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Spanien überrollt Costa Rica: Die Leichtigkeit des Seins

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Von: Frank Hellmann

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Jüngster WM-Torschütze seit Pele: Gavi (links).
Jüngster WM-Torschütze seit Pele: Gavi (links). © dpa

Gruppe E Die Spanier werden ihrer Favoritenrolle gegen ein überfordertes Costa Rica gerecht.

Es ist in den schmucken Stadien auf dem Wüstenboden von Katar noch nicht vorgekommen, dass das Publikum ausdauernd La-Ola-Wellen über die bunten Schalensitze schickt. Aber wenn ein Anlass passte, dann der erste WM-Auftritt der spanischen Fußballer, die die 40 013 Fans im Al-Thumama-Stadion verzückten. Mag dessen Außenfassade an eine traditionelle Takke erinnern, eine gewebte Kopfbedeckung für muslimische Männer im Nahen Osten, haben sich die Iberer hier gleich mal den Hut eines Favoriten aufgesetzt.

Das mit spielerischer Finesse errungene 7:0 (3:0) gegen einen überforderten Außenseiter Costa Rica geriet zur eindrucksvollen Demonstration der Stärke. Nationaltrainer Luis Enrique kam aus dem Jubeln am Spielfeldrand kaum heraus. „Bei den letzten Weltmeisterschaften hatten wir in den ersten Spielen Probleme, wir haben fast nie gewonnen. Das haben wir jetzt geändert“, sagte der 52-Jährige, der sogleich den Blick nach vorne richtete: „Dieses Resultat ist gut für uns, aber wir dürfen nicht vergessen, dass wir gegen Deutschland spielen. Wir können uns für einen Tag wirklich freuen, aber dann müssen wir uns aufs nächste Spiel konzentrieren.“ Es erscheint nach dieser beeindruckenden Vorstellung äußerst zweifelhaft, wie die von Enrique so ausdrücklich belobigte DFB-Auswahl ihr zweites Gruppenspiel gegen diesen Gegner am Sonntag (20 Uhr/ZDF) gewinnen will.

Das Selbstbewusstsein bei La Furia Roja für dieses Aufeinandertreffen könnte nicht größer sein. „Ich weiß nicht, ob wir WM-Favorit sind, aber wir haben sicherlich gute Chancen“, sagte Doppeltorschütze Ferran Torres und fügte an: „Wir haben große Lust, bei diesem Turnier Großes zu erreichen.“ Sein Team zeigte in der unweit vom Flughafen Hamad in ein Wohngebiet gepflanzten Spielstätte eine inspirierende Vorstellung, die nichts mehr mit dem zögerlichen Auftritt beim Achtelfinal-Aus bei der WM 2018 in Russland gegen den damaligen Gastgeber gemein hatte. Früh gingen bei den spanischen Anhänger:innen die Hände zum Himmel, küssten sich Paare vor Freude über so viel Ballfertigkeit und Handlungsschnelligkeit der verjüngten spanischen Auswahl, bei der die vielen Puzzleteile zusammenpassen.

Beim Führungstreffer pflückte der für RB Leipzig spielende Dani Olmo nach einem Heber von Gavi die Kugel fast fürsorglich aus der Luft, um leichtfüßig den herausstürzenden Torwart-Oldie Keylor Navas zu überlisten (11.). Das 100. WM-Tor der stolzen Fußballnation vor den Augen von König Felipe VI. in der Ehrenloge war eines zum Einrahmen. Bald darauf war Marco Asensio nach Flanke von Jordi Alba erfolgreich (21.). Ein Foul am aufgerückten Linksverteidiger führte danach zu jenem Foulelfmeter, den Torres recht lässig verwandelte (31.). Derselbe Spieler sollte dann nach der Pause gegen desorientierte Gegenspieler locker zum 4:0 einschieben (54.). Der großartige Gavi mit einem anspruchsvollen Volleyschuss (75.), dazu die eingewechselten Carlos Soler (90.) und Alvaro Morato (90.+2) gegen eine zerbröselte Abwehr der „Ticos“ sorgten für den höchsten WM-Sieg der Geschichte.

Nur Pele war jünger als Gavi

Keiner taugte an diesem Tage als Symbolfigur der spanischen Begabung besser als der erst 18 Jahre junge Gavi, dessen schnelle Drehungen, tolle Finten und beeindruckende Spielintelligenz ihm mehrfach Szenenapplaus einbrachten. „Er kann einer der Stars im Weltfußball werden“, betonte Enrique, während Gavi als „Spieler des Spiels“ bemerkte: „Das war ein großartiges Spiel von uns. Ich bin sehr froh.“ Gavi ist mit seinen 18 Jahren und 110 Tagen nun jüngster WM-Torschütze seit dem großen Pele.

Das Einzige was zum Virtuosen des FC Barcelona, Gavi, nicht wirklich passt, ist die Nummer neun auf dem roten Trikot. Aber vielleicht gehört eine verwirrende Ziffernvergabe zu einem Team mit ständig die Positionen tauschenden Alleskönnern. Gegen Gegner mit mehr Widerstandskraft als die Mittelamerikaner wird das vielleicht anders aussehen, doch Indizien für einen Einbruch hat diese Mannschaft nicht geliefert, die die Qualitäten besitzt, um im Handumdrehen alle Titelträume des vierfachen Weltmeisters Deutschland im Wüstensand zu begraben.

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