Chinese Super League

„Sicherer als in Spanien“

Wuhan ist wegen der Corona-Pandemie weiter abgeriegelt, doch der örtliche Erstligaklub kehrt nun nach China zurück – die Chinese Super League will im Mai in die Saison starten.

Bevor Jose Gonzalez in den Flieger zurück nach China stieg, hatte er noch eine unmissverständliche Botschaft an seine spanischen Landsleute. „Das Problem ist jetzt hier“, sagte der Trainer des chinesischen Fußball-Erstligisten FC Wuhan Zall über das Coronavirus. Hier, in Spanien, in Europa – nicht mehr (nur) in China. Dort, betonte Gonzalez, „werden wir uns sicherer fühlen“.

Das war beim Coach und seinem Team aus der chinesischen Millionenmetropole Wuhan, die als Ursprung der Corona-Krise gilt, über Wochen im andalusischen Luxusresort Sotogrande der Fall.

Ende Januar begannen sie dort ihr Trainingslager, wegen der Pandemie blieben sie länger und länger. Anfangs, berichtete Gonzalez, wurden sie in Südspanien angeschaut, „als wären wir Viren auf zwei Beinen“. Einen positiven Fall hat es in seinem Team nie gegeben, doch als sich das Virus zu Hause plötzlich immer schneller verbreitete, konnten sie nicht mehr zurück. Bis jetzt.

Weil der Höhepunkt der Coronakrise in China als überwunden gilt, hat die Chinese Super League beschlossen, Anfang Mai mit rund zehnwöchiger Verspätung in die Saison zu starten. Die Teams, viele hielten sich zuletzt wie die chinesische Nationalmannschaft in Dubai auf, reisen deshalb nach Hause. Für Wuhan ging es über Frankfurt, jede der rund 30 Personen aus dem Tross trug eine Atemschutzmaske, als sie in den Flieger stieg.

„Nach der Ankunft geht es für uns erst einmal in Quarantäne. Wie für jeden, der in Peking ankommt“, sagte Coach Gonzalez der Süddeutschen Zeitung und mehreren spanischen Medien. China will verhindern, dass die Pandemie aus Europa zurück ins Riesenreich schwappt. Für Gonzalez ist die Quarantäne deshalb „eine völlig richtige Maßnahme“, die einer Logik folgt, die er bei den Europäern bisweilen vermisst.

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Die Debatte, ob womöglich zeitnah weitergespielt werden könne, hält der 53-Jährige für „komplett absurd. Wir reden hier über Gesundheit, Viren. Über Fragen von Leben und Tod“. Zwei Spieltage Pause würden nicht reichen: „Man wird auch hier vier, sechs, acht Wochen brauchen.“ Er fürchte, ergänzte der frühere spanische Erstligaprofi, „das Schlimmste kommt noch“.

Er und seine Mannschaft, glaubt Gonzalez, haben das Schlimmste überwunden: die skeptischen Blicke der Andalusier, die Ungewissheit, die Einsamkeit fernab der Familien. Bei Telefonaten mit den Daheimgebliebenen hätten sich „herzzerreißende Momente“ abgespielt. Fußball, das Training, der Besuch beim Clasico am 1. März – das sei „die beste Therapie“ gewesen: „Es war wirklich so, dass sie auf dem Platz gelächelt haben, wenn der Ball rollte.“

Von einer Flucht aus Spanien, wie berichtet wurde, will er nicht sprechen – obwohl sein brasilianischer Stürmer Leo Baptistao sagte: „Hier sind wir in größerer Gefahr, es ist klüger, zu gehen.“

Die Rückreise, betonte der Coach, sei wegen des Saisonstarts „terminlicher Natur“. Die Spieler seien „voller Freude“, obwohl Wuhan noch immer abgeriegelt ist. Den Leuten in Spanien, in Europa gibt er den Rat, „zu Hause zu bleiben. Je eher, desto besser“. (sid)

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