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Wird er neuer DFB-Boss? Bernd Neuendorf. Foto: Imago images
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Wird er neuer DFB-Boss? Bernd Neuendorf.

Kehrt endlich Ruhe ein beim DFB?

Selbstbewusst und eloquent

  • Jan Christian Müller
    VonJan Christian Müller
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Der Journalist, Sportfunktionär und Politiker Bernd Neuendorf könnte neuer DFB-Präsident werden - oder doch Peter Peters?

Manchmal können die verschlungenen Wege des Schicksals Richtungen einschlagen, die kein Mensch je hätte voraussehen können: Anfang der 1990-er Jahre saßen in der damaligen Bundeshauptstadt Bonn zwei junge politische Korrespondenten im Pressehaus im Tulpenfeld in Büros direkt nebeneinander. Beide sollten sich später auf ganz anderem Gebiet anschicken, Karriere zu machen. Hier Reinhard Grindel für das „Flensburger Tageblatt“, nebenan Bernd Neuendorf für die „Kieler Nachrichten“. Die Kollegen und Konkurrenten Grindel und Neuendorf unterstützten sich seinerzeit bisweilen gegenseitig bei der Arbeit.

Einst Elitestudent in Oxford

30 Jahre später könnte Neuendorf, inzwischen 60 und mit lichtem Haar, neuer Präsident des Deutschen Fußball-Bundes werden. Der voraussichtliche Kandidat der Amateurverbände wäre - Ironie der Geschichte - im Fall seiner Wahl am 11. März 2022 dann Nach-Nachfolger des einstigen Reporterkollegen Grindel. Beide pflegen nach wie vor bisweilen einen persönlichen Austausch, auch wenn sie politisch ein wenig auseinanderliegen. Grindel ist ehemaliger Bundestagsabgeordneter der CDU. Neuendorf war Sprecher des SPD-Parteivorstands in Berlin und später Staatssekretär in Nordrhein-Westfalen.

Bei allem gegenseitigen Respekt: Der Ex-Boss Grindel und der mögliche künftige DFB-Chef Neuendorf sind sich nicht einig, wie der neue Weg des Verbandes aussehen soll. Grindel, noch immer recht gut vernetzt, ist entschieden dafür, dass Interimspräsident Rainer Koch gar nichts mehr zu sagen haben darf. Neuendorf bewegt sich eher auf der Linie, den erfahrenen Amateurvertreter aus Bayern an seiner Seite zu behalten. Grindel wähnt Koch als zentrale Figur, der ihn im April 2019 gestürzt habe. Koch sagt, Grindel habe das schon selbst zu verantworten.

Über Neuendorf haben alle, die man fragt, praktisch nur Gutes zu berichten. Er soll viel mitbringen, was eine Führungskraft ausmacht, inklusive der bei den letzten beiden Präsidenten vermissten sozialen Kompetenz. Dazu passt sein Credo: „Wir brauchen ein gutes Miteinander und Spaß bei der Arbeit.“ Der gebürtige Dürener mit Wohnsitz in Bonn ist erst seit knapp zwei Jahren Präsident des Fußballverbandes Mittelrhein, also in seiner Funktionärskarriere noch nicht verbraucht. Der ehemalige Politik- und Geschichtsstudent an der berühmten Eliteuniversität Oxford weiß sich eloquent auszudrücken und kennt das (sport)politische Geschäft mit all seinen Abgründen.

Nach seiner Wahl zum Chef am Mittelrhein sagte er Sätze wie: „Wir müssen klarmachen, dass wir die Basis dessen sind, was ankommt an der Spitze.“ Oder: „Wir dürfen uns nicht kleiner machen, als wir sind. Wer sich kleinmacht, der wird auch so behandelt.“ Das sind Botschaften, die im Lager der Amateure bestens ankommen. Und die auch die Profiklubs sich leicht übersetzen lassen können, wenn es in Verhandlungen um die Geldverteilung ans Eingemachte geht. Neuendorf dürfte keiner werden, der sich wegduckt oder gar anbiedert, wenn auf der anderen Seite des Tisches die künftige Ligachefin Donata Hopfen und der designierte DFL-Aufsichtsratschef Hans-Joachim Watzke von Borussia Dortmund sitzen.

Bis spätestens zum Dezember wollen fünf Vertreter der DFB-Regionalverbände nach Rücksprache mit der Bundesliga einen Kandidaten aus ihren Reihen benennen. Sie hoffen dabei auf Unterstützung durch die Deutsche Fußball-Liga. Oder zumindest nicht auf Gegenwehr aus dem Profilager.

Bernd Neuendorf wird sich das alles sehr genau anschauen, ehe er tatsächlich bereit sein dürfte für eine Kandidatur. Er ist gewarnt: Seine drei Vorgänger Wolfgang Niersbach, Reinhard Grindel und Fritz Keller mussten allesamt weit vor Beendigung ihrer geplanten Amtszeiten unfreiwillig zurücktreten. Dass sein Name schon weit medial gehandelt wird, ehe seine Kandidatur fix ist, behagt Neuendorf überhaupt nicht. Dazu passt: Öffentlich mag er sich derzeit nicht äußern. Er bittet via Verbandspressesprecherin um Verständnis.

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