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Sieben Vögel, 41 Eigentore

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Von: Johannes Dieterich

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Kantersiege ohne Happy End: Matiyasi FC (rote Trikots) siegt am letzten Spieltag 59:1. Tabellenführer Shivulani Dangerous Tigers (in blau) kontert mit einem 33:1 – am Ende werden alle Klubs lebenslang gesperrt.
Kantersiege ohne Happy End: Matiyasi FC (rote Trikots) siegt am letzten Spieltag 59:1. Tabellenführer Shivulani Dangerous Tigers (in blau) kontert mit einem 33:1 – am Ende werden alle Klubs lebenslang gesperrt. © Facebook

Korruptes aus Südafrika: In Liga vier geht‘s nicht mit rechten Dingen zu.

Die Geschichte klingt so ungeheuerlich, dass sie einer Einführung bedarf. Sie fand in einem Land statt, in dem Minister während der Covid-Pandemie das für die Schutzbekleidung von Pflegekräften nötige Geld stahlen, ein der Korruption angeklagter Ex-Präsident sein Verfahren schon seit zwei Jahrzehnten verschleppen kann und der amtierende Präsident die Sofakissen in seiner Ferien-Lodge mit Dollarnoten vollstopft.

In diesem Land namens Südafrika stolperten Fußballverantwortliche jüngst über zwei außerordentliche Resultate vom letzten Spieltag der Vierten Liga in der Limpopo-Provinz. Dort soll der zweitplatzierte Matiyasi FC die drittplatzierten Nsami Mighty Birds mit 59:1 und die erstplatzierten Shivulani Dangerous Tigers die Kotoko Happy Boys mit 33:1 geschlagen haben – Ergebnisse, die selbst in Zeiten der Inflation Aufsehen erregen.

Bei genauerem Hinsehen fielen den Verantwortlichen des Fußballverbands Safa noch weitere Eigentümlichkeiten auf. Das 59:1 des Matiyasi FC war zustande gekommen, nachdem der Schiedsrichter die gegnerischen „Mächtigen Vögel“ durch vier Rote Karten auf sieben Geflügeltiere reduziert hatte – und diese innerhalb von 90 Minuten nicht weniger als 41 Eigentore schossen. Der Schiedsrichter gab sich schon gar nicht mehr die Mühe, jeden Treffer einzeln und mit Spielminute zu notieren. In seinen Notizen hieß es lediglich: „No 2 erzielte 10“ oder „No 5 erzielte 20 Treffer“. Ein Spieler, der in der ersten Halbzeit vom Platz gestellt worden war, schoss in der zweiten Halbzeit offenbar ein Tor.

Des weiteren ergaben die Safa-Ermittlungen, dass der Matiyasi FC vor dem letzten Spieltag in der Mopani-Region mit einer Differenz von 16 Toren hinter Shivulani Gefährlichen Tigern platziert war: Nur ein Erdrutsch-Sieg konnte dem FC noch den Aufstieg sichern. Allerdings erfuhren die Mächtigen Tiger in der Halbzeit des letzten Spieltags von den Machenschaften ihrer Rivalen: Die lagen zu diesem Zeitpunkt bereits 22:0 in Führung. Nur entscheidende Maßnahmen auch auf ihrer Seite konnte ihren bereits sicher geglaubten Aufstieg in die dritte Liga noch retten. Daraufhin trat in der zweiten Halbzeit der Begegnung die Hälfte der gegnerischen Happy Boys gar nicht mehr an: Sie seien „zu müde“, erklärten sie und nahmen ihre endgültige Niederlage von 1:33 gelassen in Kauf. Bei den vorigen Begegnungen im März hatte sich der Matiyasi FC noch mit einem bescheidenen Sieg von 2:1 über die Mighty Birds zufrieden geben müssen, während sich die Dangerous Tigers von den Happy Boys sogar 2:2 unentschieden trennten.

Ewiger Bannfluch für Klubs

Safa hält es für erwiesen an, dass sowohl die Mighty Birds wie die Happy Boys für ihre schändlichen Niederlagen etwas Wertvolleres als ihre Spielerehre erhielten. „Diese Leute haben keinerlei Respekt vor Fußball mehr“, klagt Vincent Ramphago, Safa-Verantwortlicher für die Mopani-Region: „Wir können nicht zulassen, dass so etwas nochmals passiert.“ Alle vier Viertligaklubs wurden mit einem ewigen Bannfluch belegt. Ihre Trainer, Funktionäre und die Schiedsrichter erhielten Sperren zwischen fünf und zehn Jahren.

„Besonders traurig“ sei er der jungen Spieler wegen, sagt Safa-Funktionär Ramphago. Schließlich sei der Zweck der vierten Liga, Nachwuchsfußballer zu finden – wenn möglich sogar für die Nationalmannschaft. Welchen Eindruck müssten die Nachwuchskicker jedoch erhalten, wenn sie ihre Siege mit Geld einkaufen können, will Ramphoga wissen. Genau denselben Eindruck, den junge Südafrikaner von den korrupten Machenschaften ihrer politischen Führer erhalten, lautet die Antwort. Schon größeres Kopfzerbrechen bereitet die Frage, wie die mächtigen Vögel, glücklichen Jungs und gefährlichen Tiger auf die Idee kommen konnten, dass ihr dreistes Spiel nicht auffallen würde: Das sollte am Kap der Guten Hoffnung die Alarmsirenen auslösen.

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