Hat die Fortuna auf Kurs gebracht: Uwe Rösler
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Hat die Fortuna auf Kurs gebracht: Uwe Rösler

Fortuna Düsseldorf gibt nicht auf

Das Stand-Up-Männchen

  • Jakob Böllhoff
    vonJakob Böllhoff
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Die Leidenschaft des zuweilen etwas eigenwillig daherkommenden Trainers Uwe Rösler belebt Fortuna Düsseldorf im Kampf gegen den Abstieg

Manchmal ist Uwe Rösler nicht ganz dicht, also rein sprachlich betrachtet. Dann rutschen ihm, dem Trainer von Fortuna Düsseldorf, der viele prägende Jahre seines Berufslebens auf der britischen Insel verbrachte, englische Begriffe in den Satzbau, und es entsteht ein unter linguistischen Gesichtspunkten ausgesprochen spannender Sprachmix, vorgetragen im melodischen Singsang eines Dialekts, der sich nicht zwischen sächsisch und angelsächsisch entscheiden kann. Einmal, nach einem 1:4 der Düsseldorfer gegen Borussia Mönchengladbach, hat Rösler tatsächlich gesagt: „Das dritte Tor killed uns total off und dann haben sie uns erschossen, ne?“

Am Mittwochabend, beim extrem wichtigen 2:2 gegen RB Leipzig, wurde die Fortuna jedenfalls nicht offgekilled, obwohl sie bei diesem ausgewiesenen Topteam kurz vor Schluss bereits mit 0:2 zurücklag, scheinbar aussichtslos, und das lag an den „Substitutions“, wie Rösler hinterher erklärte und damit die Spielerwechsel auf beiden Seiten meinte. Weil Leipzigs Trainer Julian Nagelsmann den blitzschnellen Angreifer Timo Werner vom Feld bat, Torschütze zum 2:0 (63. Spielminute), „haben wir ein Übergewicht bekommen, weil wir einen Mann mehr hochstellen konnten“, erläuterte der 52-jährige Rösler, der aus der Nähe von Leipzig stammt. Zudem habe der eigene Dreifachwechsel in der 66. Minute der Mannschaft neue Energie gegeben. „Es war wichtig, dass wir im Spiel geblieben sind.“

Die Belohnung für die Fortuna: Späte Tore von Steven Skrzybski (87.) und André Hoffmann (90.+2), die den Rheinländern zu einem unverhofften Punktgewinn verhalfen. Nach dem zweiten Leipziger Tor hatte sich ja eher ein Debakel angedeutet als ein Comeback. Hoffmann bekannte: „Ich muss ehrlich sagen, dass ich zwischenzeitlich schon an die Tordifferenz gedacht habe. Denn es war schwer, nach dem Rückstand noch mal den Kopf hoch zu bekommen.“

Nun sind die Düsseldorfer Köpfe wieder oben, und der Blick auf die Tabelle schmerzt etwas weniger. Der Punkt in Leipzig könnte sich noch als entscheidend entpuppen im Abstiegskampf. Fürs Erste hält sich die Fortuna (29 Punkte) als Inhaber des Relegationsrangs 16 Werder Bremen vom Leib, das nach dem 0:1 gegen den FC Bayern am Dienstag einen Punkt und einen Platz schlechter dasteht und tags drauf fassungslos die Schlussminuten in Leipzig verfolgte.

Dass Düsseldorf, zum Leidwesen der verzweifelten Bremer, keinen Hang zum Aufgeben zeigt, könnte viel mit Uwe Rösler zu tun haben, der die Trainerstelle Ende Januar vom guten, alten Friedhelm Funkel übernahm. Anfangs wurde er skeptisch beäugt, denn wie gut kann einer schon sein, der bislang nur in England und Skandinavien Trainer war, und skeptisch belauscht wurde er ohnehin, weil er ja manchmal so komisch spricht. Inzwischen ahnt man aber, dass dieser Rösler ein passabler Fußballlehrer sein könnte, und man weiß, dass er eine große Kämpfernatur ist. In den Neunzigern wurde er beim Manchester City zur Vereinslegende, als nimmermüder Stürmer. Später überwand er eine Krebserkrankung.

Nachgerade nichtig nimmt sich da für Rösler die Erfahrung im Bundesliga-Abstiegskampf mit den Düsseldorfern aus, die schon diverse Nackenschläge kassierten in dieser Saison und doch nie zu Boden gingen. Am Samstag steht das Spiel gegen den FC Augsburg an, es geht fast schon um alles. Für Uwe Rösler ist es: „Ein Must-Win-Spiel.“ Was auch sonst.

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