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Silke Sinning: Die Frau, die Rainer Koch stürzte

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Von: Jan Christian Müller

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Überwältigt von der Zustimmung: Silke Sinning.
Überwältigt von der Zustimmung: Silke Sinning. © IMAGO/Revierfoto

Mit der mutigen Silke Sinning aus Hessen soll der DFB künftig bodenständiger werden.

Silke Sinning wusste gar nicht recht, wie ihr geschah. Ihr Sieg im mächtigen World Conference Center von Bonn war ebenso sensationell wie erdrutschartig ausgefallen. 163 Stimmen für die nahezu unbekannte 52-Jährige neue DFB-Vizepräsidentin gegen nur 68 für den viel besser vernetzten Multifunktionär Rainer Koch (63) - das überstrahlte an diesem historischen Freitagnachmittag sogar die erste Kampfabstimmung in der 122-jährigen Verbandshistorie um die Präsidentschaft. Eine eiskalte Gratulation des demoralisierten Verlierers - etwas später stand Silke Sinning dann fast etwas verloren auf der großen Bühne.

Wer ist die Frau, die Rainer Koch stürzte? Die Professorin aus Nordhessen lehrt Sportwissenschaft an der Universität Koblenz-Landau. Sie war Spielführerin bei der SG Beisetal und Spielertrainerin bei den Frauen des SC Schwarz-Weiß Zenner, sie studierte Mathematik und Sport, arbeitete erst als Therapeutin auf Norderney, dann im Schuldienst, promovierte und begann, sich im Hessischen Fußballverband für Frauen- und Mädchenfußball zu engagieren.

Als sie es vor drei Monaten wagte, sich dem Kandidatenteam des am Freitag gegen Bernd Neuendorf unterlegenen Peter Peters anzuschließen, wollte der Hessische Verbandschef Stefan Reuß sie aus dem Präsidium werfen. Am Freitag gehörte Reuß zu den ersten Gratulanten. Im Grunde wäre eine Entschuldigung fällig.

Silke Sinning ist nun eine von fünf neuen Vizepräsidentinnen im Deutschen Fußball-Bund: „Das ist super. Das finde ich ganz stark!“ Und das ist deutlich überproportional zur Spielerinnenzahl, die hierzulande lediglich neun Prozent der Aktiven ausmacht. Bis Freitag gab es nur eine Frau im Präsidium, die wegen Erreichens der Altersgrenze von über 70 nicht mehr kandidierte.

Sinning will die Themen gesellschaftliche Verantwortung und Diversität gemeinsam mit Ex-Nationalspielerin Celia Sasic bearbeiten. „Wir Frauen werden uns unterstützen“, sagt sie. Sie hatte am Morgen ihrer Tochter versprochen, dass sie den Mut aufbringen und zur Bewerbungsrede aufs Podium klettern würde. „Ich bin seit drei Monaten mutig und musste einiges über mich ergehen lassen. Deshalb wollte ich das auch zu Ende bringen. Ich hatte auf einen Achtungserfolg gehofft.“ Und dann das.

Favorit Koch hatte in seiner sichtbar aufkommenden Panik gewarnt, mit einer Wahl der Hessin Sinning würden Gräben aufgerissen. Unfug, wie die frisch Gewählte bald bestätigte: „Ich habe im Verhältnis mit niemandem einen Graben, den ich zuschütten müsste. Jetzt habe ich so ein überwältigendes Ergebnis erreicht. Da denke ich, dass man auch auf mich positiv zugeht.“ Die Basis habe deutlich gesagt, „dass sie Veränderungen will. Meine Wahl nehme ich als Auftrag an, dass das jetzt auch geschieht“.

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