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Wollte sich heimlich davonmachen: Nabil Bentaleb (links) beim Lauftreff in Benidorm mit Guido Burgstaller.

FC Schalke 04

Auf der Suche nach Drecksäcken

Bei Schalke 04 haben sie festgestellt, dass sie zu lieb zueinander sind.

Es geht laut zu auf dem Platz. Spieler wie Trainer stacheln sich gegenseitig an. Loben sich. Fauchen sich auch mal an, wenn es sein muss. Es handelt sich um die Mannschaft des belgischen Tabellenführers KRC Genk. Daneben bereitet sich Schalke 04 auf die Rückrunde vor und will vor allem die verkorkste Hinrunde korrigieren. Dort geht es harmloser zu.

In den bisherigen Einheiten im Trainingslager in Benidorm fiel auf, dass die drei Torhüter Ralf Fährmann, Alexander Nübel und Michael Langer die lautesten auf dem Platz waren. Die Feldspieler sind bislang in Sachen Ansprachen etwas zurückhaltender. Hier und da mal eine Ermahnung. Mehr nicht.

Ein Zustand, der auch innerhalb des Teams aufgefallen ist. Alessandro Schöpf spricht das entscheidende Defizit an: „Wir sind auf dem Platz zu lieb und wollen uns nicht gegenseitig wehtun“, sagt der 24-Jährige. „In der gesamten Hinrunde habe ich nie etwas krachen sehen oder einen Streit zwischen zwei Spielern. Normalerweise passiert so etwas häufiger, gerade auf diesem Niveau: Jeder will Zweikämpfe gewinnen, jeder möchte sich zeigen. Es ist normal, dass man sich mal in die Haare bekommt. Nach dem Training ist dann wieder alles cool. Das fehlt bei uns.“ Schalke habe in der ersten Saisonhälfte „zu viel schleifen lassen“, ergänzt Schöpf: „Wir haben im Training nicht mehr diese Power gehabt, nicht mehr diesen unbedingten Siegeswillen, nicht mehr diese Professionalität – auch im Umfeld.“ 

Königsblau hat eine Mannschaft mit ruhigen Profis. Zurückhaltend. Beinahe gesichtslos. Mit dem kurzfristigen Abgang von Naldo zur AS Monaco fehlen Leute, die auch mal dazwischengehen. Schöpf: „Ich würde mir wünschen, dass es im Training ab und zu mehr kracht.“ Das Problem: Das sind Eigenschaften, die sich kaum in Einheiten erarbeiten lassen. Eine Frage des Charakters. Königsblau fehlen Drecksäcke auf dem Platz, was der österreichische Nationalspieler auf Nachfrage bestätigt.

Nun sei jeder Profi gefordert, allen voran der Mannschaftsrat. „Der müsste so etwas sehen und dann ehrlich zusammen mit den Trainern ansprechen“, sagt Schöpf. Es liege in einigen Bereichen allerdings auch an jedem Kicker in der Truppe, „eine gewisse Verantwortung“ zu übernehmen. Der Österreicher sagt: „Das geht nur mit harter Arbeit, auch im Training. Man spielt ja so, wie man trainiert. Deswegen ist es ganz, ganz wichtig, dass wir versuchen, immer an unsere Grenzen zu gehen.“

Schöpf selbst, das gibt er zu, ist nicht der Typ, um die Rolle eines fußballerischen Decksacks zu übernehmen. Er wolle aber alles versuchen, auf seine Art und Weise zu einer größeren Fokussierung beizutragen: „Ich möchte auch vorangehen, aber auf dem Platz. Ich möchte zeigen, dass ich ein wichtiger Teil der Mannschaft bin und da bin, wenn sie mich braucht.“

Derweil ist Nabil Bentaleb abgereist. Der Mittelfeldspieler kam am Montagnachmittag aus dem Hoteleingang und wollte das Trainingslager still und heimlich verlassen. Weil das nicht so ganz funktioniert hatte, wurde er anschließend über einen Nebenausgang von einem Vereinsmitarbeiter Richtung Flughafen gefahren, um den anwesenden Journalisten nicht in die Arme zu laufen.

Der 24-jährige reiste vorzeitig ab. Der Algerier hatte wegen Oberschenkelproblemen in den vier Tagen keine Einheit mit der Mannschaft der Königsblauen bestritten. Bentaleb soll in Deutschland wohl eingehend untersucht werden. Nach offiziellen Vereinsangaben liege jedoch keine muskuläre Verletzung vor. Der Einsatz zum Rückrundenstart gegen den VfL Wolfsburg am 20. Januar erscheint äußerst fraglich, sei laut Schalke allerdings nicht gefährdet. Die einzige Einheit am Montag vorzeitig abgebrochen hat Suat Serdar. Der 21-Jährige hatte mit Adduktorenproblemen zu kämpfen. Auch Cedric Teuchert verließ den Platz vorzeitig – eine Vorsichtsmaßnahme.

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