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Zweimal Gelb ist Rot: Der Mainzer Edimilson Fernandes muss vorzeitig vom Platz.

Mainz 05

Sportlicher Kreislaufkollaps

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Bei Mainz 05 präsentieren sich weder Spieler noch Trainer in Hochform.

Die Berichte über seinen doppelten Crashkurs mit dem Mainzer Edimilson Fernandes bekamen rasch dramatische Züge, als Matthias Zimmermann aus dem rheinischen Nieselregen ins Trockene kam. „Im ersten Moment dachte ich, mein Sprunggelenk ist kaputt“, sagte Düsseldorfs Mittelfeldspieler von der Szene nach einer halben Stunde, als ihm Fernandes im Mittelkreis mit gestrecktem Bein in die Parade gefahren war. Zudem sei ihm „ein bisschen schwindlig“, erwähnte Zimmermann – eine Folge vom nächsten Zusammentreffen mit Fernandes, bei den ihn der 23-jährige Schweizer, das Bein ganz weit oben in der Luft, in der Nachspielzeit der ersten Hälfte seitlich am Kopf traf.

Die beiden schmerzhaften Tritte gegen Zimmermann brachten der Mittelfeldkraft der 05er je eine Verwarnung ein. In der Summe bedeutete das Gelb-Rot – und für die Gäste nach 45-minütigem Unterzahlspiel ein 0:1 bei der zu Hause zuvor sieglosen Fortuna. „In der ersten Halbzeit sah es nach einem 0:0 aus, die Gelb-Rote Karte hat das ein Stück weit geändert“, fand FSV-Sportvorstand Rouven Schröder. „Mit der Gelb-Roten Karte gibt es ein anderes Spiel“, verschärfte Trainer Sandro Schwarz diese Einschätzung. „Wir haben auch schon in der ersten Halbzeit zu wenig herausgespielt, hatten kaum eine Torchance“, relativierte Torwart Robin Zentner, der den Mainzern mit einigen Paraden lange zumindest Hoffnung auf ein Remis machte.

Acht Minuten vor Schluss aber wuchtete Angreifer Rouwen Hennings die erste wirklich starke Flanke der Düsseldorfer durch Niko Gießelmann per Kopf ins Netz. Für Friedhelm Funkel, den Methusalem unter Deutschlands Übungsleitern, war es im neunten Versuch der erste Erfolg gegen den FSV – und ein immens wichtiger Schritt auf der schwierigen Mission Klassenerhalt. Mit dem Sieg reichten die Fortunen ihren Relegationsplatz fürs Erste an die Rheinhessen weiter, die am Tag danach durch den Kölner Sieg über Paderborn sogar noch auf einen direkten Abstiegsplatz geschoben wurden. Entsprechend bedient kommentierte deren Bank-Chef: „Es ist ärgerlich – nach einem Spiel gegen einen Gegner, das dir, wenn du deine Leistung zeigst, das passende Ergebnis bringen könnte.“ Die Leistung war aber nicht passend.

Nach dem jüngsten Auswärtssieg in Paderborn hatte Schwarz gehofft, „im Erfolgskreislauf drin zu bleiben“. Stattdessen erlebte der 41-Jährige den sportlichen Kreislaufkollaps seines Teams – das die Spielkontrolle, die Funkels abwartendes Ensemble den 05ern auf dem Silbertablett offerierte, nach einer recht akzeptablen Anfangsphase einfach verpuffen ließ. „Nach 15 Minuten sind wir eingeschlafen mit unserem Ballbesitz“, grollte Schwarz.

Mit einer Tändelei vor dem eigenen Strafraum gab Fernandes in der 17. Minute so etwas wie das Startsignal für den nachfolgenden Larifari-Fußball. Mit einer vorzeitigen Auswechslung hätte Coach Sandro Schwarz dem gebürtigen Walliser den späteren Platzverweis ersparen können. „Die Ampelkarte hat er sich verdient“, befand Düsseldorfs Sportvorstand Lutz Pfannenstiel. Was stimmte: Jedes Foul für sich war gar rot-würdig.

„Wir können kicken, haben es aber wieder mal nicht gezeigt“, benannte Schlussmann Zentner derweil eine unangenehme Tendenz. Dazu lieferte er eine perfekte Analyse der taktischen Defizite der Mainzer. „Wir hatten zu viele Spieler, die hinten den Spielaufbau machen wollten. Dadurch fehlten uns die Anspielmöglichkeiten – weil wir die Räume nicht gut besetzt hatten“, erklärte der Ballfänger, der am Freitag gegen Köln, den nächsten direkten Konkurrenten, gemeinsam mit seinen Teamkollegen nun wieder unter gehörigem Druck steht.

„Unser Spiel war nicht so zielführend. Acht Partien, sechs Punkte – da haben wir uns mehr vorgestellt. Die Enttäuschung ist definitiv da, das muss man sacken lassen“, sagte Sportchef Schröder in bedrohlichem Unterton. Und für den unzufriedenen, zur zweiten Halbzeit eingewechselten Kapitän Danny Latza ist ohnehin klar: „Wir waren nie draußen aus dem Abstiegskampf. Auch wenn heute eine gute Möglichkeit dazu da gewesen wäre.“ Die haben die Mainzer Kicker leichtfertig verstreichen lassen – und blicken nun, über das Jahr 2019 hinweg, auf eine Schreckensbilanz von 15 Niederlagen in 25 Spielen.

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