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Wollte sich nicht äußern: Heribert Bruchhagen.

DFB

Auf der Suche nach Transparenz noch nichts gefunden

  • Jan Christian Müller
    vonJan Christian Müller
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Der Vergütungsausschuss des DFB mit Ex-Eintracht-Chef Heribert Bruchhagen konnte bislang keine Ergebnisse präsentieren.

Auch mehr als ein halbes Jahr nach der Wahl von Fritz Keller zum DFB-Chef hat der einberufene Vergütungsausschuss, der die Entlohnung des Verbandschefs und weiterer Ehrenamtler festlegen soll, noch kein Ergebnis vorstellen können. „Der Prozess ist noch nicht abgeschlossen“, heißt es aus dem DFB schmallippig auf Anfrage der Frankfurter Rundschau. Im Vergütungsausschuss, der nach FR-Informationen inzwischen sechsmal getagt hat, sitzen prominente Vertreter, unter anderem der ehemalige Frankfurter Vorstandschef Heribert Bruchhagen und Wolfgang Hotze, Aufsichtsratsmitglied beim VfL Wolfsburg. Beide ansonsten durchaus als auskunftsfreudig bekannten Männer wollten sich auf FR-Nachfrage nicht äußern. Offenbar ist das Thema ebenso kompliziert wie delikat, wem fairerweise wie viel Geld zu steht.

Beim DFB-Bundestag im vergangenen September im Frankfurter Kongresszentrum war verkündet worden, das vierköpfige Gremium sei „zuständig für die Einordnung der Tätigkeiten der Mitglieder des DFB-Präsidiums als Haupt-, Neben- oder Ehrenamt sowie die Festsetzung des Entgelts, der Aufwandsentschädigung beziehungsweise der Vergütung, des Verdienstausfalls und weiterer Sachzuwendungen“.

Üppige Gehälter

Hintergrund der bisher nicht von sichtbarem Erfolg gekrönten Bemühungen sind missliebige Erfahrungen fehlender Transparenz aus der Vergangenheit. So wurde dem ehemaligen DFB-Präsidenten Wolfgang Niersbach bei Übernahme des Ehrenamts im März 2012 seine jährlich sechsstellige Betriebsrente als vormaliger hochrangiger DFB-Mitarbeiter bereits vier Jahre vor dem 65. Lebensjahr gewährt. Unter anderem auf diese Art sollte der vormals als (hauptamtlicher) DFB-Generalsekretär üppig entlohnte Niersbach einen Ausgleich für die geringeren Einkünfte als (ehrenamtlicher) DFB-Präsident beziehen.

Dafür kratzte der DFB das Geld aus allen Ecken zusammen, ohne dass dies zunächst öffentlich bekannt wurde. Niersbach bezog, neben der vorgezogenen Betriebsrente sowie der Auslagenerstattung von 70 000 Euro pro Jahr, zudem als Aufsichtsratschef der DFB-Medien jährlich 72 000 Euro. Seinem Nachfolger Reinhard Grindel war diese Vergütung ebenfalls anfangs überwiesen worden, um so dessen Altersversorgung zu gewährleisten. Offiziell erhielt der ehemalige ZDF-Journalist und CDU-Bundestagsabgeordnete während seiner Präsidentschaft 172 800 Euro jährlich, je zur Hälfte als Aufwandsentschädigung und Verdienstausfall, war dafür aber auch rund um die Uhr unterwegs.

Hinzu kamen bei Niersbach und Grindel – ebenso wie deren fleißigen Vorgänger Theo Zwanziger – jährlich sechsstellige Honorare für Sitze in den Exekutiven von Fifa und Uefa. Sie alle mussten also nicht darben.

Mit der Wahl von Fritz Keller sollte nun durch den Vergütungsausschuss für mehr Transparenz bei den allfälligen Zahlungen gesorgt werden und klären, wo das Ehrenamt aufhört und das Hauptamt anfängt. „Wir müssen das Vertrauen an der Basis und in der Gesellschaft zurückgewinnen“, hatte der ehemalige Präsident des SC Freiburg bei seiner Wahl am 27. September 2019 gefordert. Wie und in welcher Höhe der 63-jährige Keller und die 18 weiteren Präsidiumsmitglieder aktuell für ihre Anstrengungen im DFB entlohnt werden, ist nicht bekannt. Der Verband ließ entsprechende Fragen der Frankfurter Rundschau unbeantwortet.

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