+
Gerard Pique.

Einwurf

Im Rhythmus des Geldes

  • schließen

Es sind emotionale Tage für Shakira und ihren Lebensgefährten Gerard Pique, den berühmten Fußballer vom FC Barcelona. Er hat sich die Rechte am Daviscup gesichert und setzt alles daran, diesen besser zu machen.

So etwas wie Begeisterung ist ja ein höchst individuelles Empfinden, man kann das ganz schön beim neuen Daviscup-Tennisturnier in Madrid beobachten, auch aus der Ferne, vor dem Bildschirm. Die Sängerin Shakira zum Beispiel postete am Eröffnungstag auf Twitter ein selbst aufgenommenes Handyvideo und schrieb etwas von „Gänsehaut“. Zu sehen war dann ein kurzer Clip, wie ein großes Gitter aufgeht im Madrider Caja Magica, der Zauberkiste, und wie sich dann ein paar hundert Menschen ins Innere begeben, ziemlich gemächlich. Wer dabei Gänsehaut bekommt, bricht vor Rührung auch in Tränen aus, wenn im Supermarkt eine zweite Kasse öffnet.

Aber man muss das verstehen. Es sind emotionale Tage, für Shakira, die Popsängerin, und für Gerard Pique, den Lebensgefährten Shakiras und berühmten Fußballer vom FC Barcelona, der sich mit seinen Geschäftspartnern die Rechte am guten, alten Daviscup gesichert und nun alles dran setzt, ihn zu einem besseren, neuen Daviscup hinzubiegen. Er stößt auf Widerstand. Der Tennismann Ion Tiriac, 80 Jahre alt, ist nicht alleine mit seiner Meinung, wenn er sagt, dass der Verband ITF alles ruiniere mit dem milliardenschweren Rechteverkauf an Piques Agentur: „120 Jahre Tradition. Nur für Geld. Was hat das mit Sport zu tun? Es ist das Lächerlichste, das ich je erlebt habe. Diese Leute sind krank im Kopf. Die haben noch nie einen Tennisball geschlagen.“

Zur Erinnerung: Statt mehrerer Runden, übers Jahr verteilt, mit Heim- und Auswärtspartien, gibt es nun dieses einwöchige Finalturnier in Madrid, für das man ruhig die Bezeichnung „Event“ verwenden darf, ausnahmsweise sogar ohne schlechtes Gewissen. Bei „Event“ ahnt man, dass im Zweifel eine schmierige Geldsackveranstaltung dahintersteckt.

Doch nicht jeder ist so voreingenommen wie Tiriac gewesen vor dem Daviscup in Madrid, der nun offiziell mit dem Titel Davis Cup by Rakuten Madrid Finals leben muss. Es gibt auch gutmütige Menschen wie Boris Becker, der offiziell übrigens nach wie vor mit dem Titel „Head of Men’s Tennis“ beim Deutschen Tennisbund herumläuft, und wer so etwas klaglos erträgt, macht ja wahrscheinlich so gut wie alles mit.

Becker hat immer gesagt, er wolle der umstrittenen Veranstaltung in Madrid eine Chance geben, und wie man ihn da bei den Spielen der Deutschen auf der Tribüne stehen sieht, während alle um ihn herum längst wieder sitzen, muss ihm glauben. Im Match gegen Argentinien hat er sich von den Gesängen der südamerikanischen Fans packen lassen, im Rhythmus der Argentinier klatschte er den deutschen Spielern zu, um ihnen Mut zu machen. Es war ein versöhnliches Bild: Das Wir und das Ihr, aufgelöst und wieder zusammengesetzt zu einem friedlichen Miteinander, symbolisiert durch eine rötliche Tennislegende im Trainingsanzug.

Es gibt, wenn man das aus der Ferne richtig beobachtet hat, wohl vergleichbare Momente in Madrid, größere und kleinere. Während das deutsche Team außer von sich selbst offensichtlich nur von ein paar Silberkopf-Reisenden begleitet wird, die nicht mehr zu wissen scheinen, wie man ohne Klatschpappen Stimmung erzeugt, können Argentinier und Chilenen, Belgier und Kanadier auf lautstarke Unterstützung zählen. Und hinterher trifft man sich in der Stadt und trinkt gemeinsam ein Bier. So soll es sein, so ist das schön.

Am stärksten sind dennoch die Bilder, die man sieht, wenn man an Boris Becker vorbeischaut: Viele leere Plätze. Im Caja Magica, der Zauberkiste, kann die zweite Kasse erst einmal geschlossen bleiben.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion