmitglieder der Superleague“ nennen, ihre offizielle Pressemitteilung. Schon diese Uhrzeit dokumentiert die hinterlistige Nacht-und-Nebel-Aktion als gezielten Angriff, der am Vortag schon durchgesickert war. Die Tücke hat Methode: Die Superreichen wollen noch superreicher werden.

Dass Bayern München und Borussia Dortmund sich der Attacke von sechs Klubs aus England sowie je drei aus Spanien und Italien verwehrt haben, ist bemerkenswert und dokumentiert sowohl, dass der Einfluss von Faninitiativen hierzulande nicht komplett ungehört verhallt, als auch, dass die Deutsche Fußball-Liga noch immer einen gewissen Respekt ausstrahlt.

Super League: Top-Klubs tragen ihre Macht ungeniert zur Schau

Anderswo haben die Spitzenklubs noch mehr an Macht gewonnen und tragen sie nun ungeniert zur Schau: Der FC Liverpool, Manchester United, Manchester City, Tottenham Hotspur, FC Arsenal, FC Chelsea, Real Madrid, FC Barcelona, Atletico Madrid, Juventus Turin, AC Mailand und Inter Mailand verschleiern ihr Ego hinter vorgeblicher Barmherzigkeit. Es würden „nicht gedeckelte Solidaritätszahlungen“ an den großen Rest ausgeschüttet, heißt es in dem Statement der selbsternannten Samariter in Stollenschuhen.

Sozialen Klebstoff hat es im Profifußball seit jeher allenfalls in homöopathischen Dosen gegeben. Er ist gewiss nicht in der Nacht vom 18. auf den 19. April 2021 erfunden von worden. Wer so etwas vorgibt, sollte sich schämen.

Champions League: Nonsense-Spielplan zum Zwecke der Geldvermehrung

Wahr ist aber auch: Das, was die Uefa auf Druck der Großklubs als Zukunft der Champions League ab 2024 entwickelt hat, ist ein Nonsense-Spielplan zum Zwecke der Geldvermehrung, der die seit Jahren grassierende Langeweile der Königsklassen-Vorrunde nur lästig von sechs auf zehn Spiele je Verein und 32 auf 36 Teilnehmer verlängert. 225 statt 125 Begegnungen sollen es dann insgesamt werden. Schon diese Pläne schreien nach einer Abstimmung mit den Füßen der Fans: Pay-Abo kündigen, sich abwenden und die Gelddruckmaschine nicht noch mit Schmieröl versorgen! So lange das aber nicht passiert, wird der Wahnsinn auf die Spitze getrieben.

Wenn sich also Uefa und Fifa (erstaunlich flink nachts um 0.40 Uhr) jetzt über die Pläne der Superliga-Erfinder echauffieren und vom „Spirit der Solidarität“ und einer „gerechten Geldverteilung“ palavern, dann sollte man mit diesen beiden Wölfen im Schafspelz nicht brav zum Fressnapf folgen. Die Verbände selbst haben mit ihren Erweiterungen der Teilnehmerfelder auf 24 (EM) und 48 (WM ab 2026), mit Champions-League-Plänen als teilweiser „Closed Shop“ und einer Klub-WM, die niemand braucht, ja längst selbst dafür gesorgt, dass die Schraube unheilvoll überdreht wurde.

Super League hat der Raffgier nun endgültig die Maske vom Gesicht gerissen

Es gab vermehrt gutgläubige Menschen, die in ihrer Naivität glaubten, der hochkommerzialisierte Profifußball könnte sich in Zeiten der Pandemie in Anflügen von Demut und Bescheidenheit neu erfinden. Schon die absurden Reformpläne der Champions League haben diese Hoffnung begraben. Die in Hinterzimmern entwickelte Idee einer vom Großkapital finanzierten Superliga hat der Raffgier nun endgültig die Maske vom Gesicht gerissen. Wer diese Branche der Alphatiere schon ein wenig länger verfolgt, ist darüber nicht überrascht. Noch nicht mal über die Uhrzeit der Bekanntgabe.

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