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Sergio Busquets: Der Kindergärtner

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Von: Frank Hellmann

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Benutzt seinen Kopf nicht nur zum Denken: Sergio Busquets.
Benutzt seinen Kopf nicht nur zum Denken: Sergio Busquets. © afp

Mit 34 Jahren spielt der Weltmeister Sergio Busquets in der spanischen Mannschaft eine Schlüsselrolle für die Wüstenmission

Rest day“ heißt es im offiziellen Jargon des Fußball-Weltverbandes, wenn die WM-Teilnehmer keine Aktivitäten anbieten, bei denen Medienleute erwünscht sind. Was ja nicht bedeutet, dass spanische Nationalspieler vor dem zweiten WM-Gruppenspiel gegen Deutschland (Sonntag 20 Uhr/ZDF) nur im Hotelzimmer liegen und an der Spielekonsole zocken. Aber wer weiß das an einem offiziellen Ruhetag schon? Sergio Busquets hat in der spanischen Zeitung „Marca“ erzählt, dass der Umgang mit seinen jungen Teamkameraden ihn vor größere Herausforderungen als in den eigenen vier Wänden stelle. Von seinen Söhnen, 2016 und 2018 geboren, sei er ja vieles gewohnt, aber bei der Nationalmannschaft sei es „noch viel schlimmer“.

Lauter Lausbuben, denen mal die Löffel langgezogen werden müssen? Ganz so war das auch nicht gemeint, aber Fakt ist nun einmal, dass vom 34 Jahre alten Kapitän zu Jungstars wie dem erst 18-jährigen Gavi oder dem am Sonntag seinen 20. Geburtstag feiernden Pedri eine beträchtliche Alterslücke klafft. Und dann sind Verhalten, Interessen und Gepflogenheiten unterschiedlich. „Sie scherzen, sind zerstreut“, beschrieb Busquets. „Aber wenn der Moment der Wahrheit kommt, ziehen sie alle an einem Strang und achten auf die Älteren.“

Ramos flehte vergebens

Die jüngeren Spieler würden halt unbedingt spielen wollen, „sie sind sehr ehrgeizig und brennen darauf, die Erfahrungen zu sammeln, die man bei diesen Turnieren bekommt.“ Er, der Kindergärtner, war als einziger beim WM-Triumph 2010 in Südafrika dabei. Jordi Alba, der 33 Jahre alte Linksverteidiger, gab erst im Herbst 2011 sein Debüt für die Seleccion. Busquets, früh schon Leistungsträger beim FC Barcelona, war bei seiner ersten WM auch mittendrin im Halbfinale gegen Deutschland, als Lockenkopf Carles Puyol mit einem wuchtigen Kopfball die Finaltür aufstieß.

Damals in Durban duellierte sich eine spanische Elf, die sich schon auf dem Zenit befand, mit einem deutschen Ensemble, das erst vier Jahre später den Höhepunkt erreichte. Zwölf Jahre später scheint Spanien wieder weiter, obwohl neun Profis im Kader unter 23 Jahre alt sind. Vieles wirkt bei La Roja gerade stimmiger als bei der DFB-Auswahl. Klar, dass der 140-fache Nationalspieler Busquets bei seiner vierten (und wohl letzten) WM als Ziel ausgibt, noch mal den Goldpokal hochzuhalten. „Wir wissen, dass es schwierig wird für uns. Aber warum sollen wir den Wettbewerb nicht gewinnen?“

Das erste Ausrufezeichen schien fast schon eines Weltmeisters würdig. Bei allen Elogen auf die spanische Spielkunst in der Offensive ging gegen Costa Rica (7:0) ein bisschen unter, wie gut auch die Defensive unter Luis Enrique geordnet war. Der Nationaltrainer, der sich standhaft weigerte, den flehenden Bitten des Haudegen Sergio Ramos auf eine Reaktivierung nachzukommen, hatte sich zu einem interessanten Wechselspiel für den vakanten Posten des zweiten Innenverteidigers entschlossen.

Rodrigo, bei Manchester City einer der weltbesten defensiven Mittelfeldspieler, spielte einen „falschen Sechser“. Mal Abwehr-, dann Aufbauspieler. Immer in Blickkontakt mit Organisator Busquets, dessen Aura ausreicht, um die optimale Positionsverteilung auch dann hinzubekommen, wenn der Gegner den Ball hat. Enrique hat trotzdem auf dem Trainingsplatz der Qatar University darauf hingewiesen, welche Qualitäten der vierfache Weltmeister Deutschland noch immer habe. Aber eigentlich geht es dem 52-Jährige nur darum, dass sein Ensemble alles Potenzial abruft. So wie vor zwei Jahren bei einem 6:0-Kantersieg in der Nations League unter Enriques Anleitung gegen eine deutsche Elf, die in Sevilla zum Spielball verkam. Herrscht jetzt nur Ruhe vor dem nächsten Sturmwirbel?

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