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Baku empfängt Europas Außenseiter: Den Auftakt machen am Samstag die Schweiz und Wales.
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Baku empfängt Europas Außenseiter: Den Auftakt machen am Samstag die Schweiz und Wales.

EM 2021

Spielort Baku: Heiß, windig, absurd

  • Frank Hellmann
    VonFrank Hellmann
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Kein Spielort ist so umstritten wie Baku, wo die Schweiz und Wales ihr erstes EM-Gruppenspiel bestreiten.

Vermutlich hätte sich das eleganter lösen lassen. Einfach einen überdimensionalen Ball auf einer Grünfläche an einer vielbefahrenen Straße abzulegen und damit Aufmerksamkeit für die Fußball-Europameisterschaft zu erzeugen, wirkt ein bisschen einfallslos. Aber vermutlich muss das genügen in der Ausrichterstadt, die den größten Außenseiterstatus trägt: Baku, Hauptstadt von Aserbaidschan. Die Uefa hält zum Schauplatz erstens fest, dass es sich um die am tiefsten gelegene Hauptstadt der Welt handelt – 28 Meter unter dem Meeresspiegel. Zweitens leite sich der Name Baku aus dem altpersischen Begriff ‚Badkube‘ für stürmische Winde ab, womit schon mal einiges erklärt ist.

Das ist vor dem Aufeinandertreffen aus der Gruppe A zwischen Schweiz und Wales am Samstag (15 Uhr) aber nicht alles: Das zweite Spiel in der zeitlichen Abfolge des paneuropäisch-pandemischen Experiments führt allen gleich die ganzen Absonderlichkeiten vor Augen. Zum einen besteht die berechtigte Furcht, dass sich die Menschen am Kaspischen Meer nicht sonderlich für ein solches Gruppenspiel aus der zweiten Kategorie interessieren. Die „NZZ“ hält jedenfalls über ihren Reporter vor Ort fest: „Bisher scheint die EM für viele Menschen irgendwie nebenher zu laufen, wie ein wohlerzogener Hund, den man gar nicht so richtig wahrnimmt.“ Da war das jüngst veranstaltete Formel-1-Rennen schon viel aufregender.

Die politische Opposition wird unterdrückt

Was zur Kardinalfrage führt: Warum machen die wichtigste Rennserie und das zweitwichtigste Fußballturnier der Welt ausgerechnet in der autoritär geführten Südkaukasus-Republik Station?

Die Spur führt direkt zum umstrittenen Machthaber Ilham Alijew, der das Präsidentenamt bereits 2003 von seinem Vater Gajdar Alijew übernahm. Der durch gigantische Gas- und Ölvorkommen garantierte Reichtum ist im Land sehr ungleich verteilt, die Menschenrechtssituation gilt zugleich als so besorgniserregend, dass Menschenrechtsorganisationen immer wieder warnend die Stimme heben. Die politische Opposition wird unterdrückt, die Pressefreiheit nicht garantiert – trotzdem machen die größten Sportorganisationen eine Verbeugung vor dem Autokraten und belohnen sein Investment über den staatlich kontrollierten Energiekonzern Socar, bis vor kurzem sogar Uefa-Sponsor, mit Sportveranstaltungen. Dabei werden solche Events ganz offenkundig als Herrschaftsinstrument missbraucht.

Es heißt: Augen zu und durch

Erst vergab die Uefa 2016 die U-17-Europameisterschaft nach Aserbaidschan, dann 2019 das Europa-League-Finale. Für die Londoner Fans von FC Chelsea und Arsenal war es mit erheblichen Kosten und Mühen verbunden, in den asiatischen Teil Europas zu gelangen. Die Symbolwirkung, die nun von drei EM-Gruppenspielen und einem Viertelfinale mit möglicher deutscher Beteiligung in einem maximal zur Hälfte gefüllten Olympiastadion ausgeht, ist noch fragwürdiger geworden, seit Aserbaidschan und Armenien im Herbst vergangenen Jahres erneut mit Waffengewalt um die Region Bergkarabach kämpften.

Beide Länder missbrauchten zwischenzeitlich den Fußball als Propagandamittel. Doch die Uefa hat nie wirklich daran gedacht, der Stadt mit den nachts spektakulär anmutenden Flammentürmen die EM-Austragung zu entziehen. Augen zu und durch. Für die Uefa ist offenbar das Wetter das am meisten störende Element.

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