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Radelt er noch zu Eintracht Frankfurt? Martin Hinteregger.

FC Augsburg

Auf der Suche nach dem Wir-Gefühl

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Der FC Augsburg hat einige Irrungen und Wirrungen hinter sich und muss sich erst wieder finden.

Beim Bundesligasender Sky erzielt der FC Augsburg immer noch mit die geringste Anzahl an Einzelspielabrufen. Als ob dieser Verein langweilig wäre! In der vergangenen Saison war er für die Hollywood-Momente zuständig. Er suspendierte Spieler, holte die Reizfigur Jens Lehmann als Co-Trainer und entließ den Ex-Nationaltorwart nach neun Wochen gemeinsam mit dem Cheftrainer, mit Manuel Baum. Und kaum dass der Klassenerhalt gesichert war, ließ sich die Mannschaft richtig gehen. Solch ein Jahr, das weiß der FC Augsburg, darf er sich nicht noch einmal erlauben.

Wie ist die Stimmung?

Der Ausklang der alten Saison mit der 1:8-Niederlage in Wolfsburg hat beim Anhang für Empörung gesorgt, vor allem Stefan Reuter als Geschäftsführer Sport musste in der Heimatzeitung einige gallige Leserbriefe zur Kenntnis nehmen. Dass die Mannschaft des FCA 2018/19 nach und nach auseinanderfiel, wurde als Ergebnis der Reuterschen Transferpolitik interpretiert. Die erste Wut relativierte sich aber, als die ersten Verpflichtungen für 2019/20 den Willen zu einem Umbruch glaubhaft dokumentierten. Positiv bewertet wird zudem die Aktion „Wir der FCA“, mit der der Klub versucht, über eine Senkung der Beiträge Mitglieder zu gewinnen (angestrebt wird die 20 000er-Marke, bislang hat man knapp 16 000) und das Wir-Gefühl zu betonen. Bisher keine Akzeptanzprobleme hat Martin Schmidt, der seit dem 29. Spieltag der Vorsaison im Amt ist. Das 1:8 wird dem Schweizer nicht angelastet, mit seiner offenen Art kommt er gut an. Schmidt hat sich eine Wohnung im Zentrum in der Altstadt genommen, sitzt in den Cafés. Augsburg und er haben einander umarmt, ganz so, wie der Schweizer es einst in Mainz hielt.

Wie stark ist der Kader?

Auch in seinem neunten Jahr in der Bundesliga ist der FC Augsburg nicht der Verein, der die Transfers realisieren kann, die auch andere planen. Ausgenommen den des Schweizers Ruben Vargas, den auch Mönchengladbach wollte, bei dem aber Martin Schmidt als Landsmann entscheidend punkten konnte? Gesucht hat der FCA nach Spielern, die an ihren letzten Stationen nicht so performt haben wie erwartet und nun einen Neustart anstreben. Wie Florian Niederlechner (Freiburg) oder der häufig verletzt gewesene Hannoveraner Noah Sarenren Bazee. In der Offensive dürfte Coach Schmidt auch nach dem möglicherweise bevorstehenden Abgang des österreichischen Offensivallrounders Michael Gregoritsch genügend Optionen haben, an Torgefährlichkeit wird es dem FCA nicht mangeln, er setzt auch auf eine Weiterentwicklung von Marco Richter nach einer erfolgreichen U21-EM. Die Fragezeichen stehen im Defensivbereich. Vor allem auf der Torhüterposition sind die Augsburger, seit sie vor einem Jahr Marvin Hitz an Dortmund verloren haben, ohne überzeugende Lösung.

Worauf steht der Trainer?

Auf Umschaltspiel über schnelle Außenspieler. Der Gegner wird nicht mehr so hoch angelaufen, wie das noch unter Martin Schmidts Vorgänger Manuel Baum der Fall war. Für Ballgewinne soll der Ex-Stuttgarter Carlos Gruezo sorgen, der zuletzt für Dallas in der Major League Soccer spielte und auch eine sprachliche Schaltzentrale werden soll. Der Ecuadorianer spricht Deutsch, Englisch, Spanisch, Portugiesisch und erreicht somit alle Spieler des Kaders.

