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Als Nicolai Müller (links) den HSV in der Relegation gegen den KSC rettete: Lang, lang ist es her.

Fußballdrama

Der Stachel sitzt tief

Mehr als vier Jahre nach der bitteren Relegationspleite will der Karlsruher SC gegen den Hamburger SV zurückschlagen.

Relegation, KSC, HSV: Diese drei Stichworte wecken sicher bei einigen sofort Erinnerungen. An jubelnde Hamburger und einen wild hüpfenden Trainer Bruno Labbadia auf der einen Seite und weinende KSC-Spieler auf der anderen. An ein Fußballdrama, einen späten, fragwürdigen Freistoß, eine Verlängerung, in der Nicolai Müller, mittlerweile bei Eintracht Frankfurt angestellt, den HSV rettete. Und natürlich an die bittere Enttäuschung im Karlsruher Wildparkstadion. Für die Fans des KSC ist das erste Duell seit dem so knapp verpassten Aufstieg in die Fußball-Bundesliga im Mai 2015 eine Art Revanche, die 15 334 Tickets für die Partie am Sonntag (13.30 Uhr) waren binnen weniger Stunden vergriffen – in der Mannschaft ist die Geschichte vier Jahre danach dagegen kaum der Rede wert.

„Die Jungs haben da einfach gar keine Berührungspunkte mehr damit“, berichtet Innenverteidiger Daniel Gordon. „Insofern war da auch kein großes Interesse. Ein oder zwei Spieler konnten sich noch daran erinnern, aber ein großes Thema ist es nicht“, erzählt er. Teamkollege Alexander Groiß habe ihm gesagt: „Ja, da war ich noch B-Jugendspieler.“ Der 34 Jahre alte Gordon dagegen war dabei, spielte von Beginn an und holte sich eine Gelbe Karte ab. Als einziger Profi im aktuellen Zweitligakader der Karlsruher erlebte er die Enttäuschung hautnah mit.

„Fußball ist Tagesgeschäft“

So ist es allein Gordon, der geduldig alle Fragen zu „damals, 2015“ beantwortet. Dabei steht auch bei dem Deutsch-Jamaikaner am Sonntag etwas ganz anderes im Fokus. „Unser Ziel ist es, den nächsten Schritt zu machen und wieder drei Punkte gegen den Abstieg auf unserem Konto zu sammeln“, sagt er. Denn aus dem Fast-Aufsteiger von 2015 ist zwischenzeitlich ein Absteiger in die Dritte Liga geworden, der nun als Aufsteiger vor allem den Klassenverbleib in Liga zwei anpeilt. Der Name der Mannschaft, die in den Wildpark komme, spiele da eigentlich gar keine Rolle. Nicht einmal dann, wenn es der große HSV ist.

Und so ist die Partie im direkten Umfeld der Mannschaft des mit zwei Siegen und einer Niederlage gut in die Saison gestarteten KSC wohl am ehesten noch für Sportdirektor Oliver Kreuzer außergewöhnlich. Als Funktionär arbeitete er schon für beide Klubs – allerdings nicht in jener Saison 2014/2015.

„Alle Spiele gegen meine ehemaligen Vereine sind irgendwie besonders“, räumt er ein. Aus seiner anhaltenden Sympathie für den Klub mit der Raute macht er keinen Hehl. „Weil ich ihn als großartigen Verein habe kennenlernen dürfen. Mit einer unglaublichen Strahlkraft, einer unglaublichen Wucht und tollen Fans“, schwärmt Kreuzer.

In ihrer Tradition und großen Begeisterung der Fans seien sich beide Vereine auch ziemlich ähnlich, findet Kreuzer. Aber genau da liege manchmal auch das Problem. „Die Menschen sehen den HSV noch immer als europäischen Landesmeister von 1983. Das ist in Karlsruhe mit dem 7:0 gegen Valencia genau so. Aber es ist Geschichte. Das ist schon 40 Jahre her“, sagt der frühere HSV-Sportdirektor. „Fußball ist Tagesgeschäft. Alles, was gestern war, ist alt“, glaubt er. Für die aktuellen Profis mag das stimmen – für die Zuschauer ist das Duell gegen den HSV am Sonntag dennoch speziell. Das letzte aus dem Mai 2015 hat schließlich niemand vergessen. (dpa)

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