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St. Pauli gegen Werder: Der Geist vom Kiez

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Von: Jan Christian Müller

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Überragender Pauli-Kicker: Daniel-Kofi Kyereh.
Überragender Pauli-Kicker: Daniel-Kofi Kyereh. © dpa

Der FC St. Pauli nimmt umstrittenen Ausgleich gegen Werder Bremen mit Fairness zur Kenntnis.

Die menschliche Größe eines Fußballtrainers zeigt sich gerade in jenen Situationen, in denen er sich benachteiligt fühlt. Es war ja klar: Timo Schultz war nach dem 1:1 (1:0) seines FC St. Pauli im Zweitliga-Spitzenspiel gegen Werder Bremen nicht einer Meinung mit dem eigenwilligen Schiedsrichter Florian Badstübner. Denn der hatte nach einem Eingriff des Videoassistenten zur allgemeinen Überraschung nur ganz kurz auf den Bildschirm in der Review-Area geschaut und fix entschieden: Der Bremer Ausgleich durch Niklas Füllkrug kurz nach dem Wechsel wird anerkannt.

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Felix Agu legt sich mit der Hand vor

Dabei hatte sich in der Vorbereitung des Tores der Bremer Felix Agu einen entscheidenden Vorteil verschafft, indem er den Ball mit der Hand durch die Beine seines erst verdutzten und dann protestierenden Hamburger Gegenübers Marcel Beifus beförderte. Pauli-Coach Schultz bewahrte später Haltung, als er sich im persönlichen Gespräch von einzelnen aufgebrachten Lokalreportern damit konfrontiert sah, bei dem Entscheid handele es sich fraglos um einen „Skandal“.

Timo Schultz ist lieber Trainer

Das, bedeutete Schultz nach dem großen Kampf seiner Mannschaft vor erstmals seit zwei Jahren wieder pickepackevollem Haus, sei nicht sein Vokabular. Ja, er sei grundsätzlich skeptisch mit dem Konstrukt Videoassistent, jedoch: „Ich bin nicht derjenige, der jetzt auf den Schiedsrichter draufdonnert.“ Wenn der „das so gesehen hat, muss man das akzeptieren“, ohnehin sei er „Gott sei Dank Trainer geworden und nicht Schiedsrichter“.

Das ist ein bemerkenswert fairer Sportgeist, gerade angesichts der verpassten Chance der Kiezkicker, sich im zunehmend dramatischeren Rattenrennen um den Aufstieg ein wenig frische Hamburger Luft zu verschaffen. „Gefühlt wird es von Wochenende zu Wochenende enger und enger“, interpretierte Schultz die Entwicklung an der Spitze präzise.

Marvin Ducksch trifft nur die Latte

Als die Bremer Delegation um Sportchef Frank Baumann und Präsident Hubertu Hess-Grunewald ihre Tribünenplätze verließ, waren über den Masken Spurenelemente von Erleichterung in den Augen zu erkennen. Zwar hatte Marvin Ducksch kurz vor Schluss mit einem Lattentreffer verpasst, aus der Führung der Gastgeber durch den überragenden Daniel-Kofi Kyereh noch einen Bremer Sieg zusammenzuzimmern. Aber am Ende hatte die beste Rückrundenmannschaft der zweiten Liga beim besten Heimteam mit Unterstützung des Referees auch einen Punkt geholt, der am Ende noch sehr wertvoll sein könnte.

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