Wo hapert’s noch?

Tief sitzt beim FCA das schwache Abwehrverhalten bei Standards, zumal der neuerliche Abgang des kopfballstarken Verteidigers Martin Hinteregger zu Eintracht Frankfurt avisiert ist. Nach Freistößen und Eckbällen waren die bayerischen Schwaben ein willfähriges Opfer. Zu schaffen machte ihnen außerdem die Verletzungsanfälligkeit vieler Spieler im Adduktorenbereich. Schmidt will diesem Missstand mit einem modifizierten Athletiktraining und einer Neustrukturierung der medizinischen Abteilung begegnen. Er sagt: „Wir können Spieler verpflichten, wie wir wollen – wenn sie verletzt sind, haben wir sie doch nicht.“

Wer sticht heraus?

Jungstar Marco Richter schoss in seinen beiden ersten Spielen unter Schmidt vier Tore, er ist eine Offensivkraft, wie der Trainer sie sich vorstellt. Großes Potenzial hat der isländische Mittelstürmer Alfred Finnbogason, der aber halt mal gesund durch eine Saison kommen müsste, was ihm bisher nicht gelang. In der Abwehr ist der Niederländer Jeffery Gouweleeuw einer, der den Laden zusammenhalten kann. Und Daniel Baier ist auch als Mittdreißiger noch ein Fußballer weit über sonstigem FCA-Niveau.

Wie geht’s dem Schatzmeister?

Der FC Augsburg setzt mittlerweile regelmäßig an die 100 Millionen Euro um, war aber auch 2018/19 der Verein mit den geringsten Personalkosten. Zuletzt wurde in Baumaßnahmen investiert (Geschäftsstelle, Trainingsplätze, neuer Fitnessraum, Nachwuchsleistungszentrum). Hauptsponsor WWK, eine in München ansässige Versicherung, die auch Namensgeber der Augsburger Arena ist, hat sich bis 2030 gebunden.

Was ist drin?

Offiziell wird der FCA zufrieden sein, „wenn wir wieder drei Vereine finden, die hinter uns landen“ (Reuter), doch die Mannschaft hatte für sich zuletzt höhere Ziele formuliert, da gingen die Erwartungen in Richtung Qualifikation für die Europa League. Wie immer bei einem Umbruch wird vieles davon abhängen, ob der Verein gut gescoutet hat. Dafür zuständig war erstmals der 26-jährige Timon Pauls, den der FCA vom FC Bayern holte. Ein gesicherter Mittelfeldplatz könnte ebenso möglich sein wie neuerlicher Abstiegskampf.

FC Ausgburg: Zu- und Abgänge

ZUGÄNGE: Marek Suchy (FC Basel), Carlos Gruezo (FC Dallas), Mads Pedersen (FC Nordsjaelland), Iago (Internacional Porto Alegre), Noah Sarenren Bazee (Hannover 96), Ruben Vargas (FC Luzern), Florian Niederlechner (SC Freiburg), Caiuby (Grasshopper Club Zürich, Leihe beendet), Martin Hinteregger (Eintracht Frankfurt, Leihe beendet), Tim Rieder (SV Darmstadt 98, Leihe beendet)

ABGÄNGE: Julian Günther-Schmidt (FC Carl Zeiss Jena, war ausgeliehen), Takashi Usami (Gamba Osaka, war an Fortuna Düsseldorf verliehen), Jonathan Schmid (SC Freiburg), Konstantinos Stafylidis (TSG 1899 Hoffenheim), Dong-Won Ji (Mainz 05), Jan-Ingwer Callsen-Bracker (unbekannt), Christoph Janker (unbekannt), Gregor Kobel (TSG 1899 Hoffenheim, Leihe beendet), Reece Oxford (West Ham United, Leihe beendet)

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