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Statement zur rechten Zeit

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Von: Hanna Raif

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Ging leer aus bei der Rückkehr nach München: Robert Lewandowski. Foto: AFP
Ging leer aus bei der Rückkehr nach München: Robert Lewandowski. Foto: AFP © Christof Stache/afp

Der FC Bayern München beendet mit einem überzeugenden 2:0-Erfolg über den FC Barcelona aufkommendes Krisengerede.

Es gibt diese Abende, da weiß man gar nicht, wohin man hören soll. Und am Dienstag hätte man sowieso mindestens acht Ohren gebraucht, um alle Statements aufzuschnappen, die da aus den Reihen des FC Bayern kamen. Da fing Oliver Kahn an einer Ecke an zu sprechen, als der glückselige Herbert Hainer an der anderen noch erzählte. Da gingen die Profis an ihren philosophierenden Mitspielern vorbei, um ein paar Meter weiter doch auch selbst Fragen zu beantworten. Es gab halt viel zu sagen zu diesem 2:0 gegen den FC Barcelona, diesem Statement an Europa, diesem so bitter nötigen Befreiungsschlag. Der am Ende verdiente Sieg taugte als provokante Frage an alle Krisenbeschwörer da draußen: War was?!

„Wir sind natürlich absolut happy“, sagte Präsident Hainer, von einem „Fußballfest“ sprach der eingewechselte Dosenöffner Leon Goretzka mit Blick auf den lauen wie launigen Fußballabend vor 75 000 Zuschauern. Das Resultat – also das 30. Champions-League-Gruppenspiel ohne Niederlage und dazu der fünfte Sieg gegen Barcelona – hatte Eindruck gemacht, und „es gibt uns in der Gruppe auf jeden Fall eine gute Position“, stellte Hasan Salihamidzic treffend fest. Obwohl der Einzug ins Achtelfinale in den kommenden beiden Partien gegen (4. Oktober) und in (12. Oktober) Pilsen schon klar gemacht werden kann, waren alle Beteiligten dennoch bemüht, nicht allzu euphorisch zu werden. Allein der Blick auf die Bundesliga-Tabelle – Platz drei nach drei Remis – verbittet Jubelstürme.

„Wir dürfen jetzt nicht übertreiben“, sagte Kapitän Manuel Neuer, noch deutlicher wurde Kahn. Der Sportvorstand war direkt nach Abpfiff in die Kabine geeilt, um seine Botschaft loszuwerden. „Ich habe zur Mannschaft gesagt: Das Spiel ist besonders viel wert, wenn wir jetzt nachziehen“, berichtete er – und fügte zur Sicherheit hinzu: „Nachziehen heißt, in Augsburg zu gewinnen.“ Denn so viel Spaß die Kür gemacht hat, am Samstag ruft die Pflicht. Das heißt: 15.30 statt 21 Uhr. Regennachmittag statt Sommernacht. Schwaben statt Katalanen.

„In der Liga haben wir noch einiges gutzumachen“, sagte Leroy Sané, der nach dem Treffer von Lucas Hernandez (50.) mit seinem Tor zum 2:0 (54.) den schnellen Barcelona-K.-o. entscheidend mitgeprägt hatte. Der Energiegewinn nach dem Seitenwechsel war beeindruckend, „man hat heute phasenweise gesehen, welchen Fußball wir spielen können“, sagte Kahn. Über 90 Minuten aber war nicht alles nur gut. „Wir mussten schon leiden“, gab Marcel Sabitzer mit Blick auf die ersten 45 Minuten zu, in denen die Bayern kaum Zugriff aufs Spiel hatten. Das hohe Barca-Pressing stellte alle vor Probleme, Robert Lewandowski vergab zwei hundertprozentige Chancen, ein Elfmeterpfiff blieb aus. Kahn sprach vom „nötigen Quäntchen Glück“. Tendenz: leicht untertrieben.

Dass am Ende dennoch ein „verdienter Sieg“ (Kahn) stand, lag vor allem daran, dass sich niemand hängen ließ – wie zuletzt gerne mal. Salihamidzic lobte „Einstellung und Bereitschaft“ von „jedem Einzelnen“, ohnehin waren die Verantwortlichen bemüht, das Kollektiv herauszuheben. Hier und da hörte man heraus, dass die bärenstarke Abwehr um den am Ende verletzten Lucas Hernandez und Dayot Upamecano der Schlüssel zum Sieg war; ein Dank ging auch an Manuel Neuer. Mit Blick auf alle Mannschaftsteile aber sagte Kahn: „Ich bin total optimistisch, dass es immer besser funktionieren wird.“ Damit auch in der Bundesliga nach Abpfiff alle plaudern, bis die Ohren klingeln.

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