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Seinem Amt gewachsen

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Von: Jan Christian Müller

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Gelungener Auftritt in der Wüste: Bernd Neuendorf.
Gelungener Auftritt in der Wüste: Bernd Neuendorf. © AFP

Es ist ein Segen: Mit klarer Kante distanziert sich DFB-Boss Bernd Neuendorf in Katar von der Fifa und dem Präsidenten Gianni Infantino. Ein Kommentar.

Der mediale Auftakt der WM 2022 in Katar ist dem Deutschen Fußball-Bund schon mal besser gelungen als der 2018 in Russland. Viel besser sogar. Seinerzeit hockte Joachim Löw zunehmend ungehalten in der berüchtigten Herberge in Watutinki vor den Toren Moskaus. Denn der Bundestrainer musste ausharren, bis DFB-Präsident Reinhard Grindel es nach dem großen Fifa-Kongress durch den dichten Verkehr der russischen Metropole geschafft hatte, um die gemeinsam geplante erste Pressekonferenz zu veranstalten. Löw hätte lieber allein losgelegt. Durfte er aber nicht. Als Grindel dann mit mehr als einer Stunde Verspätung in Watutinki ankam, war Löw derart sauer, dass er seinerseits den Präsidenten warten ließ. Unaufschiebbare Trainersitzung. So begann die vermaledeite Russlandreise schon arg ungelenk aus deutscher Sicht.

Diesmal haben sie das beim Verband klug entzerrt. Präsident Bernd Neuendorf, Nach-Nachfolger von Grindel, präsentierte sich mit Wumms im Medienzentrum des Trainingsstadions in Al Ruwais am Nordrand von Katar. Bundestrainer Hansi Flick durfte im zehn Autominuten entfernten Zulal Wellness Resort am Persischen Golf verweilen, sich nach dem Morgentraining den Annehmlichkeiten der noblen Unterkunft zuwenden und mit seiner halben Hundertschaft an Assistenten, Scouts und Videoanalysten den nächsten Gegner Japan studieren.

Dort, in der Wohlfühloase, wo selbst die in Katar ziemlich unverwüstliche Wüste aufgibt, Wüste zu sein und sich lieber dem Meer unterwirft, soll möglichst ungestört der „Geist von Zulal“ gefunden werden. Die Antworten auf die großen Fragen der Sportpolitik hat der Präsident zu geben. Und er gibt sie, und zwar eindrucksvoll.

Dass Neuendorf sich traut, Fifa-Boss Gianni Infantino so deutlich die Gefolgschaft zu verwehren, wie er das weithin hörbar in Katar in geschliffener Rhetorik getan hat, ist ein mutiger Affront gegen das Establishment. Der erst seit acht Monaten amtierende DFB-Chef ist dabei, den deutschen Fußball in einer gesunden Entfernung zum Weltverband zu positionieren. Grindel hatte sich seinerzeit schon auf diesen Weg begeben, Neuendorf nimmt diese Richtung flott wieder auf – und verzichtet dabei auf die übliche unterwürfige Funktionärsdiplomatie. Er verzichtet auch darauf, sich nur deshalb an Infantino ranzuwanzen, weil Deutschland die Frauen-WM 2027 als Co-Gastgeber austragen möchte und die Unterstützung des Fifa-Chefs dabei hilfreich wäre.

Der DFB hat wieder einen Präsidenten, der seinem Amt gewachsen ist. Das ist, ohne dass die deutsche Mannschaft bisher bei dieser WM aufs Tor geschossen hat, eine positive Nachricht.

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