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Hilfe von den Reichen? Auch für den ohnehin gebeutelten 1.FC Kaiserslautern hat die aktuelle Coronakrise existenzbedrohende Ausmaße angenommen. 

Solidarität

Der Starke hilft dem Schwachen?

Wie steht es um die Solidarität im Profifußball in Zeiten von Corona? Einige Entscheidungsträger sind skeptisch.

Uli Hoeneß sieht in der Solidarität „eine einmalige Chance“. Hans-Joachim Watzke hat hingegen keine allzu große Lust, sein Stück vom Kuchen zu teilen. „Am Ende können nicht die Klubs, die ein bisschen Polster angesetzt haben in den letzten Jahren, die Klubs, die das nicht getan haben, dafür auch noch belohnen“, sagte der Vorstandsvorsitzende des Fußball-Bundesligisten Borussia Dortmund in der ARD-Sportschau.

Wenn jeder an sich denkt, ist an alle gedacht? Nein. Watzke sieht durchaus eine „große Solidarität“, er befürwortet aber auch eine „ehrliche“ Haltung: „Wir haben ein Wirtschaftsunternehmen und sind auch Konkurrenten.“ Zudem: Wenn eine Tranche des TV-Geldes zurückgezahlt werde müsse, zahlten Vereine wie der BVB, 2005 selbst vor dem Kollaps, und der damalige Helfer Bayern München „anteilsmäßig auch mehr zurück“. Selbstverständlich, nachdem sie zuvor mehr bekommen haben. Für die Granden des Systems ist aber ohnehin vorerst keine existenzbedrohende Lage zu erwarten.

Anders sieht es möglicherweise in Düsseldorf oder Paderborn aus, in Sandhausen oder Wehen – und logischerweise noch schlimmer in den Ligen darunter bis hin zum Breitensport, in dem laut NRW-Ministerpräsident Armin Laschet „wenige Tausend Euro“ über Fortbestand oder Ruin entscheiden können.

Doch auch bei Drittligisten, denen der Deutsche Fußball-Bund (DFB) Hilfe bei der „Liquiditätssicherung“ (Generalsekretär Friedrich Curtius) zusagt, und Vereinen der vierten oder fünften Liga wird es sehr eng werden.

Für den 1. FC Kaiserslautern (dritte Liga), der laut Stadtbeschluss wohl bis zum 10. Juli nicht spielen kann, ging es schon vorher um alles oder nichts. Marcus Uhlig, Präsident von Rot-Weiss Essen in der Regionalliga West, sprach von „immens brutalen wirtschaftlichen Schlägen“. Es stünden „dramatisch hohe Einnahmeverluste“ bevor. „So ein Fall ist im System nicht vorgesehen“, sagte ein tief betroffen wirkender Uhlig dem „Reviersport“.

Nicht vorgesehen ist außerdem, dass DFB-Hilfen auch in die vierte Liga ausgeschüttet werden. Sonderdarlehen dürfen laut „Kicker“ aus rechtlichen Gründen nicht in tiefere Ligen gehen, die offiziell einen anderen Träger haben. Laschet will auf allen Ebenen abwarten und Einzelfälle beurteilen, stellt aber klar: „Es wird sicherlich keine Hilfe für die Millionäre in den Vereinen geben.“

Das wiederum hat auch Watzke nicht gefordert, er würde es auch für ungehörig halten. Doch die Coronakrise stellt auch jene 36 Klubs, die der Deutschen Fußball Liga (DFL) angehören, vor große Probleme.

Eine Wiederaufnahme der Saison werde „fast jeder Verein mit Einbußen verkraften können“, sagte Vorstandschef Thomas Röttgermann vom immerhin schuldenfreien Erstligisten Fortuna Düsseldorf der „Rheinischen Post“: „Ein Abbruch wird mit der Unterbrechung von Geldflüssen und der Verpflichtung zur Rückzahlung aber fast jeden Verein in Bedrängnis bringen. Die Vereine können es dann alleine nicht stemmen.“

Umso wichtiger wäre es aus finanzieller Sicht, schnell wieder zu spielen. „Doch es geht nicht um Meisterschaften, sondern um die Gesundheit aller“, sagt Eintracht-Sportvorstand Fredi Bobic. Watzke sagt, es seien in dieser Saison höchstens Geisterspiele denkbar, Röttgermann widerspricht: „Das beschädigt den Fußball.“ Die Konsequenz wäre: länger warten – mehr verlieren. Auch an die Spieler, die unabhängig von Einsätzen bezahlt werden wollen. Ein Gehaltsverzicht wäre zwar denkbar, Solidarität in dieser Hinsicht sei aber kaum vorauszusetzen, sagt Watzke: „Pacta sunt servanda (Verträge sind einzuhalten; Anm. d. Red). Aber je länger das dauert, müssen wir diese Frage natürlich stellen. Aber das geht nur auf freiwilliger Basis.“ Manch finanziell nicht auf Rosen gebettetem Klub stellt sich hingegen die Frage, ob Lippenbekenntnissen von oben auch Taten folgen und das Prinzip „der Starke hilft dem Schwachen“ im Ernstfall gilt.

„Es wird sich zeigen, ob es im Fußball eine Solidarität gibt, ob Verlierer demokratische Beschlüsse mittragen, wenn Entscheidungen gefällt werden müssen, nach denen es Gewinner und Verlierer gibt“, sagte Manfred Schwabl, Präsident des Drittligisten SpVgg Unterhaching. Einen Vorschlag zum Sparen hat er auch schon: mehr Jugendspieler einsetzen. (sid)

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