Bundesliga

Steuergeld für Profis

Staatshilfe für Erstligisten wie Stuttgart, Bremen oder Schalke erhitzen die Gemüter.

Auf dem Transfermarkt hat sich der VfB Stuttgart seine größten Wünsche erfüllt. Erst am Dienstag verpflichtete der Bundesligist den früheren U21-Europameister Waldemar Anton, gut eine Stunde später machte der VfB auch den Transfer von Torwart Gregor Kobel perfekt. Beide zusammen kosten die Schwaben ungefähr acht Millionen Euro. Das ist im Fußballgeschäft heutzutage keine überraschende Summe mehr. Aber sie kann in einem anderen Licht erscheinen, wenn man berücksichtigt, dass sich der durch die Corona-Krise finanziell angeschlagene Aufsteiger parallel um staatliche Unterstützung bemüht.

Der VfB gibt Millionen für Spielergehälter und Transfers aus und möchte gleichzeitig Geld von der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW): Wie passt das zusammen? Um 10 bis 15 Millionen Euro soll es laut „Stuttgarter Zeitung“ und „Stuttgarter Nachrichten“ beim VfB gehen. Die Stuttgarter sind nicht der einzige Bundesligist, der einen Antrag auf KfW-Förderung gestellt hat. Angesichts erheblicher Verluste wählte auch Werder Bremen diesen Weg. Viele weitere Erstligisten halten sich einen solchen Schritt zumindest offen. Der stark verschuldete FC Schalke 04 erhält eine Landesbürgschaft.

„Manche Vereine gleichen ihren Verlust durch Finanzspritzen ihres Investors aus, andere lassen sich von der öffentlichen Hand unterstützen. Als Fans sowieso – aber auch als Steuerzahlende – können wir über dieses Gebaren nur noch den Kopf schütteln“, sagte Markus Sotirianos, 2. Vorsitzender der Fan-Organisation „Unsere Kurve“. Auch aus der Politik gibt es kritische Töne. „Es trägt nicht gerade zum Imagegewinn der Fußballklubs bei, wenn den Spielern einerseits Gehälter in Millionenhöhe bezahlt werden und andererseits staatliche Hilfen in Anspruch genommen werden“, sagte Baden-Württembergs Sportministerin Susanne Eisenmann (CDU).

Andererseits handelt es sich beim VfB oder Werder um mittelständische Unternehmen, die jede Menge Steuern zahlen und entsprechende KfW-Kredite beantragen können. Der Wirtschafts- und Finanzexperte Rudolf Hickel hält KfW-Darlehen für Bundesligavereine für berechtigt. Einem Unternehmen wie Werder könnte sonst „die Pleite drohen“, schrieb Hickel im „Weser-Kurier“.

VfB sieht Sorgfaltspflicht

Der VfB sieht sich gegenüber seinen Mitarbeitern in der Verantwortung, ihm war von seiner Hausbank zu dem Antrag geraten worden. „Wir haben fast 250 Mitarbeiter, davon sind nur 30 Profis. Wir haben also 220 ganz normale Angestellte“, so Präsident Claus Vogt. „Auch für die haben wir eine Sorgfaltspflicht.“ Der VfB müsse wie jedes Unternehmen schauen, den Betrieb aufrechtzuerhalten.

Es bleibt ein heikles Thema, das aufgrund der wirtschaftlichen Lage der Klubs nachvollziehbar, wegen der finanziellen Exzesse einer in der Kritik stehenden Branche aber auch emotional aufgeladen ist. Dass sich nun einige Vereine um staatliche Hilfe bemühen, trägt nicht zur Annäherung an der Basis bei. (dpa)

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