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Serge Gnabry hat vier Tore für den FC Bayern München erzielt, beim 7:2 gegen Tottenham Hotspur.

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Serge Gnabry: Auf Umwegen zum Star

Die Arsenal-Fans jammern, dass Arsene Wenger den Deutschen einst nach Bremen ziehen ließ. Doch der Bayern-Profi hat die Umwege gebraucht, um es nach ganz oben zu schaffen. Ein Kommentar.

Tony Pulis war ehrlich erstaunt. Der ehemalige Teammanager von West Bromwich Albion war am Dienstag als Experte im Studio vom britischen Pay-TV-Sender Sky zu Gast. Sein ehemaliger Spieler Serge Gnabry hatte gerade vier Tore für den FC Bayern München erzielt, beim 7:2 gegen Tottenham Hotspur. „Das ist einfach überragend. Wenn Leute zeigen, wozu sie wirklich in der Lage sind und so gut werden, wie er es geschafft hat, ist das fantastisch.“

Bei West Bromwich, wo Gnabry in der Saison 2015/2016 vom FC Arsenal hinverliehen wurde, war er weit hinter seinem Potenzial zurückgeblieben, für das er einst als 16-Jähriger vom VfB Stuttgart nach London geholt wurde. „Wir haben es nie geschafft, ihn richtig fit zu bekommen“, erinnerte sich Pulis. Selbst in der zweiten Mannschaft von West Brom ist Gnabry ausgewechselt worden. Er machte ein einziges Spiel für die Profis und wurde im Sommer von Arsenal für fünf Millionen Euro an Werder Bremen verkauft. Nach Gnabrys Gala jammerten die Arsenal-Fans, wie Arsene Wenger nur diesen Spieler weggeben konnte. Wie schnell sich Zeiten ändern.

Mittlerweile ist Gnabry fester Bestandteil des FC Bayern München und hat von Bundestrainer Joachim Löw kürzlich eine Stammplatzgarantie in der Nationalmannschaft erhalten. Er hat sich über Umwege zum Star entwickelt. Umwege, die er gebraucht hat, um sich zu entwickeln, zu reifen und zu erkennen, dass es nicht reicht, sich nur auf sein Talent zu verlassen. Wenn er das gedacht haben sollte, als er mit 17 in der Premier League sein Debüt feierte.

Viele der jungen aufstrebenden Spieler in Europas großen Ligen brauchen auch die Wettkampfhärte bei kleineren Teams oder in schwächeren Ligen. Am Dienstag stand auf der anderen Seite des Spielfelds Harry Kane, der von Tottenham viermal verliehen wurde, ehe er seine Chance bei den Spurs bekam. Der FC Chelsea setzt in dieser Saison auf Tammy Abraham, Mason Mount und Fikayo Tomori, die in den vergangenen Jahren von einem Zweitligaklub in England zum nächsten gewechselt sind, ehe sie reif für einen Kaderplatz in der Premiere League waren.

Die Zahl der Spieler, die es aus der Jugend direkt in den Kader eines Topklubs schaffen, ist im Vergleich zu denjenigen, die es erst mit 21, 22 oder 23 schaffen, deutlich geringer. Aber auch mit 18 oder 19 im Profikader zu stehen, ist keine Garantie, eine lange Karriere auf allerhöchstem Niveau zu haben. Es gehört sehr viel mehr dazu: Die Einstellung zum Beruf, die Mentalität, sich nicht von Rückschlägen wie einem verlorenen Jahr bei West Bromwich Albion beirren zu lassen, sondern aufzustehen und die nächste Chance beim Schopf zu packen.

Serge Gnabry hat seine Karriere in die richtigen Bahnen gelenkt. Die negativen Erfahrungen aus der Vergangenheit werden ihm sicher dabei helfen, stärker zurückzukommen, wenn das erste Tief beim FC Bayern kommt.

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