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Ungleiches Duell an der Alten Försterei: Timo Werner (rechts) lässt dem Berliner Keven Schlotterbeck kaum Chancen.

RB Leipzig

Statement gesetzt

RB Leipzig zeigt Aufsteiger Union Berlin, dass der Hase in der Bundesliga anders läuft.

Eigentlich wollte der Leipziger Trainer Julian Nagelsmann seinen Kollegen Urs Fischer kurz in den Arm nehmen und ein bisschen aufheitern. Doch die Mundwinkel des Schweizers blieben unten. Zu schmerzhaft war die 0:4 (0:3)-Schlappe, zu groß der Qualitätsunterschied bei der missglückten Bundesliga-Premiere, zu ernüchternd der erste Auftritt. „Das war hochverdient“, sagte Fischer zum klaren Sieg der Leipziger und räumte die besondere Klasse des Gegners ein. „Leipzig war sehr gefährlich, hatte eine unheimliche Dynamik, Wucht und Schnelligkeit. Am Ende müssen wir mit dem 0:4 zufrieden sein, die Niederlage hätte deutlich höher ausfallen können“, sagte der Chef-Trainer.

Auch die Spieler waren 87 Tage nach dem historischen Aufstieg restlos enttäuscht. „Das haben wir uns alle anders vorgestellt. Eine 0:4-Klatsche gleich zu Beginn – vielleicht ein Dämpfer zur rechten Zeit“, mutmaßte Grischa Prömel. „Wir haben gegen eine Mannschaft aus der Champions League gespielt. Da sieht man, dass wir noch ein bisschen brauchen“, suchte Kapitän Christopher Trimmel nach Erklärungen. Für Prömel hatte die heftige Niederlage aber auch etwas Gutes. „Wir wissen jetzt, dass der Hase in der Bundesliga anders läuft“, meinte der zentrale Mittelfeldspieler und forderte mit Blick auf das nächste Spiel am Samstag beim FC Augsburg (15.30 Uhr): „Wir müssen unsere Lehren daraus ziehen. Wir sind ja nicht in der Bundesliga, um uns abschlachten zu lassen.“

Die Fans nahmen es locker und feierten noch lange nach dem Abpfiff. In den ersten 15 Minuten hatten die Anhänger geschwiegen, um so gegen das Kommerz-Projekt RB Leipzig zu protestieren. Doch gerade, als sie in die Gesänge einstimmten, fiel das 0:1 durch Marcel Halstenberg (16.).

„Vielleicht hätten sie noch etwas schweigen sollen, dann hätten wir das Gegentor nicht kassiert“, meinte Fischer süffisant. Doch seine Mannschaft hatte dem Tempofußball aus Sachsen wenig entgegenzusetzen und geriet schnell nach weiteren Treffern durch Marcel Sabitzer (31.), Timo Werner (42.) und Christopher Nkunku (69.) auf die Verliererstraße.

RB Leipzig, das am kommenden Sonntag Eintracht Frankfurt erwartet, gab eine Kostprobe seines Potenzials und ließ sich auch von der Fan-Aktion nicht irritieren. „Wir wollten ein Statement setzen“, sagte Kapitän Willi Orban. Und auch Trainer Julian Nagelsmann zog nach seiner Leipzig-Premiere ein positives Fazit. „Ich bin zufrieden, sowohl mit der Torausbeute als auch mit weiten Teilen des Spiels.“

Offenbar haben seine Spieler die von Nagelsmann leicht veränderte RB-DNA verinnerlicht. „Mir gefällt, wie der Trainer spielen lässt. Das will ich ihm auch zurückzahlen“, sagte Marcel Sabitzer. Der Österreicher war an allen vier Treffern beteiligt und ragte aus einer starken Mannschaft heraus. „Ich habe vor der Saison gefordert, dass das Mittelfeld torgefährlicher werden muss. Vielleicht hat sich Sabi persönlich angesprochen gefühlt“, meinte Nagelsmann. Sein Team rückte dank des klaren Sieges gleich auf Rang zwei der Tabelle und untermauerte seine Ansprüche auf eine Top-Drei-Platzierung. „Wir müssen die Leistung von heute bestätigen, die Saison ist noch lang“, mahnte Nagelsmann. (sid)

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