+
Training im leeren Fritz-Walter-Stadion: Die FCK-Kicker.

Dritte Liga

Sonderfall in der Pfalz

Für den hoch verschuldeten 1. FC Kaiserslautern könnte die Planinsolvenz eine Chance sein.

Ein Traditionsverein bezieht keine Position. Der 1. FC Kaiserslautern will sich an der öffentlichen Debatte über die Zukunft der dritthöchsten deutschen Spielklasse nicht beteiligen. „Es ist für die Dritte Liga existenziell, als Einheit für die Interessen der Klubs in einer intern geführten Diskussion eine Lösung zu den bekannten Problemen zu erarbeiten“, twitterte dazu Geschäftsführer Soeren Oliver Voigt. Die aktuelle Situation bringe eine Vielzahl unterschiedliche Sichtweisen mit sich. „Gerade deshalb ist es alternativlos, miteinander und nicht gegeneinander zu agieren.“

Unabhängig von den Unstimmigkeiten innerhalb der Liga kämpft der FCK weiter um das finanzielle Überleben. Durch die Corona-Krise ist der Liquiditätsbedarf der Pfälzer weiter angewachsen. Bis Anfang April wurden für eine weitere Saison in der Dritte Fußballliga zwölf Millionen Euro benötigt. Zudem plagen den viermaligen deutschen Meister Verbindlichkeiten von rund 20 Millionen Euro. Der Klub wollte sich nicht zur aktuellen wirtschaftlichen Situation äußern.

Neben der seit Monaten favorisierten Sanierung wurde auch eine weitere Option durchgespielt – die einer Planinsolvenz. Zumal der Deutsche Fußball-Bund wegen der Krise seine Bestimmungen gelockert hat: Sollte ein Klub in dieser Saison in eine Insolvenz schlittern, würde er nicht mit dem bisher üblichen Abzug von neun Punkten bestraft werden. In der Saison 2020/21 würden nur drei Zähler abgezogen werden.

Den Pfälzern stünde aber ein Entschuldungsprozess über Monate bevor. Wenn dieser gelingen sollte, wäre der Verein für mögliche Investoren deutlich attraktiver. Allerdings könnte der FCK durch eine Planinsolvenz wegen Corona auch eine Menge zukünftige Geldgeber verprellen, weil diese sich nicht sicher sein könnten, was mit ihrem Geld geschehen würde.

Während des Planinsolvenzverfahrens würde FCK-Geschäftsführer Voigt ein aufsichtführender Sachverwalter des Amtsgerichts zur Seite gestellt werden. Mit ihm würde die 1. FC Kaiserslautern GmbH und Co. KGaA als Schuldner in Eigenverwaltung einen Sanierungs- und Restrukturierungsplan entwerfen. Ziel wäre es, das Unternehmen zu erhalten.

Pacht schon ausgesetzt

Gültige Verträge würden weiterlaufen, also auch die mit Spielern und auch der Stadionpachtvertrag. Voigt hätte mit dem Sachverwalter aber ein Sonderkündigungsrecht und könnte diesen neu aushandeln. Zudem müssten zahlreiche Verhandlungen mit den Gläubigern geführt werden.

Die meisten seiner über viele Jahre angehäuften Schulden hat der FCK aktuell bei Kreditgeber Quattrex aus Stuttgart. Der ehemalige Finanzchef Michael Klatt hatte dort in den Jahren 2016 bis 2019 mehrere hoch verzinste Kredite aufgenommen. Die Gesamtsumme der Verbindlichkeiten bei Quattrex beläuft sich auf etwa acht Millionen Euro.

Weiteres Geld schulden die Pfälzer ihrem Vermarkter Lagardere Sports, Banken, ihren Fans und dem Fast-Investor Flavio Becca. Ein Großteil des Geldes der Anhänger, die den Klub im März des vergangenen Jahres durch eine Anleihe und ein sogenanntes Crowdlending mit rund drei Millionen unterstützt hatten, wäre bei einer Planinsolvenz vermutlich weg, weil andere Gläubiger vorrangig bedient werden dürften.

Bereits vor einigen Tagen hatten die Lauterer der städtischen Stadiongesellschaft mitgeteilt, dass sie die Pachtzahlungen für den Betrieb des Fritz-Walter-Stadions vorerst aussetzen. Derzeit müssen die Roten Teufel 425 000 Euro pro Saison aufbringen, um ihre Heimspiele in der WM-Arena von 2006 auszutragen. Da aktuell keine Spiele auf dem berühmten Betzenberg stattfinden und dadurch keine Einnahmen generiert werden können, berief sich Geschäftsführer Voigt laut einem Bericht der „Rheinpfalz“ auf die aktuelle Corona-Gesetzgebung. Demnach dürfen Pachtzahlungen ausgesetzt werden, wenn aufgrund der Krise kein Geschäftsbetrieb möglich ist. (dpa/FR)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare