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Bilder, wie sie Autokraten lieben: Abdel Fatah al-Sisi mit dem berühmtesten Ägypter Mohamed Salah.

Ägypten

Sorgen vor dem Afrika-Cup

Korruptionsvorwürfe gegen Funktionäre, Ausschreitungen in Stadien und eine angespannte Sicherheitslage in Ägypten. Der Sport soll die Skandale in den Hintergrund drängen.

Die Strahlkraft von Mohamed Salah oder Sadio Mané soll es richten. Wenn am Freitag der 32. Afrika-Cup in Kairo angepfiffen wird, hoffen die Organisatoren auf ein Ende der Negativ-Schlagzeilen. Denn das Bild, das der afrikanische Fußball in den vergangenen Wochen abgegeben hat, war verheerend – mal wieder. Der afrikanische Verbandsboss Ahmad Ahmad wurde in Paris wegen Korruptionsverdachts kurzzeitig in Gewahrsam genommen, das Champions-League-Finale des Kontinents versank im Chaos, und im Land von Gastgeber Ägypten überlagert die angespannte Sicherheitslage das Turnier.

Dabei war die Organisation des Turniers für das Land am Nil ohnehin ein Wettlauf gegen die Zeit. Erst Anfang Januar wurde Ägypten als Ersatz-Ausrichter benannt, nachdem es Kamerun nicht hinbekommen hatte. Eine Herkulesaufgabe, zumal das Turnier auch noch auf 24 Mannschaften aufgestockt wurde.

Die größten Sorgen bereitet das Thema Sicherheit. Erst im Mai waren bei einem Bombenattentat nahe der Pyramiden von Giseh zahlreiche Menschen verletzt worden. Zuletzt hatte es vereinzelt Anschläge auf Touristen auch in der Hauptstadt Kairo gegeben. Trotzdem macht sich der frühere Bundesligaprofi Hany Ramzy keine Sorgen. „Die Besucher werden sicher sein in Ägypten. Die Regierung wird alles dafür tun“, sagte der heutige ägyptische Co-Trainer dem Internetportal „t-online“.

Rund 100 000 Sicherheitskräfte sollen das Turnier nach Angaben des Innenministeriums absichern. Neben Terroristen sind besonders die Ultras im Fokus der Sicherheitskräfte. „Beim Arabischen Frühling 2011 haben die ägyptischen Ultras eine wichtige Rolle gespielt“, sagt James Dorsey, der in seinem Fußballblog „Mideastsoccer“ die Fußballwelt im Nahen Osten und in Nordafrika analysiert. Sie seien maßgeblich an den Demonstrationen beteiligt gewesen.

Nachdem es 2012 in einem Stadion zu Ausschreitungen kam und in Port Said mehr als 70 Fans starben, fanden die Spiele der nationalen Liga in Ägypten mehrere Jahre lang unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Erst seit dem vergangenen Jahr sind Fans wieder im Stadion zugelassen. Und auch in anderen Ländern wie Tunesien, Marokko und Algerien kommt es in und um die Stadien immer wieder zu Demonstrationen und Ausschreitungen.

Mit Folgen für das Turnier in Ägypten. „In den vergangenen Wochen haben wir gesehen, dass zahlreiche Fans aus der Ultraszene festgenommen worden sind“, sagt Hussein Baoumi von Amnesty International. „Und das, obwohl sich die Ultraszene in Ägypten inzwischen komplett politisch zurückhält.“ Ähnliche Verhaftungswellen habe es auch schon in der Vergangenheit vor großen Veranstaltungen oder Wahlen in Ägypten gegeben. „Die Menschen werden nie angeklagt, es geht nur darum, sie von der Straße fernzuhalten.“

Tumulte gab es auch beim Champions-League-Finale zwischen Casablanca und Tunis. Der Videobeweis funktionierte wegen technischer Probleme nicht, die Marokkaner weigerten sich nach einer strittigen Situation, weiterzuspielen. Von den Tribünen flogen Flaschen. Das Spiel wurde abgebrochen und soll nach dem Afrika-Cup wiederholt werden. Das wurde am Rande des Fifa-Kongresses in Paris entschieden.

Kurz darauf nutzten die französischen Behörden die Chance, den afrikanischen Verbandsboss Ahmad Ahmad zu vernehmen. Gegen ihn wird unter anderem wegen Korruptionsverdachts ermittelt. Das Thema Korruption lässt den afrikanischen Fußball nicht los. In den vergangenen Monaten sind mehrere hochrangige Verbandsoffizielle in afrikanischen Ländern ihrer Ämter enthoben und von der Fifa zum Teil lebenslang wegen Korruption gesperrt worden. „Der afrikanische Fußballverband hat es in den vergangenen Jahren verpasst, wirklich aufzuräumen und sich neu zu strukturieren“, sagt Dorsey.

Der Sport soll nun die Skandale in den Hintergrund drängen. Den Anfang macht Gastgeber Ägypten am Freitag gegen Simbabwe. Vor dem Spiel traf sich die Mannschaft mit dem autoritären Machthaber Abdel Fattah al-Sisi, der das Turnier für seine PR-Zwecke nutzen will, um von der dramatischen Menschenrechtslage im eigenen Land abzulenken. Organisationen wie Human Rights Watch und Reporter ohne Grenzen gehen davon aus, dass rund 60 000 Menschen aus politischen Gründen in ägyptischen Gefängnissen sind. Von den ägyptischen Spielern wird sich niemand politisch äußern – auch nicht Mohamed Salah. (dpa)

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