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Zwei, die sich verstehen: DFB-Chef Wolfgang Niersbach und Neu-Bundestrainerin Steffi Jones.
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Zwei, die sich verstehen: DFB-Chef Wolfgang Niersbach und Neu-Bundestrainerin Steffi Jones.

Frauenfußball

Die Skepsis überwiegt

  • Frank Hellmann
    VonFrank Hellmann
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Steffi Jones wird nach ihrer Nominierung zur Trainerin der Nationalmannschaft damit leben müssen, dass sie kritisch betrachtet wird.

Noch immer weiß Bernd Schröder nicht, ob er sich darüber aufregen soll. Zumindest wunderte sich der Coach von Turbine Potsdam auch auf der gestrigen Busfahrt nach Frankfurt zum heutigen DFB-Pokal-Halbfinale beim Erzrivalen 1. FFC Frankfurt, was in der Verbandszentrale beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) ausgeheckt worden ist. „In der freien Wirtschaft gibt es so etwas nicht, dass anderthalb Jahre vorher eine so weitreichende Entscheidung getroffen wird“, kritisiert der mit Abstand dienstälteste Trainer der Frauen-Bundesliga. Zunächst hatte der 72-Jährige an einen Aprilscherz geglaubt, dass Steffi Jones im September 2016 als Direktorin auf den Posten der Bundestrainerin wechseln und Silvia Neid beerben soll. „Ich kann Steffi gut leiden“, sagt Schröder, „aber wenn sie nicht einen sensationellen Mitarbeiterstab bekommt, wird sie einen ganz schweren Stand haben.“

Die Entscheidung sollen Präsident Wolfgang Niersbach, Generalsekretär Helmut Sandrock und dessen Stellvertreter Stefan Hans ausgeknobelt haben – erstaunlicherweise wurde Nationalmannschafts-Managerin Doris Fitschen dem Vernehmen nach komplett übergangen. Es ist vor allem die fehlende Erfahrung als Trainerin, wegen der die Frankfurterin kritisch gesehen wird. Skepsis klingt sogar beim 1. FFC Frankfurt an, wo die 111-fache Nationalspielerin reihenweise Titel einheimste. „Ich war überrascht, dass der DFB sich in der Frage so früh festlegt“, erklärt Manager Siegfried Dietrich.

Ein Experiment

Der 57-Jährige hatte Jones bis 2007 beraten und preist einerseits die unbestrittene Persönlichkeit („sie kann mir ihrer Sympathie, ihrem Charme und ihrer Art Menschen begeistern“), anderseits klingt unverhohlen Skepsis beim PR-Strategen durch. „Ich wünsche mir sehr, dass sie diesen völlig neuen Anforderungen und der großen Herausforderung einer völlig neuen Rolle gerecht wird. Eine Mannschaft zu coachen, speziell die bestens ausgebildeten Fußballerinnen, erfordert natürlich eine differenzierte Qualität als Trainerin.“ Eine Anstellung beim FFC ist nach dem vom früheren DFB-Präsidenten Theo Zwanziger vermittelten Direktoren-Posten allein aus finanziellen Gründen nicht mehr infrage gekommen. Kritiker Schröder spricht von einem „Ruhekissen“.

Die Mehrzahl der Frauen-Vereine soll die Jones-Personalie zumindest erstaunt aufgenommen haben, doch kaum einer will sich mit dem Verband anlegen, der den Klubs beispielsweise über den Liga-Namenssponsor finanziell kräftig unter die Arme greift. Ralf Kellermann vom VfL Wolfsburg wollte bezeichnenderweise gar keine Aussage tätigen. Klar ist: Der Zweijahresvertrag für die 42-jährige „Kaiserin“, so ihr Spitzname vor der Heim-WM 2011, darf als Experiment gewertet werden in einer Phase, in der der Frauenfußball in Skandinavien, Nordamerika und speziell Frankreich, dem WM-Ausrichterland 2019, immer professioneller aufgestellt wird. Dass im Trainerbereich ein Mangel an qualifizierten weiblichen Vertretern besteht, ist unbestritten: Niersbach hat gerade aus einer Uefa-Statistik zitiert, wonach nur ein Prozent der Trainerschein-Absolventen Frauen sind. Und bei der Fifa ist erst Anfang des Monats die Notwendigkeit von Quotenregelungen formuliert worden, um Frauen in Führungspositionen zu hieven – Trainerposten inklusive.

Meinert lehnte ab

Selbst hierzulande, wo bislang 26 Frauen den Fußballlehrerschein bestanden haben, besteht Nachholbedarf: Die ehemalige Nationalspielerin Inka Grings (MSV Duisburg) ist aktuell die einzige Cheftrainerin bei den zwölf Teams der Frauen-Bundesliga. Es mutet wie Ironie an, dass am Montag die U-20-Weltmeistertrainerin Maren Meinert als erste Frau den deutschen Trainerpreis überreicht bekam. Die logische Beförderung als Neid-Nachfolgerin lehnte die integre Meinert aus persönlichen Gründen ab; noch fühlt sich die 41-Jährige im Nachwuchsbereich zu wohl.

Schröder schlägt vor diesem Hintergrund vor, bei der Besetzung der Jones-Helfer unabhängig vom Geschlecht zu entscheiden. „Da darf man nicht dogmatisch sein.“ Kein Thema war als neue Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg, obwohl sie das perfekte Anforderungsprofil mitbrächte: Die 47-Jährige arbeitete drei Jahre erfolgreich als Trainerin des ehemaligen FCR 2001 Duisburg und führte nun just die Schweizer Frauen-Nationalmannschaft erstmals zur WM. „Sie ist eine Führungspersönlichkeit, die große Erfolge vorzuweisen hat“, lobt sogar Managerin Fitschen. Die 125-fache Nationalspielerin soll dem DFB indes zu streitbar sein, aber das eidgenössische Team darf immerhin am 27. Mai in Baden-Dättwil die WM-Generalprobe gegen die deutsche Frauen-Nationalmannschaft bestreiten.

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