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Tritt bald ab: DFL-Boss Christian Seifert.
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Tritt bald ab: DFL-Boss Christian Seifert.

Liga-Chef besorgt

Seifert mahnt die Politik

  • Frank Hellmann
    VonFrank Hellmann
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Der scheidende DFL-Boss Christian Seifert redet dem deutschen Profifußball ins Gewissen, die Prioritäten nicht in die falsche Richtung zu verschieben.

Angefangen hat Christian Seifert bei der Deutschen Fußball-Liga (DFL) in aller Bescheidenheit. Da erinnert sich einer noch gut an seinen Einzug 2005 in einem Anbau beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) am Ende der Otto-Fleck-Schneise im Frankfurter Stadtwald. Ganze 24 Mitarbeiter hatte die DFL damals. Und: „Es gab einen Generalsekretär beim DFB, der sehr penibel drauf geachtet hat, dass das Logo der DFL nicht größer ist das des DFB-Reisebüros.“ Nicht nur seine Institution, längst nahe des Frankfurter Bankenviertels beheimatet, ist seitdem gewachsen, sondern auch das Renommee des Frontmannes, der auf der Sportbusinessmesse Spobis einen Ehrenpreis empfing, der ihm erkennbar schmeichelte.

Seifert spürt, dass die Corona-Krise auf der Zielgeraden seines Wirkens – aus freien Stücken macht er bereits zum Jahresende Platz für die neue DFL-Geschäftsführerin Donata Hopfen – noch einmal den deutschen Profifußball vor eine Zerreißprobe stellen könnten, wenn etwa die Zulassung von Publikum im Herbst mit stark steigenden Infektionszahlen wieder auf den Prüfstand käme. Die DFL hat vorsorglich eine Studie präsentiert, demnach es unter den 900 000 Zuschauern an den ersten Spieltagen der ersten und zweiten Liga gerade mal sechs positive Corona-Fälle gegeben habe. Nur in 52 Fällen forderten die Gesundheitsämter weitere Datensätze etwa von Sitznachbarn an. Ergo: Das Risiko einer Ansteckung beim Stadionbesuch liege bei nahezu Null. Seifert: „Wenn jetzt immer noch kommuniziert wird, dass Fußball-Spiele potenzielle Superspreader-Events sind und es gefährlich ist, hinzugehen, dann ist es vorsätzlich falsch.“ Der Politik schrieb er ins Stammbuch: „Wir müssen aufpassen, dass aus dem ‚Team Vorsicht‘ nicht das ‚Team Weltfremd‘ wird.“

Der 52-Jährige ließ durchklingen, dass er sich weniger staatliche Eingriffe und mehr unternehmerische Freiheit wünschen würde. So hat er jedenfalls seine Rolle als Bundesliga-CEO begriffen: den Rahmen schaffen, der bestmögliche Bedingungen bietet, aber den Rest müssen die 36 Profiklubs dann alleine hinbekommen. Wobei Seifert feststellt, dass die Ziele inzwischen weit auseinanderdriften. Er warnt davor, aus seiner Sicht falsche Prioritäten zu setzen. Die Leute würden beim Fußball, das belegten alle Umfragen, nicht mehrheitlich nach „Gendersternchen, Choreographie oder Nachhaltigkeit“ verlangen, sondern nach „gutem Fußball, Spannung und Unterhaltung“.

Zudem soll sich der deutsche Profifußball nicht dauernd dafür entschuldigen, „Geld zu verdienen“. Der DFL-Chef findet, dass die kommerzkritischen Ultras gehört werden müssen, aber genauso solle man auch Fans aus dem Familienblock, auf der Gegengerade oder den Businesseats wahrnehmen – die aber hätten oft gar keine Stimme.

Eingedenk der sinkenden internationalen Vermarktungserlöse fühlt sich Seifert ein Stück weit machtlos; dafür wären „Stars und eine spannende Meisterschaft, starke Klubmarken und internationale Titel“ erforderlich. Gerade hätte ihm ein internationaler Vermarkter einen Tipp geflüstert: „Legt alle zusammen und haltet den Haaland.“ Wird vermutlich aber auch nicht reichen, um nächsten Sommer das norwegische Wunderkinder vom Wechsel aus der Bundesliga abzuhalten.

Donata Hopfen tritt unter solchen Umständen am 1. Januar ein schweres Erbe an. Seifert findet, dass seiner Nachfolgerin („sie ist wirklich gut“) ein ordentlicher Baukasten zur Verfügung steht, aus dem sich die 44-Jährige so bedienen kann, „wie sie es für die Zukunft richtig und wichtig findet“. Ihr Erfolg werde indes von der Bereitschaft der Klubs abhängen, „ihr die gleichen Freiräume wie mir zu geben.“

Für seine pointierten Einlassungen, aber auch privaten Einblicke bekam Seifert langen Beifall. Wenig konkret äußerte er sich nur zu seiner eigenen Zukunft, über die er noch „keine finale Entscheidung“ getroffen habe. Das Amt als Aufsichtsratsvorsitzender der Deutschen Sporthilfe tritt er ehrenamtlich an. Ein Angebot aus einer der nordamerikanischen Profiligen ist denkbar, würde Seifert aber wohl nicht weglocken, so besorgt er auch über den Standort Deutschland ist. „Tief drin bin ich zu deutsch. Ich bin Fan davon, dass die Müllabfuhr pünktlich kommt.“

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