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Senegal gewinnt Afrika-Cup: Viele Elfer, wenig Tore

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Von: Thomas Kilchenstein

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Nach dem letzten Schuss gab es für Senegals Fußballer kein Halten mehr.
Nach dem letzten Schuss gab es für Senegals Fußballer kein Halten mehr. © dpa

Weil Sadio Mané entscheidend trifft, wird Senegal zum ersten Mal Afrikameister - Superstar Mo Salah weint.

Das weitgehend höhepunktfreie Finale um den Afrika-Cup endete so wie es begonnen hatte, und wie fast alle K.o.-Spiele endeten: mit Elfmetern. Und natürlich trat wieder Sadio Mané zum finalen Schuss an, jener Stürmer Senegals, der schon ganz früh in diesem Endspiel in Jaunde, der Hauptstadt Kameruns, zum Punkt geschritten war, da allerdings am sehr guten ägyptischen Torwart Abou Gabal scheiterte. Jetzt also war der Zeitpunkt gekommen, High Noon aus elf Metern. Psychologisch hatte Mané, Spitzenstürmer des FC Liverpool, alle Trümpfe in der Hand: Wenn er treffen würde, hätte Senegal den Pokal sicher, wenn nicht, ginge das Elfmeterschießen halt weiter, dann mit seinem Liverpooler Mannschaftskameraden Mohamed Salah, wie immer der letzte Schütze der „Pharaonen“ genannten Ägypter.

Mané konnte also fast nur gewinnen, genauso trat er den Elfmeter auch. Mit festem Blick und ebensolchem Schuss drosch er den Ball hart und flach ins Eck, Senegal hatte das Turnier gewonnen, zum ersten Mal in seiner Geschichte. Beim letzten Mal, 2019 in Kairo, war Manés Team von Algerien 1:0 besiegt worden. Dieses Mal gab es nach dem 4:2 nach Elfmeterschießen und 120 blassen wie torlosen Minuten kein Halten mehr.

„Vor dem letzten Elfmeter sind alle zu mir gekommen und sagten: ‚Sadio, du hast verschossen, aber was soll‘s, wir sind ein Team, wir gewinnen zusammen und wir verlieren zusammen‘", sagte Mané: „Und ich glaube, das hat den Unterschied ausgemacht. Denn das hat mir so viel Motivation gegeben, dass ich konzentrierter war als je zuvor.“

Nach dem Schuss ins Glück und ausgiebigem Jubel fand der 29-Jährige aber auch die Größe, seinen Mannschaftskollegen Salah zu herzen und zu trösten. Da standen die beiden besten afrikanischen Fußballer beieinander, wie beste Freunde, einer weinte, der andere lachte, ähnlich wie im Sommer bei der Copa America, als Lionel Messi seinem Kumpel Neymar Trost spenden musste nach dem verlorenen Finale.

Dürftiges Niveau

Es war kein Turnier, das wegen brillanter Spiele in die Annalen eingehen wird. Überschattet wurde der Wettbewerb von den acht Todesopfern, die vor dem Achtelfinale in der Hauptstadt nach einem chaotischen Stadion-Sturm und Massenpanik zu beklagen waren. Doch es wurde weitergespielt. Der Fußball sollte helfen – auch, um die politische Instabilität in Kamerun mit Putschen und Umsturzversuchen oder die schweren ökonomischen Folgen der Corona-Restriktionen für den Moment vergessen zu machen. Diese Corona-Regeln bremsten viele Fans aus, dazu war das spielerische Niveau vieler Begegnungen auf holprigen Rasen sehr überschaubar, einmal pfiff ein Schiri sogar viel zu früh ab.

Im Grunde bestanden die Teams aus einem Superstar und vielen Mitläufern, etwa Mané (Senegal), Salah (Ägypten), Hakimi (Marokko), Keita (Guinea), Mahrez (Algerien), Aubameyang (Gabun), Haller (Elfenbeinküste) oder Aboubaka (Kamerun).Vincent Aboubaka, lange bei Besiktas und FC Porto, wurde mit acht Treffern auch Torschützenkönig des Turniers, mit Abstand. Und es war nicht das Turnier, das für spektakuläre Offensivaktionen gepriesen werden wird, ohnehin geizten die Mannschaft sehr mit Toren. Der Senegal etwa schaffte es, die Vorrunde mit einem einzigen 1:0-Sieg und zwei torloses Remis bei Gegnern wie Guinea, Malawi und Simbabwe als Gruppenerster zu abzuschließen. Mané, natürlich, war gegen das Schlusslicht Simbabwe der Torschütze, Elfmeter in der Nachspielzeit.

Auch Final-Gegner Ägypten legte sein Augenmerk verstärkt auf die Defensive: In sieben Spielen erzielten sie nach 90 Minuten exakt drei Treffer, zwei in der Gruppenphase und eines beim 2:1-Sieg gegen Marokko; für ihren vierten Treffer brauchten sie schon die Verlängerung. Dafür spielte kein Team länger Fußball wie eben Salah und Co., fast zwei Stunden mehr, vier mal 30 Minuten: Ab dem Achtelfinale ging es für Ägypten immer in die Verlängerung, gegen die Elfenbeinküste (5:4 im Elfmeterschießen), gegen Marokko (2:1), Kamerun (1:3 nach Elfmetern) und eben im Finale. In drei ihrer vier K.o-Spielen schossen sie in 120 Minuten kein Tor, sie ließen aber auch keines zu. Attraktiv ist das natürlich nicht. mit sid

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