Entscheidungen aus dem fensterlosen Studio.
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Entscheidungen aus dem fensterlosen Studio.

Videobeweis

Sehr lange Leitung

  • Jan Christian Müller
    vonJan Christian Müller
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Die Liga hat fast zwei Millionen Euro investiert, damit Hawkeye der Bundesliga ein einwandfreies Produkt liefert. So ganz gelungen ist das nicht. Ein Kommentar.

Beim Deutschen Fußball-Bund ist die Vorfreude in den vergangenen Wochen zu spüren gewesen. Man wähnte sich bestens vorbereitet auf die zweite Stufe der Testphase mit dem Videoassistenten, und man wusste: „Die ganze Welt schaut nach Deutschland.“ Sie wollten dieser ganzen Welt das Ergebnis einer typisch deutschen und also perfekten Vorbereitung gleich am ersten Bundesligaspieltag präsentieren. Das ist beim Eröffnungsspiel und bei der Partie Freiburg gegen Frankfurt gelungen, als jeweils der Videoexperte im Kölner Studio dem Referee zum nötigen Durchblick verhalf.

Aber auf diese Unterstützung mussten die Schiedsrichter an mindestens drei Bundesliga-Schauplätzen verzichten, als die Verbindung zwischen dem Bildschirmschiri im Kölner Broadcasting Center und dem Headset des Unparteiischen auf dem Spielfeld nicht stabil aufgebaut werden konnte und nirgendwo die sogenannten Kalibrierungslinien auftauchten, die zur zweifelsfreien Ermittlung einer Abseitsstellung notwendig sind.

In Stufe eins war das System vergangene Saison im Offline-Betrieb getestet worden, ohne dass ein direkter Kontakt zwischen Videomann und Hauptschiedsrichter zustande kam. Nun, in Phase zwei, handelt es sich nach wie vor noch um einen Test und keineswegs um ein ausgereiftes System. Das sollte bei allem verständlichen Ärger, den am Wochenende die Deutsche Fußball-Liga (DFL) dem technischen Partner Hawkeye nicht nur intern, sondern mit allem Nachdruck auch öffentlich übermittelt hat, in eine unaufgeregte Betrachtung einfließen.

Die Liga hat fast zwei Millionen Euro investiert, damit das unter anderem im Tennis und in der Torlinienüberwachung im Fußball zur Marktführerschaft gelangte Hawkeye der Bundesliga ein einwandfreies Produkt liefert. Die Sony-Tochter hatte sich bei der Ausschreibung der DFL gegen den Konkurrenten Evertz durchgesetzt. Sie stellt bei dem Gemeinschaftsprojekt von DFB und DFL neben der aktuell nicht komplikationslos funktionierenden Technik auch die Operatoren im Studio, die den Videoassistenten die notwendigen Bilder vorsetzen, außerdem Techniker an den Spielorten.

Schon beim Supercup in Dortmund hatte das System nicht zur Zufriedenheit der im Sinne eines fairen Wettbewerbs zurecht auf Perfektion bedachten DFL funktioniert. Zum Glück für alle Beteiligten war aber sowohl dort als auch an diesem Wochenende in Hamburg, Berlin und Hoffenheim nur die Technik ausgefallen, ohne dass dies zu gravierenden Fehlentscheidungen geführt hätte.

Fifa und Uefa beobachten die deutschen Testerfahrungen sehr genau. Womöglich mit dem Ergebnis, dass der Videomann ins Stadion gehört und nicht in ein fernes fensterloses Studio.

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