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Schulterschluss: Wolfgang Dietrich (li.) und Thomas Hitzlsperger.

VfB Stuttgart

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Thomas Hitzlsperger will sich beim VfB Stuttgart mehr Sportkompetenz ins Haus holen.

Die Pressemitteilungen sieben und acht des Jahres 2019 gehörten nicht zu den Alltagsberichten aus dem Hause VfB Stuttgart. Stattdessen: Wumms. 13.13 Uhr: „Michael Reschke abberufen, Thomas Hitzlsperger neuer Sportvorstand.“ 13.24 Uhr: „Einladung zur Pressekonferenz anlässlich der Berufung von Thomas Hitzlsperger.“

Zwei Stunden später saßen die geladenen Medienvertreter ebenso zahlreich wie gespannt im VfB-Klubzentrum, um den angestrengten Versuchen des Präsidenten und Aufsichtsratsvorsitzenden Wolfgang Dietrich zu lauschen, im vielen Schlechten noch etwas Gutes erkennen zu können. Die Hoffnung auf das Gute heißt Thomas Hitzlsperger. Der Ex-Nationalspieler kennt den Klub und das Profifußballgeschäft in wahrlich sämtlichen Facetten. Er war Meisterspieler beim VfB, hat reichlich Auslandserfahrung gesammelt, war Berater des VfB-Vorstands, hat seit Februar 2018 als Direktor des VfB-Nachwuchsleistungszentrums gearbeitet, er ist im Deutschen Fußball-Bund Botschafter für Vielfalt, war TV-Experte im ZDF und ist es bisher noch bei der ARD. Die Aufgabe dürfte nun beendet sein, Hitzlsperger hat deshalb bereits mit ARD-Koordinator Axel Balkausky telefoniert. 

Vertrag bis 2022

An der Empathie, Verstand, Gestaltungswillen, Fleiß und einem funktionierenden Netzwerk des 36-Jährigen gibt es wenig Zweifel. Hitzlsperger, der nach einer Nacht Bedenkzeit einen Dreieinhalbjahresvertrag unterschrieben hat, bedankte sich brav „bei unserem Präsidenten und dem Aufsichtsrat für das in mich gesetzte Vertrauen“. Er freue sich „sehr auf diese großartige Aufgabe“ und empfinde seine Arbeit im Nachwuchsleistungszentrum als „gute Voraussetzung“, in einem „guten Team“ mit „Leuten, die streitbar sind“ dafür zu sorgen, „dass wir sportlich wieder die Kurve kriegen“. Er habe „viel Energie, die hoffentlich auch anstecken kann“. Hitzlsperger machte einen souveränen, aufgeräumten und kraftvollen Eindruck und sieht es als seine dringlichste Aufgabe an, „für den Trainer da zu sein“. So wie zuletzt beim 0:3 in Düsseldorf könne es keinesfalls weitergehen. „Es geht knallhart in die Analyse.“ 

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Er müsse die Arbeit von Markus Weinzierl erst persönlich begutachten, ehe er eine Bewertung abgeben könne. Der Draht sei „sehr, sehr gut“. Ohnehin handele es sich beim Projekt Klassenerhalt „nicht um ein hoffnungsloses Unterfangen“. Er setze sich entsprechend des Wunsches für Weinzierl gerne mit auf die Bank. Eine Arbeitsplatzgarantie bis zum Saisonende mochte der neue starke Mann im VfB für Weinzierl freilich nicht abgeben. 

Präsident Dietrich, sichtlich nervös, hatte zuvor nahezu wortwörtlich den Text der Pressemitteilung vom Morgen abgelesen. „Michael Reschke war als Sportvorstand maßgeblich daran beteiligt, dass unsere Mannschaft als Aufsteiger einen hervorragenden siebten Platz in der vergangenen Bundesligasaison erreicht hat. Dazu hat er für eine Saisonplanung für 2018/19 gesorgt, von der wir alle überzeugt waren. Leider hat seine Arbeit bislang nicht den gewünschten sportlichen Erfolg gebracht und der Klassenerhalt in der Bundesliga ist nach den jüngsten Ergebnissen in erheblicher Gefahr.“ Der Abschied von Reschke sei keinesfalls eine Ad-hoc-Entscheidung, sondern über Wochen gewachsen. Der Aufsichtsrat sei „nicht mehr überzeugt davon“ gewesen, „dass in der bestehenden Konstellation die notwendigen Kurskorrekturen vorgenommen werden können“. 

Viel Lob für den Neuen

Diese Korrekturen traue man Hitzlsperger nun zu: „Mit Thomas gewinnen wir einen Fachmann, der nicht nur Kompetenz und die Nähe zum aktiven Profifußball mitbringt, sondern auch die notwendige Führungsqualität. Beides hat er in den vergangenen Jahren in verschiedenen Funktionen nachgewiesen.“ Er sei Hitzlsperger sehr dankbar, „dass ich ihn für diese Aufgabe gewinnen konnte“. Und: Er sehe die Entwicklung „nicht als persönliche Niederlage“. Anderes war aus dem Munde Dietrichs auch nicht zu erwarten gewesen. 

Dietrich deutete zudem an, dass der VfB sich künftig mehr Sportkompetenz ins Haus holen wolle. Darauf hatte Hitzlsperger gedrängt. 

Michael Reschke verabschiedete sich aufrecht: „Aufgrund der negativen sportlichen Entwicklung habe ich Verständnis für die Entscheidung, auch wenn ich sehr gerne für den VfB Stuttgart weitergearbeitet hätte.“

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