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Darmstadts Tobias Kempe (l) gegen Dynamos Linus Wahlqvist.

2. Bundesliga

Strittige Szenen, geile Gefühle

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Der SV Darmstadt 98 verschafft sich mit dem 3:2-Sieg in Dresden etwas Luft im Abstiegskampf.

Als er nach 96 Spielminuten ein letztes Mal in seine Pfeife pustete, ahnte er wohl schon, was gleich auf ihn zukommen würde: wütende Dresdener Fußballer. Michael Bacher, 28-jähriger Schiedsrichter aus Amerang in Oberbayern, hatte den Zorn des Zweitliga-Schlusslichts nach der 2:3-Heimniederlage gegen den SV Darmstadt 98 auf sich gezogen. Warum? Vordringlich deshalb, weil er den Gastgebern in der 72. Minute den vermeintlichen Ausgleichstreffer verwehrte.

Einen Freistoß hatten die Sachsen in jener Minute in den Strafraum geflankt, vom Darmstädter Mathias Honsak war der Ball Stürmer Patrick Schmidt vor die Füße gesprungen, der ihn dann auch einwandfrei im Netz versenkte. Allerdings: Teamkollege Jannis Nikolaou stand vorher knapp im Abseits, und so entbrannte die Frage, ob der Dresdener nun aktiv eingegriffen hatte in die Situation oder nicht. Schiedsrichter Bacher entschied sich für Ersteres, seine Wahl musste man nicht unbedingt nachvollziehen. Klar, Nikolaou hatte den südhessischen Abwehrchef Dario Dumic leicht abgeblockt, die beiden Kontrahenten waren jedoch auch relativ weit weg vom entscheidenden Geschehen. „Natürlich hatten wir in dieser Situation auch ein bisschen Glück“, gestand selbst der Darmstädter Trainer Dimitrios Grammozis, den ersten Sieg seines Teams in diesem Kalenderjahr stufte er dennoch als „absolut verdient“ ein. Und das nicht zu unrecht.

Zwar ging Dynamo bereits nach vier Minuten durch den tschechischen Nationalspieler Josef Husbauer in Führung, danach aber agierten in Hälfte eins quasi nur noch die Gäste. Erst schlug Seungho Paik nach einem feinen Zuspiel von Victor Palsson eilig mit dem Ausgleich zurück (8.), dann brachte Tobias Kempe die Südhessen in Folge einer Balleroberung des starken Honsak gar mit 2:1 in Führung (12.). Nachdem daraufhin Dumic und Serdar Dursun weitere ordentliche Gelegenheiten für die Gäste verballerten, passte Honsak kurz vor der Pause genau in den Lauf von Offensivkollege Dursun, der sich seinen zehnten Saisontreffer freistehend vor dem Kasten nicht mehr nehmen ließ – 3:1 aus Sicht der Darmstädter nach 43 Zeigerumdrehungen, die Vorentscheidung in einem bis dahin einseitigen Duell? Mitnichten.

Denn auch nach dem Seitenwechsel der Teams blieb die vorwiegende Spielrichtung identisch – Dresden drückte nun. Und das im doppelten Sinne. Beim 2:3-Anschlusstor verschaffte sich Dynamo-Stürmer Patrick Schmidt mit einem Schubser gegen den Darmstädter Winterneuzugang Matthias Bader den nötigen Raum, um locker einzuköpfen (57.).

Zwei Minuten später scheiterte Sascha Horvath an der Brust von Gästekeeper Marcel Schuhen, der in der hektischen Schlussphase samt nicht gegebenem Tor und des Platzverweises für den eingewechselten Dresdener Simon Makienok mit guten Paraden den Sieg festhielt – der erste nach zuvor fünf Unentschieden in Folge für den SV 98. „Wir wollten unbedingt dieses geile Gefühl erleben“, sagte Grammozis strahlend. Die Hessen haben nun 26 Punkte auf dem Konto und sich damit etwas Luft im Abstiegskampf verschafft.

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