Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Warten auf den FC Bayern. Foto:AFP
+
Warten auf den FC Bayern.

Klub-WM

Sport als Strategie

  • vonRonny Blaschke
    schließen

Katar verfolgt seit Jahren eine aufwändige Strategie der Soft Power. Mit Investitionen in Wissenschaft, Kultur und in Fußball wie jetzt wieder in die Klub-WM

Vor zwei Jahren wurde das wichtigste Fußballturnier Asiens in den Vereinigten Arabischen Emiraten angepfiffen, in einer der wohlhabenden Öl-Monarchien am Persischen Golf. Fans des kleinen Nachbarn Katar durften nicht einreisen. Im Halbfinale warfen Zuschauer des Gastgebers Schuhe und Flaschen auf die Spieler Katars. Dennoch gewann Katar auch das Finale gegen Japan und wurde erstmals Asienmeister.

„Der Fußball ist ein Spiegel der Spannungen am Golf“, sagt Jassim Matar Kunji, einst Torhüter in der katarischen Liga und nun Journalist beim Fernsehsender Al Jazeera. „Es wurden Sponsorenverträge zwischen den Ländern gekündigt und Spielertransfers abgesagt.“ Seit 2017 spitzte sich ein alter Konflikt am Golf zu: Saudi-Arabien verhängte eine Blockade über Katar. Der Vorwurf: Katar würde Terrorgruppen unterstützen und pflege eine zu große Nähe zur Muslimbruderschaft und zum Iran. Saudi-Arabien stellte Lebensmittelimporte ein. Durch die Unterbrechung von Reisewegen wurden Familien getrennt.

„Viele Katarer haben eine Invasion von Saudi-Arabien für möglich gehalten“, sagt Jassim Matar Kunji und nennt ein Beispiel. 1990 marschierte der Irak in Kuwait ein. In den kleineren Staaten setzte sich das Bewusstsein durch, dass sie bei einem vergleichbaren Angriff klar unterlegen wären. Die Armee Saudi-Arabiens zählt 200 000 Soldaten, die von Katar 12 000. So verfolgt Katar eine Strategie der Soft Power: mit milliardenschweren Investitionen in Kultur, Wissenschaft und Fußball, mit Großveranstaltungen, Vereinsbeteiligungen oder Sponsoren-Partnerschaften bei Paris Saint-Germain oder beim FC Bayern München.

Die Fußball-WM 2022 ist der wichtigste Teil dieser Strategie. Doch auch die gerade laufende Klub-WM bietet dem Emirat mitten in der Pandemie eine Bühne. Der Champions-League-Sieger FC Bayern steigt am Montag in den Wettbewerb ein. „Die Golfstaaten wollen neue Wirtschaftszweige entwickeln. Denn ihre Einnahmequellen Öl und Gas sind endlich“, sagt der Sportwissenschaftler Mahfoud Amara von der Qatar Universität in Doha. „Der Sport dient als Strategie, um Sektoren wie Tourismus, Handel oder Transportwesen bekannter zu machen.“

Das katarische Herrscherhaus ließ eine der größten Sportakademien der Welt bauen und erwarb die Mehrheit von Paris Saint-Germain. Bis heute steckte Katar mehr als eine Milliarde Euro in den europäischen Fußball. Die Konkurrenz in der Region wird hart geführt. Saudi-Arabien baute zum Beispiel den Piratensender „BeoutQ“ auf, der das Programm des katarischen Sportsenders „BeIN Sports“ abschöpft und selbst verbreitet.

Doch dann kam Corona. Der Öl-Preis brach ein, Investitionen gingen zurück, Touristen blieben fern. Anfang Januar beendete Saudi-Arabien nach dreieinhalb Jahren die Blockade gegen Katar. „Die Golfstaaten haben eingesehen, dass sie auf eine Zusammenarbeit angewiesen sind“, sagt Nahost-Experte Kristian Ulrichsen. Auch Riad und Dubai wollen von der WM 2022 profitieren, mit Trainingscamps, Sponsorenevents oder der Beherbergung von Fans.

Keiner der Staaten am Persischen Golf wird demokratisch regiert, eine Gewaltenteilung existiert nicht. Wenzel Michalski von Human Rights Watch sieht es kritisch, dass Vereine aus demokratisch regierten Ländern wie der FC Bayern die katarische Außenpolitik aufwerten: „Wenn europäische Klubs auf den Profit schon nicht verzichten wollen, dann könnten sie den wenigen kritischen Aktivisten vor Ort mehr Interesse entgegenbringen.“

Die katarische Herrscherfamilie lässt zwar die 250 000 Staatsbürger am Wohlstand teilhaben, ihr Pro-Kopf-Einkommen ist eines der höchsten weltweit. Doch die Entwicklung Katars wurde von Hunderttausenden Gastarbeitern ermöglicht. Viele von ihnen erkrankten bei hohen Sommertemperaturen oder starben. Inzwischen wurde der Schutz der Arbeiter verbessert und ein Mindestlohn eingeführt. Doch Menschenrechtler kritisieren, dass die Umsetzung der Reformen nicht ausreichend kontrolliert wird.

Von den rund 2,5 Millionen Einwohnern in Katar haben nur zehn Prozent einen katarischen Pass. „Einige Geschäftsleute haben Bedenken, dass sich Katar durch die WM zu sehr öffnen könnte“, sagt der Politikwissenschaftler Mehran Kamrava von der Georgetown Universität in Doha. 2018 ließ der Emir die Alkoholpreise durch Steuern massiv erhöhen. Zugeständnisse an konservative Kreise, denn nur mit innerpolitischer Stabilität lässt sich außenpolitisch Soft Power betreiben.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare