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Pep Guardiola war bedieht. Beim 0:3 seiner Mannschaft hat sich der Star-Trainer vercoacht.

Champions League

Pep hat sich vercoacht

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Manchester Citys Trainer Pep Guardiola hat sich mit der Umstellung vom bewährten 4-3-3-System im Viertelfinal-Hinspiel gegen den FC Liverpool keinen Gefallen getan. Ein Kommentar.

Es gibt eine Partie in der Vita von Pep Guardiola beim FC Bayern München, die ihm von seinen Kritikern noch heute vorgehalten wird. Die 0:4-Rückspiel-Niederlage im Champions-League-Halbfinale 2014 gegen Real Madrid. Toni Kroos und Bastian Schweinsteiger auf der Doppel-Sechs waren dem wuchtigem Umschaltspiel der Königlichen nicht gewachsen. Als Guardiola Javi Martinez nach 30 Minuten zum Aufwärmen schickte, war die Partie schon entschieden.

Klassisch vercoacht, schrieben hinterher viele, bis Philipp Lahm, damals Kapitän, im April vergangenen Jahres im „Zeit“-Interview damit aufräumte: „Pep hatte sechs Spieler von uns zu sich geholt vor dem Spiel und hat gefragt, wie wir agieren wollen. Die Mannschaft war anderer Meinung als er.“ Zu diesem Zeitpunkt sei Guardiola der Meinung, gewesen die Spieler müssten sich wohlfühlen, „also hat er entschieden, wir spielen so, wie die Mannschaft es wollte“, berichtete Lahm. Jeder habe sehen können, dass das nicht Guardiolas System sei. „Das hat er danach auch nie mehr so gemacht“, sagte Lahm.

Trotzdem schaffte es Guardiola mit den Bayern nicht, die Königsklasse zu gewinnen. Nur ein Jahr nach dem Debakel von Madrid folgte ein 0:3 im Hinspiel in Barcelona. Ohne Franck Ribéry, Arjen Robben und David Alaba waren die Bayern dem späteren Champions-League-Sieger nicht gewachsen. Trotzdem wäre ein Weiterkommen möglich gewesen, wenn Guardiola sein Team beim Stand von 0:1 nicht noch weiter nach vorne getrieben hätte. In der Meisterschaft hingegen war er mit den Bayern haushoch überlegen, genauso wie jetzt nach einem Übergangsjahr als Tabellendritter mit Manchester City in der Premier League.

Doch in den K.-o.-Spielen sind es Kleinigkeiten, die den großen Unterschied ausmachen. Während Jürgen Klopp sein Team wie immer im 4-3-3-System agieren ließ, opferte Guardiola, der sonst ebenfalls im 4-3-3 agiert, Flügelstürmer Raheem Sterling für Ilkay Gündogan, um im Mittelfeld mehr Dominanz zu haben. Das scheiterte genauso kolossal wie das Beordern von Aymeric Laporte auf die Linksverteidigerposition, der eigentlich einen dritten Innenverteidiger gab. Rechtsverteidiger Kyle Walker musste die gesamte rechte Seite beackern, während das Angriffsspiel nur über die linke Seite von Leroy Sané lief, dem nicht wirklich etwas gelingen wollte.

Erst in der zweiten Halbzeit stellte Guardiola auf 4-3-3 um, doch da war alles schon zu spät. Wie vor vier Jahren in Madrid. Diesmal war es aber seine eigene Entscheidung. Dieses Mal hat er sich vercoacht.

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