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Den Fußballclubs gehen wichtige Fernsehgelder flöten.

Fußball-Bundesliga

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Die Bundesligaklubs planen ihre Mitgliederversammlung inzwischen als Videokonferenz, ein Saisonabbruch soll unbedingt verhindert werden. Weshalb auch kuriose Vorschläge auf den Tisch kommen.

Für Dienstagmorgen hat sich das Präsidium der Deutschen Fußball-Liga (DFL) zur Videokonferenz verabredet. Es gilt, die Konsequenzen aus den neuen staatlichen Richtlinien für die Bekämpfung des Coronavirus zu besprechen. Zu Beginn der letzten Märzwoche wird es dann die zweite Außerordentliche Mitgliederversammlung aller 36 Lizenzklubs binnen zwei Wochen geben. Aber anders als am 16. März, als sich die Präsidenten und Vorstände noch persönlich im Frankfurter Flughafenhotel trafen und sich dabei bedenklich nahe kamen, wird die Krisenbesprechung diesmal digital als Videoschalte organisiert. Ganz so einfach ist das aufgrund der Beteiligung von so vielen Menschen allerdings technisch nicht.

Die allermeisten Klubs haben auf die neuen Direktiven der Behörden reagiert und belassen ihre Profis deshalb im Homeoffice, nur einzelne Vereine wie der VfL Wolfsburg oder der FC Augsburg haben das Trainingsprogramm in zeitversetzt agierenden Kleingruppen wieder aufgenommen. Die dürften dann aber nach Adam Riese und Angela Merkel die Höchstzahl von zwei Personen nicht überschreiten.

Die Präsidiumssitzung an diesem Dienstag wird der eine Woche später stattfindenden Mitgliederversammlung den zwingenden Vorschlag unterbreiten, die bisher bis Anfang April terminierte Bundesliga-Zwangspause auszudehnen. Die aktuelle Gesetzgebung lässt inzwischen gar keine andere Möglichkeit mehr zu, die Entscheidung ist der Liga von der Politik bereits abgenommen worden.

Gleichzeitig berät das neunköpfige Gremium, in dem neben zwei DFL-Vertretern vier Männer aus der ersten und drei aus der zweiten Liga sitzen, auch über verschiedene Szenarien, die Saison fortzusetzen. Nach wie vor wird dies als unabdingbar angesehen. Erstens, weil nur so die letzte Tranche der bei allen Klubs fest eingeplanten rund 350 Millionen Euro vom Fernsehen überwiesen würde, zweitens, weil ein vorzeitiger Abbruch der Spielzeit mit einiger Sicherheit zu lästigen juristischen Auseinandersetzungen führte. Denn eine gerechte Lösung für Auf- und Abstieg ist dann schier undenkbar. Eine solche ließe sich durch eine dafür notwendige Dreiviertelmehrheit zur Satzungsänderung in den Statuten zwar herbeiführen, könnte aber natürlich rechtlich von einzelnen Klubs angefochten werden. Nur mal angenommen, es würde entschieden, dass die aktuellen ersten drei Plätze der zweiten Liga geschlossen aufsteigen – es dürfte sich der 1. FC Heidenheim als derzeit aussichtsreich auf Platz vier liegender Verfolger gut begründet unfair behandelt fühlen.

Im Gespräch sind zumindest informell auch Miniturniere an wenigen verschiedenen Standorten ohne Zuschauer mit Kasernierung der Spieler in gemeinsamen Herbergen. Fußball als closed shop, um der Pandemie und Insolvenzen zu begegnen.

Um den zu erwartenden einschneidenden Einnahmeausfällen von bis zu 750 Millionen Euro zu begegnen, müssten die Klubs ihre Ausgaben spürbar reduzieren. Das wäre nur möglich, indem sie individuelle Lösungen mit den Profis erreichen, deren Gehälter fast die Hälfte der Etats verschlingen. DFB-Schatzmeister Stephan Osnabrügge hat dazu eine klare Meinung: „Ich persönlich erwarte gerade von denen, die das Glück haben, in normalen Zeiten viel Geld mit dem Fußball verdienen zu dürfen, einen klaren Solidaritätsbeitrag mit ihren Arbeitgebern.“

Willi Lemke, der ehemalige Manager von Werder Bremen, argumentiert im Interview mit dem Portal deichstube.de ähnlich: „Es besteht geradezu die Notwendigkeit, dies zum Thema zu machen. Spieler, die Topgehälter in Millionenhöhe beziehen, bemerken gar nicht, wenn auf ihrem Konto zehn bis 20 Prozent abgezogen werden und einige zehntausend Euro fehlen.“

Auch gesellschaftlich wäre es schwer vermittelbar, wenn deutsche Lizenzklubs um staatliche Unterstützung bitten würden, um ihre einfachen Mitarbeiter gegebenenfalls in Kurzarbeit zu schicken und sich so 60 Prozent der oft kargen Nettogehälter durchs Arbeitsamt finanzieren, derweil den Topverdienern lediglich die Punktprämien entgehen.

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