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Machtkampf

Christian Seifert gegen Rainer Koch – Streit zwischen DFL und DFB eskaliert

  • Frank Hellmann
    VonFrank Hellmann
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Der unsägliche Machtkampf schwappt vom DFB auch in die DFL über: Verbands-Vize Rainer Koch wird zum Intimfeind von Ligachef Christian Seifert.

Frankfurt – Dem Frankfurter Stadtwald geht es gar nicht gut. Es gibt kaum noch einen gesunden Baum in dem riesigen Areal mit alten Eichen, Kiefern und Buchen. Die reihenweise gefällten Bäume rund um die Zentrale des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) in der Otto-Fleck-Schneise könnten indes auch symbolisch für den Kahlschlag stehen, der sich an der Führungsspitze abzeichnet.

Fritz Keller, 64, Präsident, überlegt offenbar nur noch, wann er nach einem Urteil des DFB-Sportgerichts wegen seines Nazi-Vergleichs zurücktritt. Friedrich Curtius, 44, Generalsekretär, stellt Gespräche über seine Vertragsauflösung in Aussicht. Stephan Osnabrügge, 50, Schatzmeister, wird auf dem DFB-Bundestag 2022 nicht mehr kandidieren. Und Rainer Koch, 62, Vizepräsident Amateure, Vorsitzender des Bayerischen und Süddeutschen Fußball-Verbandes, liefert sich neuerdings einen heftigen Streit mit der Deutschen Fußball-Liga (DFL), die auch ihn aus dem Amt spülen könnte. Die nächste Eskalationsstufe in der Dauerfehde ist gezündet.

DFL will im Streit mit DFB nicht schnell Ruhe geben

Die Liga wird dem Vernehmen nach nicht eher Ruhe geben, bis auch der Multifunktionär Koch entweder zurücktritt oder sein Wirken wieder auf die bayerischen Landesgrenzen beschränkt, obgleich der Jurist gerade als deutscher Vertreter im Uefa-Exekutivkomitee wiedergewählt wurde. Ihm werden aus dem Profilager perfide Machtspiele vorgeworfen. Am Dienstagabend ist das unsägliche Gezänk zur DFL übergeschwappt. Jene seit ihrer Gründung immer ein bisschen argwöhnisch betrachtete Repräsentanz der 36 Profiklubs, die ihr Domizil im feinen Frankfurter Westend näher an den Banken als an den Sportverbänden wählte.

Der Streit zwischen Christian Seifert und Rainer Koch eskaliert. (Archivbild)

Nach der WM 2018, als die Nationalmannschaft als Aushängeschild ein jämmerliches Erscheinungsbild abgab, rauften sich DFB und DFL auf Arbeitsebene zusammen. Beim letzten DFL-Neujahrsempfang vor Ausbruch der Corona-Krise, im Januar 2020, bat DFL-Chef Christian Seifert noch symbolisch den DFB-Chef Keller auf eine Bühne in einer Offenbacher Eventlocation, um für das „Projekt Zukunft“ als wichtigste Herausforderung gemeinsam zu werben.

Aus dem Schulterschluss ist 16 Monate später nur noch Misstrauen übrig. Zumindest unter den Topleuten, denn ansonsten ist es nicht so, dass sich DFL-Angestellte und DFB-Mitarbeiter spinnefeind sind. Im Gegenteil, Aber auf oberster Führungsebene geht nichts mehr.

DFL-Chef Christian Seifert lästerte über den DFB

Wegen der vielen Intrigen trat Seifert bereits im Oktober aus dem Präsidialausschuss des DFB zurück. Im Dezember lästerte Seifert dann: „Generell wünsche ich dem DFB, dass er aus sich heraus zur Ruhe kommt und das teilweise sehr unwürdige Schauspiel an Illoyalität langsam sein Ende findet.“

Eine überhebliche Attitüde wird dem Ligachef trotz aller fachlichen Eignung ob solcher Einlassungen bis heute unterstellt, weil Seifert aber als Krisenmanager in der Pandemie bis in höchste politische Kreise überzeugte, genießt er mehr öffentliche Anerkennung als Koch, den das erkennbar wurmt.

Lange war General Curtius die Zielscheibe für die Ligavertretung, da dieser als geplanter Geschäftsführer der DFB GmbH den wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb verantwortet hätte. Anfang Januar wurde Curtius von allen DFL-Sitzungen ausgesperrt – dafür kam Koch. Auch für den könnte es nun eng werden. Eine Abstimmung im DFB-Vorstand, wo die ein Dutzend DFL-Vertreter eine doppelte Stimme haben, würde er nicht mehr überstehen, da sich auch Landes- und Regionalpräsidenten an seiner undurchsichtigen Verquickung in dubiose Verträge mit dem Medienberater Kurt Diekmann stoßen.

Seifert über den DFB: „Imaginäre Feindbilder und abenteuerliche Verschwörungstheorien“

Koch wird auf der Regionalkonferenz in Potsdam am vergangenen Wochenende gespürt haben, dass es in seinem Hoheitsgebiet erstmals richtigen Gegenwind gibt. Er wird schließlich mitverantwortlich gemacht, dass nach Wolfgang Niersbach und Reinhard Grindel auch Keller stürzt. Nur zur Erinnerung: Den 13. Präsidenten hatte eine sechsköpfige Findungskommission von DFL und DFB selbst ausgesucht, federführend Seifert und Koch.

Will eigentlich nicht gehen: DFB-Vize Rainer Koch (links)

Der Ligaboss verdächtigt jetzt den DFB-Mann, eine Falschmeldung gestreut zu haben, dass er nach seinem Ausscheiden 2022 mit einer Private-Equity-Firma nach der Vermarktung der Länderspiele und des DFB-Pokals trachte. Der 51-Jährige bebte vor Zorn – und schrieb einen Brief an den mutmaßlichen Drahtzieher Koch. Niemand in der DFL wolle den DFB „strukturell zerschlagen“. Er habe beruflich ganz andere Pläne. Überdies löse man die „offenkundigen Probleme des dysfunktionalen Systems DFB nicht durch den Aufbau imaginärer Feindbilder und abenteuerlicher Verschwörungstheorien“.

Kochs Replik umfasste acht Seiten. Fett unterstrichen vorne: „Ihre entsprechende Behauptung, mittlerweile bundesweit in allen Kanälen medial bestens gestreut, ist frei erfunden.“ Zudem warf Koch Seifert vor, „nicht nur Herr Keller“ habe sich ihm gegenüber „unsäglich“ verhalten. Überdies bediente er die übliche Klaviatur: der Ligaverband schade dem Amateurfußball.

Insgesamt entsteht ein irreparabler Gesamtschaden: Manche denken schon, es wäre besser, die zerstrittenen Herren würden sich wie früher auf dem Bolzplatz raufen und danach die Hand reichen, als sich in dieser Form so lange zu bekriegen. Wenn der deutsche Fußball jetzt nicht aufpasst, ist er bald flächendeckend so krank wie der Frankfurter Wald. Bis an die Wurzeln. (Frank Hellmann)

Rubriklistenbild: © Andreas Gora/dpa

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