Transfers in England

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Die englische Premier League hat im vergangenen Jahr einen einsamen Sonderweg bei der sommerlichen Transferphase eingeschlagen. Dass sie sich jetzt korrigieren muss, kommt nicht überraschend. Und freut Jürgen Klopp.

Wenn Jürgen Klopp das Wort ergreift, werden die Zuhörer nur selten enttäuscht, schon mal gar nicht die nach Nachrichten gierenden Reporter. Und auch an diesem Tag im August, dem 23. im vergangenen Jahr, lieferte der deutsche Fußballlehrer des englischen Spitzenklubs FC Liverpool ab. Er fragte und sagte: „Was ist der Nutzen für die Premier League? Ich sehe darin keinen. Mir ist es egal, wann das Fenster schließt, aber es muss zur gleichen Zeit sein. Entweder alle oder keiner. Denn so ergibt es keinen Sinn.“ Punkt. Die Notizblöcke waren gefüllt. Wenn ein Vorschlag so zwingend logisch klingt und trotzdem viele Jahre nur eine Idee bleibt, muss es einen Haken geben. In diesem Fall gar einen ziemlich großen.

Rückblick: 2018 hatte sich die Premier League, die wohl beste Fußballliga der Welt, dazu entschlossen, ihre Regularien für die sommerliche Transferphase zu ändern. Spieler konnten somit nur noch bis einen Tag vor dem Saisonstart verpflichtet werden, also bis Anfang/Mitte August, und nicht mehr, wie ansonsten in den europäischen Spielklassen üblich, bis zum Ende des Monats und damit gute drei Wochen nach dem Beginn der Spielzeit in England. Eine Zweidrittelmehrheit war für diese Abänderung der Statuten nötig, die überwiegende Zahl der Vereine schien also einverstanden mit den angepassten Vorgaben. Das Saus-und-Braus-Leben, der TV-Millionen sei dank, hatte offenbar die Sinne vernebelt.

England ändert Transferzeit

So verführerisch die Idee von der früher endenden Transferphase auch anmutete, so wünschenswert sie als einheitliche Linie für ganz Europa auch wäre, so problematisch gestaltete sich die Umsetzung auf der Insel. Denn das Fenster stand freilich auch am Tag nach der Schließung offen, allerdings nur nach außen. Die Spieler, vor allem diejenigen, die unzufrieden waren, konnten ihre Klubs verlassen – zwar nicht mehr innerhalb Englands, aber quasi überall sonst hin. Ein klarer Nachteil für die Premier-League-Klubs, die sich ja eigentlich mehr Planungssicherheit und vor allem Ruhe während ihrer bereits laufenden Runde erhofft hatten. Das Gegenteil wurde zur Realität. Ein Beispiel: Als Klopp gerade erst seine Unsinnpredigt beendete hatte, stellte doch tatsächlich ein Reporter die Frage nach den Wechselabsichten des Liverpooler Verteidigers Dejan Lovren. Klopp pustete nur kräftig durch. Nervig.

Gestern gab die englische Liga bekannt, den Beschluss rückgängig zu machen. Ab kommenden Sommer dürfen wieder bis Ende August Spieler hin - und hergetauscht werden. Jürgen Klopp wird’s freuen, der Welttrainer des Jahres empfahl schon im August: „Das war eine gute Idee, aber es hat nicht geklappt, also lasst es uns wieder ändern.“

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