Dynamo Dresden

Stolzer Abschied von Dynamo Dresden

  • Frank Hellmann
    vonFrank Hellmann
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Den Zweitligisten Dynamo Dresden trifft der Abstieg ins Mark. Opferbereitschaft und Leidensdruck sind enorm.

Eigentlich kennt sich Markus Kauczinski ja mit emotionalen Momenten im Profifußball aus. Der recht gut genährte Fußballlehrer stand vor fünf Jahren für den Karlsruher SC an der Seitenlinie, als im Relegationsspiel gegen den Hamburger SV das Wildparkstadion sein größtes Schockerlebnis hatte. Umstrittener Freistoß in allerletzter Sekunde. Kunstschuss Marcelo Diaz. Der Rest war Formsache für einen HSV, der damals noch von Bruno Labbadia trainiert wurde – und den Abstieg abwendete, der den Dino erst später traf.

Kauczinski blieb ob der Tragik am 1. Juni 2015 vergleichsweise ruhig. Doch was der aktuelle Trainer von Dynamo Dresden in dieser von der Pandemie infizierten Spielzeit durchmacht, scheint für den 50-Jährigen zu viel. Erst die positiven Corona-Fälle, dann die zweiwöchige Quarantäne, danach ein Mammutprogramm mit acht Spielen in 22 Tagen. Schlussendlich sammelten die Sachsen seit dem Re-Start zu wenige Punkte, um den bitteren Sturz in die Drittklassigkeit zu verhindern.

Eine stolze Stadt wie Dresden, einen traditionsbewussten Verein wie Dynamo trifft das bis ins Mark. Drei Punkte und 14 Tore liegt Dresden hinter Kauczinskis Ex-Klub Karlsruhe zurück – das ist gleichbedeutend mit dem Abstieg, denn die Rettung ist nur noch theoretischer Natur. Nachdem Dynamo noch einen 1:0-Sieg beim SV Sandhausen gefeiert hatte, wollte am Sonntag der Sky-Reporter vom Coach wissen, wie groß die Chance noch sei. „Wollen sie mich verarschen? Ich betrachte die Situation als unrealistisch“, giftete Kauczinski und stellte klar: „Wir sind nicht hier abgestiegen. Wir haben uns die letzten Wochen immer wieder zurückgekämpft – auch in Unterzahl.“

Tatsächlich sind Opferbereitschaft und Leidensdruck bei Dynamo enorm. Ausgerechnet Linksverteidiger Chris Löwe, der unter der Woche böse in Richtung DFL gewettert hatte („Glauben Sie, dass einer in der DFL sich nur eine Sekunde Gedanken macht, was bei uns in den Köpfen vorgeht? Das ist denen alles scheißegal“), leistete sich in Sandhausen ein mit Rot bestraftes Frustfoul.

Trotzdem erzielte Marco Hartmann für dezimierte Dresdner noch den Siegtreffer (90.), der aber wegen der Karlsruher Aufholjagd gegen Bielefeld (3:3) nutzlos war. Das wusste auch der Torschütze, der im Hardtwald ein fatalistisches Schlusswort sprach: „Wir wollten es für unsere Ehre zeigen, alles andere hatten wir nicht in der Hand. Der Sieg war für unseren Stolz.“ 

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