Geisterspiele

Die Spaltung der Dritten Liga

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  • Christian Düncher
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Fünf Klubs sind für Geisterspiele, acht Vereine für Saisonabbruch. Regionalligist Kickers Offenbach befürwortet eindringlich Konzept zu zweigeteilter Spielklasse mit 40 Klubs.

Die Dritte Liga ist tief gespalten. Während die fünf bayerischen Vereine in einer anderthalbstündigen Videokonferenz überein kamen, die Saison unbedingt zu beenden, weil „nur so der ansonsten maximale Schaden reduziert werden“ könne, schätzen viele Konkurrenten die Situation komplett anders ein. In einem gemeinsamen Positionspapier votieren acht Klubs für den Abbruch der laufenden Saison: der Hallescher FC, Waldhof Mannheim, der 1. FC Magdeburg, Preußen Münster, der Chemnitzer FC, die SG Sonnenhof Großaspach, der FSV Zwickau und Carl Zeiss Jena. „Die Beendigung der Saison mit Geisterspielen würde viele Vereine in finanzielle Schieflage und einige direkt in die Insolvenz führen“, führen diese Vereine an. 1860 München, der FC Ingolstadt, die SpVgg Unterhaching, der FC Bayern II und die Würzburger Kickers sehen dagegen eine „zeitnahe Fortführung der Saison“ als „alternativlos“ an.

Die Befürworter eines Abbruches schlagen die Wertung des derzeitigen Tabellenstandes für den Aufstieg in die zweite Liga vor. Der MSV Duisburg und Waldhof Mannheim belegen aktuell die ersten beiden Ränge, Dritter ist die SpVgg. Unterhaching. Zudem empfehlen die acht Klubs, von denen allerdings – ein Schelm, wer Böses dabei denkt – sechs die letzten sechs Plätze in der Tabelle einnehmen, die Aussetzung des Abstiegs aus der Dritten Liga sowie die Aufstockung der Spielklasse für die kommende Saison um „die derzeitigen Tabellenersten der Regionalligen.“

Eine komplette Umstrukturierung der Dritten Liga strebt dagegen der SV 07 Elversberg an. Der saarländische Regionalligist schlägt in einem differenzierten Konzeptansatz vor, die Dritte Liga zweizuteilen und mit je 20 Teams einer Gruppe Nord und Süd fortzuführen. In einem der beiden von Elversberg vorgestellten Modelle wäre aus Hessen neben den Offenbacher Kickers auch der FSV Frankfurt Mitglied der Dritten Liga Süd. FSV-Präsident Michael Görner wollte sich auf FR-Anfrage nicht zu dem Konzept äußern, „in das wir nicht eingebunden waren und das wir auch noch nicht kennen“. Die Kickers können sich bestens mit den Ideen aus Elversberg anfreunden: „Ich finde das Konzept sehr sinnvoll und zielführend, weil es viele Probleme löst“, sagte OFC-Geschäftsführer Thomas Sobotzik. Er sehe „keinen anderen Weg, um möglichst viele Vereine am Leben zu erhalten“. Die Dritte Liga sei gegenwärtig „grundsätzlich unterfinanziert“, führte Sobotzik aus und nannte die Insolvenzen der Kickers, des Chemnitzer FC, von RW Erfurt und Alemannia Aachen, „Die Probleme waren vorher schon da, aber die Corona-Krise hat sie noch verschärft.“

In einer zweigeteilten Dritten Liga müsste jeder Klub den Modellrechnungen zufolge zwar auf etwa die Hälfte der derzeit ausgeschütteten jeweils 1,08 Million Euro an TV-Erträgen verzichten, durch geringere Reiseaufwendungen würden jedoch rund 100 000 Euro eingespart, zudem könnten höhere Solidaritätszahlungen aus den Bundesligen sowie geringere Personalkosten einen Ausgleich schaffen. Weitere Vorteile: mehr Derbys, kürzere Wegstrecken für Fans. Insgesamt sei lediglich mit einem negativen Ergebniseffekt von „drei bis vier Prozent“ pro Drittligist zu rechnen. 

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