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Skandalspiel in Argentinien: Ex-Verteidiger von Eintracht Frankfurt mittendrin

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Von: Johannes Skiba

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In Argentinien kam es bei einem Pokalfinalspiel zu elf Platzverweisen. Der ehemalige Spieler von Eintracht Frankfurt Carlos Zambrano war einer der Betroffenen.

San Luis  – Nirgendwo auf der Welt wird der Fußball so gelebt wie in Argentinien. Spieler, Fans, Funktionäre – alle Beteiligten leben den Sport sehr emotional. Dabei wird manchmal auch weit über die Stränge geschlagen. Nun kam es im Finale der „Trofeo de Campeones“ zwischen den Boca Juniors und Racing zu insgesamt elf Platzverweisen. Der frühere Profi von Eintracht Frankfurt Carlos Zambrano war einer der Rotsünder und das, obwohl der Peruaner gar nicht mehr auf dem Platz stand. Neben den zehn Fußballspielern sah auch Boca-Trainer Hugo Ibarra die Rote Karte.

Eigentlich ist der Wettbewerb als Saisonausklang in Argentinien nicht sehr hoch angesehen. Dabei ist dieses Kurzturnier nicht etwa mit dem deutschen Supercup – also einem Spiel zwischen Meister und Pokalsieger - zu vergleichen, sondern Ergebnis des abstrusen Ligensystems in Argentinien. Mit 28 Teilnehmern teilte sich die Saison wie schon in den vergangenen Jahren in zwei Turniere.

In der ersten Jahreshälfte unterteilt sich die Liga in zwei Gruppen, deren beste Teams sich in einer K.O.-Phase um den ersten, aber etwas niedrigere angesehenen Titel der Saison streiten. In der zweiten Hälfte treten alle 28 Mannschaften einmal gegeneinander an, um die argentinische Meisterschaft auszuspielen. Da die Boca Juniors in diesem Jahr beide Titel gewannen, war der Stellenwert der „Trofeo de Campeones“ eher überschaubar. Warum dann die ganze Aufregung?

Gelsenkirchen, Deutschland 20. September 2014: 1. BL- 14/15 - Schalke 04 vs. Eintracht Frankfurt. Carlos Zambrano (Frank
Während seiner Zeit bei Eintracht Frankfurt hat Carlos Zambrano fleißig Karten gesammelt: 42 Gelbe Karten, 2 Gelb-Rote Karten © Hommes/imago

Früherer Eintracht Frankfurt-Spieler: 2022 mit zwei Titeln in Argentinien

In der vorangegangen Halbfinalbegegnung am Mittwoch (2. November) spielten die beiden Zweitplatzierten der beiden Turniere, Tigre und Racing, gegeneinander. Boca und Eintracht Frankfurts frühere Defensivspezialist Carlos Zambrano standen als Doublesieger bereits als Finalist fest. Mit dem Sieg Racings wurde aus dem eigentlich wenig beachteten Finale plötzlich ein „clásico“. In Argentinien gibt es die sogenannten cinco grandes, die fünf großen Klubs aus dem Großraum Buenos Aires mit der größten Anhängerschaft: San Lorenzo, Independiente, River Plate, Racing und die Boca Juniors. Alle Aufeinandertreffen dieser fünf Teams, egal ob Liga-, Pokal- oder Freundschaftsspiel, sind hochemotionale und prestigeträchtige Partien.

Das bekannteste Duell ist der „superclásico“ zwischen den Boca Juniors und River Plate. Doch auch die anderen „clásicos“ sind spektakuläre und teils gefährliche Angelegenheiten, sodass im regulären Ligabetrieb in Buenos Aires seit Jahren keine Auswärtsfans in den Stadien zugelassen sind. Der großartigen Stimmung tut dies jedoch keinen Abbruch. Mit dem Aufeinandertreffen von Boca und Racing wurde der zunächst unbedeutende Wettbewerb auf einen Schlag relevant.

WM 2022-Schiri: Rote Kartenflut trifft auch Ex-SGE-Profi

Die Partei fand im fast 800 Kilometer von Buenos Aires entfernten San Luis statt. Das Stadion war mit 30.000 Anhängerinnen und Anhängern beider Fanlager gefüllt. Zunächst stand das Sportliche im Vordergrund. Nach 22 Minuten stand es bereits 1:1. In der fünften Minute der Nachspielzeit kam es dann zu einer handgreiflichen Rangelei zwischen den beiden Kolumbianern Sebastian Villa von Boca und Johan Carbonero von Racing, die in einer roten Karte für beide Profis sowie Boca-Trainer Hugo Ibarra endete. Dann ging es in die Verlängerung.

In der 100. Minute musste Bocas Alan Varela nach einem Foulspiel ebenfalls das Feld verlassen. Er war bereist mit gelb vorbelastet und sah nach einem weiteren Vergehen die gelb-rote Karte. Der Auslöser für die weitere Flut an Platzverweisen war der Siegtreffer von Racings Toptalent Carlos Alcaraz, der im Anschluss an sein Kopfballtor emotional und trikotlos vor der Fankurve der Boca Juniors feierte – ein absolutes und gefährliches No-Go in Argentinien. Für diese eskalierende Provokation sah der Youngster die rote Karte und das Chaos nahm seinen Lauf.

WM 2022: Referee Tello auch in Katar im Einsatz

Die Spieler der Boca Juniors reagierten äußerst gereizt auf diese Aktion und gingen Alcaraz und andere Racing-Spieler hart an. Drei Spieler von Boca, darunter der ehemalige Eintracht Frankfurt Spieler Carlos Zambrano, der bereits ausgewechselt wurde, und Galván von Racing sahen ebenfalls die rote Karte. Nach der langen Unterbrechung wurde weiter Fußball gespielt – allerdings nur kurz, denn die Stimmung auf und neben dem Platz kochte. Boca-Verteidiger Frank Fabra sah nach einem überharten Einsteigen ebenfalls rot.

Sein Teamkollege Dario Benedetto ließ sich daraufhin zu einer abfälligen Geste in Richtung des Schiedsrichters hinreißen, die nach dem Einsatz des VAR zu letzten roten Karten an diesem Abend führen sollte. Denn die Boca Juniors hatten nach diesem Verweis nur noch sechs Spieler auf dem Feld, wodurch Schiedsrichter Facundo Tello die Partei beim Stand von 2:1 abbrechen musste. Nach insgesamt elf roten Karten ist Racing der Gewinner der „Trofeo de Campeones“, die eigentlich kaum jemanden so recht interessierte und nun doch für weltweites Aufsehen sorgt.

Der Schiedsrichter der Partie Facundo Tello gehört übrigens auch zu den Referees, die bei der WM 2022 in Katar einige Spiele begleiten werden. Der Argentinier könnte sich dann auch im Spielplan des DFB-Teams wiederfinden. Ob Tello dann auch so viele Karten zeigen wird, ist eher unwahrscheinlich.

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